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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 18.02.2007

Die PreisträgerInnen der 57. Berlinale
Tatjana Zilg

Wieder sorgte die Preisvergabe der Internationalen Jury für Überraschung: Der chinesische Film "Tuyas Marriage" wurde mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Beste Regie für "Beaufort" aus Israel



Eine Mehrheit unter Presse und Publikum war sich schnell einig: Top-Kandidat für die Bären-Vergabe sei der Film "Irina Palm" mit seiner famosen Hauptdarstellerin Marianne Faithfull, weltberühmt im Rock-Business, die sich aber auch als Schauspielerin seit den 60er Jahren kontinuierlich einen Namen gemacht hat. Ihr Schwerpunkt wird aber weiterhin in der Musik liegen: Während der Pressekonferenz beantwortete sie die Frage nach ihrer nächsten Rolle mit dem Hinweis auf ihr neues Album im Herbst 2007. Ein Filmprojekt, das sie spannend genug fände, gäbe es im Moment nicht.
"Irina Palm" ist das Pseudonym, das Maggie (Marianne Faithfull), einer englischen Witwe um die 50, von einem Sex-Club-Besitzer verliehen wird, als sie sich zu einer seiner Hauptattraktionen mausert. Die Varianten des ältesten Gewerbe der Welt machen es möglich, dass alles, was die Kunden je von ihr kennenlernen werden, ihre Hände sind. Ein Schicksalsschlag in der Familie hat Maggie in Geldnöte gebracht: Ihr Enkel ist todkrank, nur eine Operation in Australien kann ihn retten. Regisseur Sam Garbarski setzte die Story mit britisch schwarzem Humor und viel Sensibilität für seine Charaktere um.

Auch "The Good Sheperd" von Robert De Niro wurden exzellent gute Chancen für die glänzenden Bären zugesprochen. 167 Minuten mit einem komplexen Polit-Thriller-Plot und herausragenden SchauspielerInnen überzeugten eine Großzahl der Berlinale-BesucherInnen, der rote Teppich und die Hinterausgänge waren den ganzen Samstag lang von vielen Fans und neugierigen FilmliebhaberInnen umlagert.
Im Gegensatz zu den beiden anderen Favoriten in den öffentlichen Berlinale-Prognosen erhielt der Film später tatsächlich einen Preis der Internationalen Jury. Martina Gedeck, die als deutsche Schauspielerin in der amerikanischen Produktion ihr Talent bewies, nahm stellvertretend für das hochkarätig besetzte SchauspielerInnen-Ensemble den Bären für eine herausragende künstlerische Leistung entgegen, der dieses Jahr ungewöhnlicherweise für die gesamte Cast eines Filmes verliehen wurde.

Dritter im Bunde der Voraussagen war der Eröffnungsfilm "La Vie en Rose", das farbenprächtige Epos über das Leben der Chanson-Ikone Edith Piaf. Zunächst teils leicht zwiespältig aufgenommen, wurde der Silberne Bär für die Beste Darstellerin dann doch bald in den Händen der Hauptdarstellerin Marion Cotillard vermutet.

Rocksängerinnen, die hochtalentiert Hauptrollen spielen, RegisseurInnen, die zu den größten SchauspielerInnen der Hollywood-Filmgeschichte gehören – diese Berlinale zeigte in hohen Maße, wie wertvoll Cross-Professionen im Filmschaffen sein können: Viele Namen, eigentlich als SchauspielerInnen bekannt, tauchten bei den Regie-Angaben auf: U.a. Julie Delpy mit ihrer wunderbaren Beziehungskomödie "Deux jours à Paris (2 Tage in Paris)", Sarah Polley mit dem beeindruckenden Melodram über die Alterskrankheit Alzheimer "Away From her".

Popstar Jennifer Lopez lief ebenfalls über den Roten Teppich: Sie spielt die Hauptrolle in "Bordertown". Die unaufgeklärten Serienmorde in einer mexikanischen Grenzstadt an jungen Frauen, die erst jahrelang vertuscht wurden, dann mehr und mehr die Welt erschütterten, wurden von Regisseur Gregory Nava zu einer Krimi-Storyline nach Hollywood-Gesetzen umgesetzt. Ob dies der passende Hintergrund für eine Star-Performance ist, war schnell umstritten.

Nachdem viele der amerikanischen Gäste wegen ihres voll gepackten Terminkalenders wieder abgereist waren, entschied die Jury auch 2007 - wie fast jedes Jahr - ganz anders als von Fachmedien und vom Publikum erwartet: Der Goldene Bär für den Besten Film ging an einen der drei asiatischen Wettbewerbs-Beiträge - "Tuya´s Marriage (Tu ya de hun shi)".
Damit wurde auch die immer größer werdende Bedeutung der asiatischen FilmemacherInnen jenseits der Material Arts-Produktionen in allen Festival-Sektionen betont.
Regisseur Wang Quan´an erzählt die Geschichte eines mongolischen Ehepaars. Sie leben als Viehhirten im Nordwesten der Inneren Mongolei und müssen ihre Interessen gegen die chinesische Regierung durchsetzen, die sie bedrängt, das Nomadenleben aufzugeben, in die nahen Städte zu ziehen und sich dort niederzulassen. Die Behinderung ihres Ehemannes stellt Tuya vor eine schwere Entscheidung, als sie selbst krank wird.
"Meine Mutter wurde nahe des Drehorts in der Inneren Mongolei geboren. Ich habe darum die Mongolen, ihre Lebensart und ihre Musik schon immer sehr gern gemocht. Als ich erfuhr, dass die gewaltige Ausbreitung der Industrie die Steppe immer wüstenähnlicher werden lässt und die örtliche Verwaltung die Hirten zwingt, ihre Weidegründe zu verlassen, beschloss ich, einen Film zu drehen, der alles dies festhält, bevor es endgültig verschwindet" sagt Wang Quan´an zu seinem Film-Projekt.

Sehr erfolgreich waren auch die israelischen Filme bei der 57.Berlinale:
Für das Kriegsdrama "Beaufort" bekam Joseph Cedar, der 2004 im Forum "Campfire" zeigte, den Silbernen Bär für die Beste Regie.
In der Nähe der alten Kreuzfahrerfestung Beaufort unterhält die israelische Armee einen militärischen Stützpunkt gleichen Namens. Der stark gesicherte Posten existiert seit dem Libanon-Krieg 1982. Liraz Liberti ist der erst 22 Jahre alte Kommandeur von Beaufort. Er soll mit seiner Truppe in wenigen Monaten den Stützpunkt verlassen. Im Mittelpunkt des Filmes steht nicht der Krieg, sondern der Rückzug. Während die Festung noch unter feindlichem Beschuss liegt, muss Liraz die Vorbereitungen zu ihrer Sprengung treffen.

Von heiteren Grundtenor dagegen ist "The Bubble" von Eyton Fox, dem es mit Bravour gelingt, seinen Film, der als Komödie beginnt, zu einem melodramatisch aufwühlenden Ende zu führen.
Lulu, Noam und Yali leben in einer Dreier-WG in Tel Aviv. Politisch sind sie links angesiedelt und organisieren in einer größeren Gruppe Raves gegen den Hass zwischen Israelis und Palästinensern. Genauso wichtig ist ihnen, das Leben im Jetzt zu genießen. Sie gehen viel tanzen und sitzen in den Bars und Cafes von Tel Aviv´s hippestem Stadtteil. Dann verliebt sich Noam heftig in einen illegal eingereisten Palästinenser, Ashraf. Erst scheint es so, als würde das Dreiergespann auch dieses Problem mit Leichtigkeit bewältigen. Sie überstülpen ihm einfach eine jüdische Identität. Das geht einige Zeit gut, bis die Gewalt auch in das Leben der Vier dringt und sie vor wesentliche Entscheidungen stellt.
Die LeserInnen-Jury von Berlins schwullesbisches Stadtmagazin "Siegessäule" zeichnete "The Bubble" bereits am Donnerstag-Abend mit der ELSE aus, die zum 15. Mal verliehen wurde. Hauptdarsteller Ohad Knoller nahm im Kosmos an der Karl-Marx-Allee den Preis aus den Händen von Laudatorin Jasmin Tabatabai entgegen.
Auch im Ranking um den Panorama-Publikums-Preis, vom tip und Radio Eins verliehen, erreichte "The Bubble" den 2. Platz.

Eine schwierige Mutter-Sohn-Beziehung in einem Kibbuz Anfang der 70 er Jahre verfolgt der Regisseur Dror Shaul in "Sweet Mud (Adama Meshuga´aT)", der von der Jugendjury der Generation-Sektion 14plus den Gläsernen Bären erhielt.

Generation, das Kinderfilmfest unter neuen Namen, erschien noch etwas unbestimmt in seinem neuen Profil: Obwohl durch die Trennung in die zwei Sektionen Kplus und 14plus den unterschiedlichen Bedürfnissen der Altersgruppen besser entsprochen werden sollte, mussten bei der Preisverleihung von dem Kplus Bären die kleineren Kinder aus dem Saal geschickt werden, da der von der Kinderjury ausgewählte Film "Das Internat (Dek Hor)" von Songyos Sugmakanan aus Thailand ab 12 Jahre empfohlen wird – nicht ohne Grund, denn er erzählt mit Stilmitteln des Horror-Genres von den Erlebnissen eines Neuankömmlings in einem Internat.

Den ersten Platz beim Panorama-Publikumspreis erlangte dieses Jahr wieder ein Dokumentarfilm:
Die britische Regisseurin Lucy Walker begleitet in "Blindsight" sechs tibetanische Teenager auf die Besteigung des 23.000 Fuß hohen Lhakpa Ri auf der Nordseite vom Mount Everest. Die gefährliche Reise wird zu einer fast unmöglichen Herausforderung aufgrund der Tatsache, dass die Teenager blind sind. In der Gesellschaft haben sie eine schwierige Position, weshalb sie in der einzigen Blindenschule von Tibet leben.

Der Teddy ging an einen asiatischen Film: "Spider Lillies" (Ci-Qing) von Zero Chou über die beiden jungen Frauen Takeko und Jade. Die Jury prämierte die symbolische und vielschichtige Reflektion von Liebe, Verlust und das Wiedererleben von Gefühlen durch Erinnerung.
Takeko hat das Bild eines Tattoos in ihrem Studio hängen. Es zeigt eine goldene Spinnenlilie (Lycoris Aurea), die Blume des Todes, die zu beiden Seiten des Pfades in das Totenreich wächst. Jade bewundert dieses Meisterstück. So ein Tattoo möchte sie unbedingt haben. Aber Takeko zögert. Jade weiß nicht, dass auf dem Bild das Tattoo von Takekos totem Vater abgebildet ist und dass die Frauen sich schon einmal begegnet sind. Vor zehn Jahren überlebte Takeko das Erdbeben, bei dem ihr Vater getötet wurde und ihr jüngerer Buder in ein Koma fiel. Damals beschloss Takeko, wie ihr Vater Tätowierer zu werden. Sie begann eine Lehre bei dem großen Künstler Sensei Yoshi und trug schon bald ein ganz privates Geheimnis auf ihrem Arm - die schicksalhafte Spinnenlilie, das letzte Bild, das Takekos Bruder sah, bevor er ins Koma fiel. In Jade hatte sie damals eine große Bewunderin. Und Jade war es auch, die behauptet hatte, ihre eigene Mutter sei bei dem Erdbeben gestorben, eine Lüge, die zum Bruch der Freundschaft führte.
Jetzt ist Jade 18 Jahre alt und gibt Takeko ihre Karte. Kaum vom Besuch ihres immer noch kranken Bruders heimgekehrt, geht Takeko online, um sich Jades Homepage anzusehen. Und so erfährt sie, dass sich hinter Jade nicht nur eine junge Studentin verbirgt, sondern auch ein Web-Cam-Girl, das mit Cybersex Geld verdient. Unversehens geraten die jungen Frauen in das Zentrum einer geheimen Polizeiaktion, von der beide nichts ahnen.

Als Bester Dokumentarfilm wurde von der Teddy-Jury "A Walk into the sea: Danny Williams and the Warhol Factory" von Esther B. Robinson ausgewählt.

Die Jury des 11. Femina-Film-Preises entschied sich dieses Jahr, die Mitarbeit von Bettina Böhler an dem Wettbewerbsfilm "Yella", Regie Christian Petzold und mit Nina Hoss in der Hauptrolle, zu prämieren. Die Cutterin überzeugte durch einen Schnitt, der die "komplexe Erzählstruktur durch seinen souveränen Rhythmus trägt. Er lässt mit Eleganz und Leichtigkeit den Zusammenklang von Regie, Kamera und Sounddesign entstehen. Unmerklich führt er die Zuschauer und Zuschauerinnen in eine Welt, die von jedem Bild zum nächsten voller Überraschungen ist."
Nina Hoss überzeugte mit ihrer ausdrucksstarken Interpretation der Yella die Internationale Jury und konnte sich während der Abschluss-Pressekonferenz mit dem Silbernen Bären für die Beste Darstellerin in den Händen der FotografInnen-Schar stellen.

Im Filmpalast-Berlin, etwas abseits vom Festival-Trubel am Potsdamer Platz, aber im stilvollen Ambiente eines der schönsten Kinosäle der Stadt, fand schon Mitte der Woche die Vergabe der Berlinale Kamera statt, eine Auszeichnung für Persönlichkeiten, denen sich die Berlinale auf besondere Weise verbunden fühlt. Mit dieser Ehrung sagen die Filmfestspiele Danke denjenigen, die durch ihre Arbeit zu FreundInnen und FördererInnen des Festivals geworden sind.
Für ihre Verdienste um den Film wurden bei der 57. Berlinale der italienische Fernsehjournalist und Dokumentarfilmer Gianni Minà, die ungarische Filmregisseurin Márta Mészáros, sowie die Journalisten Dorothea Moritz und Ron Holloway mit einer Berlinale Kamera geehrt.
Márta Mészáros Mészáros wurde 1975 für ihr Drama "Örökbefogadás (Die Adoption)" mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet. Der Film markierte den internationalen Durchbruch der Regisseurin. Nach ihrem Studium an der Filmhochschule Moskau kehrte Márta Mészáros 1956 nach Ungarn zurück, wo sie zunächst vor allem Dokumentarfilme drehte. Ihr erster Spielfilm "Eltávozott nap (Das Mädchen)", war 1968 der erste von einer Frau gedrehte ungarische Spielfilm.

Im Rahmen von "Cinema For Peace 2007" wurde der Film "Coca -- Die Taube aus Tschetschenien" mit der Auszeichnung "Cinema That Matters" geehrt. Der Film von Regisseur Eric Bergkraut ist ein Portrait der Menschenrechtsaktivistin Sainap Gaschaiewa, die seit Jahren gegen das Totschweigen und Vergessen des Tschetschenienkonflikts kämpft. Ihre Mitstreiterin Anna Politkowskaja wurde am 07. Oktober 2006 in Moskau erschossen.

Die Filmwirtschaft fand mit der Premiere der Berlinale Keynotes eine neue Branchen-Plattform. Mehr als 300 internationale BranchenvertreterInnen verfolgten das neue Veranstaltungsformat, zu dem das Medienboard Berlin-Brandenburg und die Internationalen Filmfestspiele Berlin ins Ritz-Carlton eingeladen hatten. Die Zukunft der Filmwirtschaft im digitalen Zeitalter in technologischer, inhaltlicher und ökonomischer Hinsicht war Thema der ersten Ausgabe.
"Mit den Berlinale Keynotes ist das Festival um eine Facette reicher geworden. Die Themen der Berlinale Keynotes sind zukunftsorientiert und öffnen dadurch das Festival auch für die Vertreter anderer Branchen abseits des klassischen Filmgeschäfts. Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, ein so lebhaftes und progressives Diskussionsforum auf der Berlinale 2007 zu integrieren und wünsche mir, dass diese fruchtbaren Gespräche für die Teilnehmer auch über das Festival hinaus von großer Nachhaltigkeit sein werden", so Berlinale Direktor Dieter Kosslick.

Alle Informationen rund um die Berlinale finden Sie unter:

www.berlinale.de
www.teddyaward.org
www.cinemaforpeace.com

Kultur Beitrag vom 18.02.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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