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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 22.09.2007

Ein fliehendes Pferd
Eva Kaufmann

Rainer Kaufmann verfilmte Walsers Novelle über Älterwerden, Sexualität und dem Zugang zur eigenen Existenz. Herausgekommen ist eine typisch deutsche Komödie.



"Diese Geschichte zweier Ehepaare ist ein Glanzstück deutscher Prosa unserer Jahre, in dem sich Martin Walser als Meister der Beobachtung und der Psychologie, als Virtuose der Sprache bewährt."

So urteilte Marcel Reich-Ranicki über die Novelle. Wie soll das denn mit Rainer Kaufmann zusammen gehen? Psychologisch differenzierte Charaktere sind wahrlich nicht das Markenzeichen des Regisseurs, der auf dem Gebiet der Literaturadaption vor allem mit Verfilmungen von Kriminalromanen Ingrid Nolls auf sich aufmerksam machte. "Kalt ist der Abendhauch", "Die Apothekerin" und "Stadtgespräch" prägten das Gesicht des deutschen Films in den 90er Jahren. Was macht also Rainer Kaufmann aus Walsers wunderbar eindringlichen psychologischen Studie? Ganz einfach: Das, was er am besten kann. Eine Komödie.

Sommerferien am Bodensee: Seit Jahren machen Helmut Halm und seine Frau Sabine am gleichen Badeort Urlaub. Ohne ihre Kinder, versteht sich. Die Ferien bringen dem Lehrer Helmut schon lange nichts Neues mehr. Eigentlich freut er sich nur darauf, Zeit zum Lesen zu haben und den Bodensee von der Badewiese aus überblicken zu können. Sabine plätschert neben ihm im Wasser, viel zu sagen haben sich die beiden nicht mehr. Da genießt Helmut lieber stillschweigend das Panorama an nackter Frauenhaut, das sich ihm bietet.

Doch ein Störenfried dringt polternd in Helmuts Dasein. Der laut auf ihn einredende, leinenhemdbekleidete Mann mit der großen Sonnenbrille stellt sich als alter Jugendfreund Klaus Buch heraus. Begleitet wird er von Helena, einer jugendlichen, blonden Schönheit, Pilates-Trainerin. Helmut ist von der Aufgedrehtheit des alten Kumpels überrumpelt und muss zuhören, wie Klaus vor versammelter Runde Schoten aus der gemeinsamen Schulzeit erzählt: Von Fraueneskapaden bis zu Helmuts verengter Vorhaut lässt er dabei keine Peinlichkeit aus.

Diese Szene zu Beginn des Films markiert den Rahmen, in dem er sich bewegt. Um den Tisch sitzen vier Personen, die, das tut die deutsche Komödie gerne, typisiert werden. Auf dieser Basis darf sich der weitere Film entwickeln, seine Komik entsteht, wenn zwei Typen miteinander kollidieren und daraus besonders absurde Situationen entstehen. Man darf also vorstellen:
Helmut, der einst große auch intellektuelle Erwartungen an sein Leben stellte, steckt mittlerweile festgefahren in Ehe, Lehrerdasein und vor allem in der eigenen Haut. Die unmittelbare Erfahrung des Lebens macht ihm Angst (symbolisch: Panik vor dem Wasser, Beobachter am Ufer) und so wird alles, was unkontrollierbar in sein Leben eindringt, zum Feind.
Klaus darf als direkter Gegenspieler Helmuts agieren. Er lebt aktiv, hat beruflich mal dies, mal das gemacht (unter anderem Bücher veröffentlicht, während Helmut, hier ist der Gegensatz wieder, im Lesegenuss passiv konsumiert) und lebt eine erotische Beziehung mit seiner Freundin Helena.
Sabine liebt ihren Mann Helmut, ist jedoch gelangweilt von ihrem Eheleben und bisweilen genervt von der passiven Borniertheit ihres Mannes.
Helena oder "Hel" ist deutlich jünger als die beiden Männer und Sabine und trägt eine aufreizende, natürliche Art von Sexualität zur Schau.

Die anfängliche Pärchenkonstellation Helmut-Sabine und Klaus-"Hel" kommt gehörig durcheinander: Helmuts in der Ehe zum Erliegen gekommener Sexualtrieb erwacht durch die freizügige Helena neu, während Sabine sich von Klaus angezogen fühlt: Er trifft durch seine lauten, dann und wann anzüglichen Avancen ihre Weiblichkeit.

So verbringen die vier ihren Urlaub also zusammen: Gemeinsame Abendessen, ein Ausflug ins Ried, Discobesuche – während Klaus und Sabine, Helmut und Hel einander immer näher kommen, wächst der Konflikt zwischen den beiden männlichen Protagonisten. Klaus hält Helmut einen Spiegel vor, scheint mit jeder Geste zu schreien: "Du bist ein langweiliger Spießer, weil du Angst vor dem Leben hast!" So mit sich selbst konfrontiert, sieht Helmut sich in Bedrängnis. Wie soll er reagieren? Es kommt zum großen Showdown auf dem Bodensee...

Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Arbeit am Drehbuch für "Ein fliehendes Pferd" beendet war. "Eine ziemlich lange Zeit", so der Regisseur, "aber es war auch ziemlich schwierig und kraftraubend, Walsers Buch, in dem ja jeder Satz durchdrungen und durchdacht ist, in ein Drehbuch umzuschreiben." Das ist einleuchtend, halten sich doch die Dialoge nur an Schlüsselstellen an die Novelle. Gekürzt wurde vor allem an der Tiefendimension. Die SchauspielerInnen spielen keine Charaktere (ganz ehrlich: würden Sie Katja Riemann das noch zutrauen?), sondern vom Drehbuch vorgezeichnete Figurentypen. Sie bewegen sich in festen Bahnen und auch die Dialoge zeichnen sich nicht durch große Tiefe aus. Das war aber auch nicht die Zielsetzung: Laut Rainer Kaufmann lag die große Herausforderung im Drehbuch. Es ging darum, "die äußere Leichtigkeit mit der Innerlichkeit des Buches zu verbinden."

AVIVA-Tipp: Das ist gelungen. "Ein fliehendes Pferd" ist keine tiefgründige Literaturadaption und soll es nicht sein. Der Film ist kurzweilige Unterhaltung mit netten Dialogen, einem gelungenen Spannungsbogen und hübschen Pointen, abgesichert durch den Rahmen, den ihm die intelligente Figurenkonstellation Walsers vorgibt. Eine typisch deutsche Komödie. Warum nicht?

Ein fliehendes Pferd
Regie: Rainer Kaufmann
Deutschland 2006
DarstellerInnen: Ulrich Noethen, Ulrich Tukur, Katja Riemann, Petra Schmidt-Schaller
96 Minuten
Die DVD-Facts auf einen Blick
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Lauflänge: ca. 92 Minuten
Verkaufsstart: 23. April 2008
Bildformat: 2,35:1 (16:9 anamorph codiert)
Sprachen/Tonformat: Deutsch: DTS + Dolby Digital 5.1
Untertitel: Untertitel für Hörgeschädigte (optional)
Bonusmaterial: - Interviews mit Katja Riemann, Ulrich Noethen, Ulrich Tukur, Petra Schmidt-Schaller, Rainer Kaufmann und Martin Walser
- B-Roll
- Outtakes
- Deleted Scenes
- Deutscher Kinotrailer
- Fotogalerie
- Programmtipps
Laufzeit Bonusmaterial ca. 30 Minuten
Bestellnummer: 2636
EAN-Code: 40 10324 02636 1


Kultur Beitrag vom 22.09.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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