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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2016 - Beitrag vom 25.10.2007

HipHop-Hooray - Interview mit Jeannette Petri
Stefanie Denkert

AVIVA Berlin sprach mit Jeannette Petri, der HipHop-Aktivistin und Herausgeberin des "Anattitude Magazine", ├╝ber die neueste Ausgabe des HipHop-Zines, Frauen im HipHop und ihre spannende Fotografie.



HipHop is what she came to represent:
Jeannette Petri (geb. 1974) ist seit vielen Jahren in der HipHop-Szene als Autorin, Filmemacherin, Fotografin, DJane und Herausgeberin des internationalen "Anattitude Magazine" unterwegs. Sie kommt urspr├╝nglich aus Frankfurt am Main und lebt momentan in Br├╝ssel und Paris.

AVIVA-Berlin: Hallo Jeannette Petri! "Anattitude Magazine" ist gerade in der zweiten Ausgabe (mit der Pariser HipHop-Szene als Schwerpunkt) erschienen. Kannst Du uns ein wenig ├╝ber das "Anattitude Magazine" erz├Ąhlen: Was bedeutet der Titel, was war Deine Motivation daf├╝r, was sind Deine Themen und wer arbeitet noch daran mit?
Jeannette Petri: Hallo Aviva! Anattitude Magazine ist ein internationales HipHop Magazine. Anattitude pr├Ąsentiert HipHop-Ladies mit Attitude. Anattitude ist Attitude, AM nimmt eine Attitude, eine Haltung im HipHop und Leben ein und repr├Ąsentiert sie. Neben den traditionellen Elementen Rap, Djing, Graff und Breakdance pr├Ąsentiert AM History, Film, Fotografie und Fashion. Vorgestellt werden HipHop Aktivistinnen aus der ganzen Welt in ausf├╝hrlichen Portr├Ąts ÔÇô Interviews und Fotografien; Themen sind HipHop, Gender und Identit├Ąt. AM ist aber auch eine Plattform und ein Netzwerk. Motivation f├╝r AM ist die Tatsache, dass aus welchen Gr├╝nden auch immer, internationale HipHop Magazine "male" sind, und das aber nicht die Realit├Ąt darstellt. Momentan ist das Team von AM noch sehr klein, es besteht haupts├Ąchlich aus mir und Freunden. Doch das Team wird sich schon mit der n├Ąchsten Issue vergr├Â├čern.

AVIVA-Berlin: Wie und wann bist Du HipHop-Fan geworden?
Jeannette Petri: Mein Zugang zu HipHop kam ├╝ber Rap. Mit 13, 14 h├Ârte ich Public Enemy und LLCoolJ. Nachdem ich Rap f├╝r Punk aus den Augen und Ohren verloren hatte, bin ich ├╝ber elektronische Musik wieder zu Rap gekommen. Und richtig eingestiegen bin ich erneut 2000 nachdem ich einen ┬┤oldschool┬┤ Freestyle-Rap von Roxanne Shant├ę im Radio geh├Ârt habe, und mich ihre Power und Direktheit derart umgehauen hat, dass mich HipHop seitdem nicht mehr losgelassen hat, sondern sich immer weiter auf die verschiedenen Ebenen und Genres ausgeweitet hat. Aber angefangen hat es, dass ich begonnen habe, Platten von female Mcs aus allen Plattenl├Ąden der Welt zu sammeln und aufzulegen. Dann kam 2004 mein History Reader "Here┬┤s a little story that must be toldÔÇŁ, also eine Recherchearbeit, die Timeline, und dann das Anattitude Magazine dazu. Aber auch manche Fotoarbeiten und Videos sind von HipHop beeinflusst.

AVIVA-Berlin: Als M├Ądchen war es doch sicher nicht so leicht, in der Szene mitzumischen, hast Du schnell gleichgesinnte M├Ądels getroffen und wie verschafft man sich Respekt in der Szene?
Jeannette Petri: Es ist wie ├╝berall, bleib wie Du bist und mach dein Ding, und lass dich nicht einschr├Ąnken. Und um Respekt k├Ąmpft man nicht - Respekt kommt, um Angi von der Z├╝richer Bgirl Crew "Dismissed" zu zitieren. Es ist einfach wahnsinnig wichtig, gute Netzwerke unter den M├Ądchen und Frauen aufzubauen. Das ist wirklich eins der gro├čen Probleme: die wenigen Frauen, die es in der Szene gibt, denken leider oft, sie m├╝├čten sich alleine gegen die anderen Frauen und M├Ądchen Durchboxen, statt sich mit ihnen zusammenzutun. Aber ohne gut funktionierende Netzwerke ist es einfach ├╝berall schwierig.

AVIVA-Berlin: Inwiefern unterscheidet sich die franz├Âsische HipHop-Szene von der deutschen? Ist in Frankreich die Szene auf Paris konzentriert? Und haben Frauen es dort einfacher?
Jeannette Petri: Es gibt wirklich gro├če Unterschiede! Die zwei gro├čen HipHop Metropolen Frankreichs sind Marseille und Paris. Nat├╝rlich passiert das meiste in Paris und der Ile de France. Der franz├Âsische Rap ist sehr politisch engagiert und der deutsche Rap ist heute vor allem sehr unpolitisch. Es gibt in Frankreich kaum Funrap, Du rappst weil Du etwas zu sagen hast. Hast Du nichts zu sagen, nichts zu erz├Ąhlen, dann gibt es auch keinen Grund zu rappen. Im franz├Âsischen Rap wird all das thematisiert, was nicht in Ordnung zu sein scheint - von der franz├Âsischen Regierung unter Sarkozy und Le Pen, die Aufforderung w├Ąhlen zu gehen, die miserablen Lebensumst├Ąnde in den Banlieues, die Kolonialisierung Frankreichs und deren Folgen, usw. Das unterscheidet den franz├Âsischen Rap vom deutschen. Auch in Deutschland gab es die Thematisierung politischer Themen in den Anf├Ąngen, siehe Advanced Chemistry, Cora E. und Microphone Mafia. Aber nicht nur was den Rap angeht, scheint die HipHop-Szene in Paris um einiges lebendiger zu sein. HipHop nimmt einen gr├Â├čeren kulturellen Stellenwert ein. HipHop-Events werden von der Stadt und den Ministerien enorm gef├Ârdert, das gleiche gilt f├╝r Graffitiausstellungen, Battles, usw.
Zu den Ladies: eine der erfolgreichsten Rapper Frankreichs ist Diam┬┤s, ansonsten sind Frankreichs Writerinnen und B-Girls sehr weit vorne. Frankreich ist weiter, denke ich. Es scheint hier selbstverst├Ąndlich zu sein, dass Frauen nat├╝rlich einen gro├čen Teil der HipHop-Kultur darstellen. Man sp├╝rt hier nicht so sehr dieses "Ah eine Frau, mal schauen, ob die es ├╝berhaupt drauf hat." Es scheint wirklich selbstverst├Ąndlich zu sein, dass es Frauen genauso drauf haben, so mein Gef├╝hl hier.

AVIVA-Berlin: In der ersten Ausgabe des "Anattitude Magazine" sind unter dem Titel "HipHop knows no Gender" gro├čartige schwarz-wei├č Fotografien, die Du selbst gemacht hast. Auch in der zweiten Ausgabe spielen Deine Fotos eine gro├če Rolle. Werden Fotos von Dir auch in einer Ausstellung zu sehen sein? Oder wird es vielleicht einen Fotoband geben?
Jeannette Petri: Da ich Kunst mit dem Schwerpunkt Fotografie und Video studiert habe, habe ich nat├╝rlich auch ein gro├čes Interesse, meine Fotos und Videos in Ausstellungen zu zeigen und bekomme Stipendien und F├Ârderungen. Vor kurzem waren in Paris meine Fotografien in der Ausstellung "Welcome to Paris Hilton" zu sehen. Die farbige und s/w Serie "HipHop doesn┬┤t know any Gender" wird hoffentlich bald als Bildband publiziert.

AVIVA-Berlin: Du scheinst den zeitgen├Âssischen Feminismus zu repr├Ąsentieren: Du spielst mit Geschlechterrollen, zeigst die Konstruiertheit von Weiblichkeit und M├Ąnnlichkeit, in dem Du sie vermischst. Dir scheint die Kategorisierung in Mann und Frau zu missfallen. Du forderst Respekt f├╝r alle Menschen, unabh├Ąngig von Geschlecht, sexueller Orientierung und Herkunft. W├╝rdest Du Dich selbst als Feministin bezeichnen?
Jeannette Petri: Klar, aber mit Gender und Queer Hintergrund.

AVIVA-Berlin: Im Grrrlzzines.net-Interview hast Du gesagt, dass Du Teil der "conscious HipHop" - Szene bist. Vielen Leuten sind eher Mainstream-K├╝nstlerInnen bekannt, kannst Du uns deshalb erkl├Ąren, was "conscious HipHop" bedeutet und warum Du Dich damit identifizierst?
Jeannette Petri: "Conscious" (engl.: bewusst) bezieht sich auf die politische Ausrichtung in den Texten und auf eine generelle kritische, bewusste Haltung. Also Rap, der eine politische, soziale Aussage verbreitet. Ich liebe die Direktheit von HipHop, insbesondere von Rap: Du denkst etwas und Du rappst es. Das gleiche gilt f├╝r Graffiti, usw. Mit Mainstreamrap und Funrap kann ich wenig anfangen.

AVIVA-Berlin: In dem deutschsprachigen Sammelband "Female HipHop" ist Deine sehr aufschlussreiche "Timeline" von Frauen im HipHop erschienen. Aufschlussreich, weil Du deren zentrale Rolle ans Licht bringst, die der Allgemeinheit nicht so klar ist. Was glaubst Du, wieso das der Fall ist? Hat sich die Recherche f├╝r Deinen Reader "Here┬┤s a little story that must be told" (2004) und f├╝r Deine Timeline sehr schwierig gestaltet?
Jeannette Petri: Wieso werden weniger Frauen im HipHop, und in den Medien generell pr├Ąsentiert? Es liegt nicht an dem oft genannten Grund, dass es keine Frauen im HipHop gibt, denn das zeigt u.a. die Timeline (die l├Ąngst nicht vollst├Ąndig ist), dass dies nicht so ist. Der Grund muss woanders liegen! Die Recherche f├╝r die Timeline hat nat├╝rlich ein Weilchen gedauert, seit 2004 wird sie st├Ąndig aktualisiert und in verschiedenen Publikationen ver├Âffentlicht. Eine englische Timeline wird es erstmals in AM # 03 geben.

AVIVA-Berlin: Du bist auch als DJane unter dem Namen "Jee-Nice" unterwegs. Hast Du Dir den Namen selbst ausgedacht? Was bedeutet er f├╝r Dich?
Jeanette Petri: Jee-Nice war am Anfang Jeany-Nice. "Jeany" und "Nice" stecken in Jeannette. Doch irgendwann war das zu lang und wurde zu Jee-Nice, Jee oder einfach nur Nice. Und Jee in Anlehnung an Dee, .... eben oldschool HipHop. Als DJ lege ich auch vor allem oldschool Rap auf.

AVIVA-Berlin: An was f├╝r Projekten arbeitest Du gerade? Was planst Du f├╝r die Zukunft?
Jeannette Petri: Dank eines Stipendiums des Hessischen Ministeriums f├╝r Wissenschaft und Kunst lebe ich seit fast 6 Monaten in Paris. Nachdem ich die 2. Issue hier fertiggestellt habe, arbeite ich an neuen Fotografien, an der Distribution und bereite die 3. Issue vor. Die 3. Issue wird eine HipHop-History Issue, also mit Schwerpunkt auf die kaum publizierte female HipHop Geschichte. Es ist l├Ąngst ├╝berf├Ąllig, dass die HipHop-Ladies der ersten Stunde geb├╝hrend ihren Platz finden, und alle darauf zugreifen k├Ânnen. Au├čerdem ┬┤featurt┬┤ AM 03 das internationale, in Rotterdam ans├Ąssige Frauen Graffiti Magazin "Catfight Magazine"

AVIVA-Berlin: Wenn unsere LeserInnen jetzt Lust auf das "Anattitude Magazine" bekommen haben, wo k├Ânnen sie es dann erwerben?
Jeannette Petri: AM ist in u.a. in den folgenden L├Ąden zu kaufen: The Lazy Dog, Palais de Tokyo (Paris), Alice (Bruxelles), Pro qm, bbooks, Dig a little deeper (Berlin), Buchhandlung Walther K├Ânig, Azita (Frankfurt), Sonic Records (Z├╝rich), und weitere. Eine ausf├╝hrliche Liste befindet sich auf www.anattitude.net und nat├╝rlich kann man es dort auch direkt online bestellen.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank f├╝r das Interview! Weiterhin viel Erfolg f├╝r Dich!

Weitere Infos:

Anattitude Magazine: http://anattitude.net


Catfight Magazine: www.catfightmagazine.com


Weiterlesen ├╝ber Ladies im HipHop auf AVIVA Berlin:

Buchrezension von: "Female HipHop"

CD-Rezension von: Queen Latifah

CD-Rezension von:
Lady Sovereign - Public Warning


Joy Denalane im Interview

Kultur > Ausgelesen Beitrag vom 25.10.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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