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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 29.09.2007

Auf der anderen Seite
Eva Kaufmann

Der zweite Teil der "Liebe, Tod und Teufel"-Trilogie verwebt geschickt die Lebensgeschichten von Menschen zweier Kulturkreise. Besonnen und kraftvoll schafft Akin großartiges Erzählkino.



Nach "Gegen die Wand" ist dies Fatih Akins zweiter Film aus der Trilogie "Liebe, Tod und Teufel". In diesen drei Elementen sieht er die Triebkräfte, die das menschliche Universum bestimmen: "Liebe ist die Essenz des Menschen und der Menschlichkeit und sie schwindet tagtäglich. Der "Tod" ist eine Tür, ein Übergang, Bewegung, das ´Dazwischen´ und der Teufel das Böse, die Zerstörung, die Gier, das Gegenteil von Liebe, das sich stets mit ihr duelliert."

"Auf der anderen Seite" stellt nun Akins Auseinandersetzung mit dem Tod dar. Inwiefern ist er ein "Übergang", ein "Dazwischen"?

Der Film erzählt die Geschichte von sechs Menschen, deren Lebenswege sich kreuzen und deren Schicksale miteinander verwoben sind. In Bremen überzeugt der türkische Einwanderer und Witwer Ali die ebenfalls türkischstämmige Prostituierte Yeter, bei ihm zu wohnen. Sie soll sich um die zu kurz gekommenen Bedürfnisse des alten Mannes kümmern. Alis Sohn Nejat ist Professor für Germanistik in Hamburg. Der gebildete und moralische Mann missbilligt das Verhalten seines Vaters. Er gewinnt allerdings Sympathien für Yeter, als sich herausstellt, dass diese ihre Einnahmen in das Studium ihrer Tochter Ayten in der Türkei investiert. In letzter Zeit hat sie jedoch den Kontakt zu ihrer Tochter verloren, die nichts von der wahren Tätigkeit ihrer Mutter ahnt.

Szenenwechsel: Istanbul, eine Demonstration. Rote Fahnen und laute Parolen vermummter Menschen füllen die Straßen, daneben ein Großaufgebot der Polizei. Die Situation eskaliert, eine junge maskierte Frau muss fliehen. Sie verliert ihr Handy, das der Polizei in die Hände fällt. Aus Angst vor Folterung in türkischen Gefängnissen reist sie mit einem falschen Pass nach Deutschland aus. In Bremen sucht sie vergeblich nach ihrer Mutter: Yeter. An ihrer Stelle begegnet sie jedoch der Studentin Lotte, die Ayten bereitwillig aufnimmt. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine intensive Liebe.

Yeter, Aytens Mutter, wird von Ali misshandelt. Als sie sich dagegen zur Wehr setzt, tötet der sie in betrunkenem Zustand durch einen Schlag. Nejat ist ungehalten und enttäuscht von seinem Vater, der auf den Mord hin abgeschoben wird. Er gibt seinen Beruf an der Hamburger Universität auf und beschließt, in der Türkei nach Ayten zu suchen, um ihr das Studium zu finanzieren. In Istanbul übernimmt er eine deutsche Buchhandlung.

Ayten hingegen lebt bei Lotte in Bremen. Als sie bei einer Polizeikontrolle ohne gültige Papiere entdeckt wird, muss auch sie in die Türkei zurückkehren. Getrieben von der panischen Angst vor einem Gefängnisaufenthalt in ihrer Heimat stellt sie mit der Unterstützung von Lotte und deren Mutter mehrere Asylanträge. Sie scheitern, woraufhin Ayten in der Türkei inhaftiert wird. Lotte ist verzweifelt, reist nach Istanbul und nimmt den kräftezehrenden Kampf gegen die türkische Bürokratie auf. Unterkunft findet sie bei Nejat, den sie in dessen Buchhandlung kennen lernt. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände stirbt auch Lotte in den Straßen Istanbuls, was wiederum ihre Mutter veranlasst, nach Istanbul zu reisen...

Fatih Akins Film verknüpft eine Vielzahl von Fäden, Personen und Lebenswegen. Immer wieder ist es dabei der Tod, der den Stein ins Rollen bringt. Er ist der Knotenpunkt als Ansatz für weitere Verzweigungen von Geschichten, die wiederum neue Kreise ziehen und sich berühren. Der Tod als "Übergang", als "Dazwischen"? "Auf der anderen Seite" demonstriert Grenzenlosigkeit: In dieser Geschichte gibt es keinen Anfang und kein Ende, er zeigt: Grenzziehungen sind immer gesetzte Punkte. Zwischen ihnen existiert ein Gewirr an Lebenswegen, Linien im unendlichen Raum, in dem Liebe und Tod, so will es Akin, sich duellieren.

"Auf der anderen Seite" ist großartig inszeniert. Von der überschäumenden Leidenschaft aus "Gegen die Wand" ist wenig übriggeblieben. Statt dessen zieht sich der Regisseur zurück und lässt die präzise gezeichneten Figuren selbst ihre Kraft ausstrahlen. Sie überzeugen allein durch ihre Leinwandpräsenz. So wie er ihnen viel Raum einräumt, wirken auch die Kulissen und Schauplätze des Filmes für sich. Speziell die in der Türkei gedrehten Szenen bestechen durch ihre ruhige Eleganz und das malerische Licht, das eine ganz besondere Stimmung entstehen lässt. Akin erzählt besonnen, aber nicht langsam.

Der in Deutschland geborene Fatih Akin verbringt momentan viel Zeit in der Heimat seiner Eltern: "Zurzeit würde ich mich als deutschen Türken definieren." Das ist "Auf der anderen Seite" deutlich anzumerken. Nicht nur die Bewegungsrichtung der Figuren im Film weist klar in die Türkei. Er hat auch ein Werk der "interkulturellen Verständigung" geschaffen, das mehr als seine bisherigen Arbeiten beide "Seiten" voller Einfühlungsvermögen beleuchtet.

AVIVA-Tipp: Der Film, der bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2007 unter anderem den Preis für das beste Drehbuch erhielt, ist wunderbares Erzählkino. Eindringlich lässt es seine großartigen Figuren und Räume selbst sprechen. Das prägnante Spiel aller DarstellerInnen leistet seinen Beitrag zu einem anspruchsvollen und bewegenden Kinoereignis.

Auf der anderen Seite
Regie: Fatih Akin
Deutschland 2007
DarstellerInnen: Nurgül Yesilçay, Baki Davrak, Patrycia Ziolkowska, Nursel Köse, Tuncel Kurtiz, Hanna Schygulla
122 Minuten
Der Film im Web: www.auf-der-anderen-seite.de

DVD-Infos:
Ab 22. Februar 2008 im Handel erhältlich.
Auf der anderen Seite erscheint als Single-Disc mit Audiokommentar von Fatih Akin und Statements des Regisseurs und der SchauspielerInnen, sowie als
Doppel-DVD
mit umfangreichem Bonusmaterial:

  • Fatih Akin-Tagebuch eines Filmreisenden (57 Min.)

  • "Das schwarze Meer" - Ein Kurzfilm von Fatih Akin (ca. 15 Min.)

  • "Famous last words" - Ein Interview mit dem Produzenten Andreas Thiel (60 Min.)

  • "Süper Ist8nbul" - Teamfilm (4 Min.)

  • "Auf der anderen Seite" ist außerdem mit deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte ausgestattet.

    Weiterlesen auf AVIVA-Berlin: Gegen die Wand


    Kultur Beitrag vom 29.09.2007 AVIVA-Redaktion 

       




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