T├Âchter des Aufbruchs. Lebenswege von Migrantinnen. Ein Dokumentarfilm von Uli Bez
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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2017 - Beitrag vom 04.12.2012

T├Âchter des Aufbruchs. Lebenswege von Migrantinnen. Ein Dokumentarfilm von Uli Bez
Susanne Schwarz

Nach bisherigen Dokumentationen mit feministischen Themen wie "VON HEUTE AN!" ist die Regisseurin mit einem neuen Filmprojekt auf DVD da: Nun geht es um Erfahrungen von Migrantinnen in Deutschland.



Eine Stra├čenbahn f├Ąhrt durch die M├╝nchener Innenstadt. Daneben flanieren Menschen die belebten Einkaufsstra├čen entlang. Hier und da sind einzelne Frauengesichter auszumachen und per Bauchbinde werden die dazugeh├Ârigen Namen eingeblendet. So f├╝hrt Uli Bez die Protagonistinnen ihres Dokumentarfilms "T├Âchter des Aufbruchs" ein. "Komm mit mir wandern, komm mit, ich habe Wanderlust!", rappt die Musikerin Ebow kraftvoll aus dem Off dar├╝ber. Damit sind bereits die Grundsteine f├╝r den Streifen gelegt: Gezeigt werden 15 Frauen aus der T├╝rkei und Griechenland, aus dem ehemaligen Jugoslawien, der Ukraine, Nordafrika und dem Irak. Allen gemein ist, dass sie irgendwann im Leben ihre Heimat in Deutschland gesucht haben.
Schon der Einstieg ist klug gew├Ąhlt ÔÇô die Frauen, um die es geht, sind durch den Vorspann von vornherein eingef├╝hrt. W├Ąhrend des Films selbst geht es um ihre Lebenswege, kleinere und gr├Â├čere Anekdoten, Probleme und L├Âsungen aus ihrer Zeit in Deutschland. Nicht das Filmteam erz├Ąhlt eine Geschichte ÔÇô es steht dezent im Hintergrund, w├Ąhrend die Frauen f├╝r sich selbst sprechen.

"Ein ganz gro├čes Schloss war das damals f├╝r mich", erz├Ąhlt Inciser Kurt. "Nachher ist es dann ein kleines Schloss geworden", beschreibt sie lachend ihren ersten Arbeitsplatz als "Gastarbeiterin" bei einer Firma f├╝r Arbeitskleidung weiter. Sie ist am 10. Mai 1966 gegen 16 Uhr aus Istanbul nach M├╝nchen gekommen. Eigentlich haben die Eltern der jungen Frau die Reise nur gestattet, solange ihr Bruder sie begleiten w├╝rde. Dieser ist kurzfristig abgesprungen ÔÇô ihren Eltern verschwieg sie das Detail und stieg in den Zug, um ein neues Leben in Deutschland zu beginnen. Mit vier bis sechs anderen Frauen teilt Kurt sich im Laufe ihrer Anfangszeit in Deutschland ein von der Firma bereitgestelltes Zimmer ├╝ber der Fabrik.

Lange bleibt sie dort nicht. "Reisen war f├╝r mich wichtig und Freiheit. In der Firma konnte ich nicht frei Urlaub nehmen", so Inciser. Danach arbeitet sie in verschiedenen Aushilfsstellen. "Damals war das nicht wie jetzt", erz├Ąhlt sie fr├Âhlich. "Man h├Ątte an einem Tag zehn Arbeiten finden k├Ânnen", so die jetzige Seniorin. Ihre Freiheitsliebe ist es auch, die sie zur Scheidung von ihrem Ehemann bewegt, von dem sie sich eingeengt f├╝hlt. "Erst waren meine Kinder zu klein", sp├Ąter habe sie dann die Scheidung verlangt.
Von Verst├Ąndnisschwierigkeiten und Kommunikationsproblemen berichten andere "Gastarbeiterinnen", die auch aus der T├╝rkei oder aus Griechenland, Tunesien und anderen Regionen stammen.

Doch auch nach dem Lernen der deutschen Sprache bleiben gerade f├╝r Frauen weitere Probleme. Schlie├člich besteht ihr Leben nicht nur aus der Erwerbst├Ątigkeit in Deutschland. Die Reproduktionsarbeit muss sich f├╝r die Gastarbeiterinnen zwischen zwei L├Ąndern abspielen, zwischen ihnen als Mutter und dem Rest der Familie. "Ich habe meine Tochter 1978 bekommen, am 28.6.1978", erinnert sich Zaara Araar, die aus Tunesien nach Deutschland gekommen ist. "Einen Monat war meine Mutter hier bei mir, danach sind wir nach Tunesien gefahren. Als meine Tochter zwei Monate alt war, bin ich wieder zur├╝ck nach Deutschland gekommen.", erl├Ąutert sie mit Tr├Ąnen in den Augen. Die Beziehung zu ihrer Tochter sei mittlerweile nicht schlecht, aber nicht so nah wie zu anderen Familienmitgliedern in Tunesien, so Araar.

"Meine Tochter und ich sind aus dem Irak geflohen, vor dem Krieg", sagt Hayfa Ahmed. "Der Grund, warum wir und viele andere unser Land verlassen haben, ist, dass unsere Kinder keine Zukunft mehr dort haben und keine Bildung". Nach dem Sturz der alten Regierung habe sie gedacht, sie habe jetzt auch als Frau mehr Rechte. Ahmed engagierte sich und kandidierte f├╝r politische ├ämter ÔÇô bis eine Terrororganisation eine politische Frauenversammlung mit Granaten attackierte. ├ťber Nordafrika ist sie nun mit ihrer Tochter Tuqa nach Deutschland gekommen. Die Buchhalterin w├╝nscht sich, auch in Deutschland eine berufliche Aufgabe erf├╝llen zu k├Ânnen und sich vielleicht von hier aus weiter frauenpolitisch zu engagieren.

Die junge Generation der Migrantinnen kommt in "T├Âchter des Aufbruchs" ebenfalls zu Wort. Es handelt sich um die T├Âchter oder Enkelinnen der Frauen, die in den letzten Jahrzehnten Deutschland zu ihrer neuen Heimat gemacht haben. Eine davon ist die Rapperin Ebow, von der auch der Titelsong zum Film stammt und die eigentlich Ebru D├╝zg├╝n hei├čt. Zusammen mit ihrer Mutter spricht sie ├╝ber ihren Werdegang. Seit 1981 ist die t├╝rkischst├Ąmmige Saime Kilic D├╝zg├╝n in M├╝nchen. Ihr Leben war zun├Ąchst von R├╝ckschl├Ągen gepr├Ągt, denn ihre Schulabschl├╝sse wurden auch nach deren ├ťbersetzung nicht anerkannt. D├╝zg├╝n hat Deutsch gelernt, Abschl├╝sse nachgeholt, und schlie├člich eine Ausbildung zur B├╝rokauffrau absolviert. "Es macht mich immer noch traurig, dass meine Mutter da durch musste", sagt Ebru D├╝zg├╝n. Sie selbst studiert in Deutschland. "Ich habe eine Ausbildung gemacht ÔÇô und du sollst die Uni fertig machen", w├╝nscht sich die Mutter an ihre Tochter gerichtet.

Die "Wanderlust" ert├Ânt erneut. Der elektronisch untermalte Rap-Song hat bereits durch den gesamten Film begleitet und schlie├čt ihn ab. Als Bonus zum Film befindet sich das Lied auch noch einmal separat auf der DVD.

AVIVA-Tipp: Uli Bez betrachtet das Thema der migrierten Frauen sehr vielschichtig. Einerseits geht es um Einzelbiographien, um Menschen mit Gedanken, Gef├╝hlen und Erinnerungen. Andererseits sind diese sind so zusammengestellt, dass sie f├╝r die Zuschauerin trotz sehr pers├Ânlicher Note verallgemeinerbar scheinen. "T├Âchter des Aufbruchs" untersucht die vielf├Ąltigen Herausforderungen, mit denen speziell Frauen als Migrantinnen konfrontiert werden. Die Dokumentation betont die St├Ąrke, welche die Frauen aufgebracht haben ÔÇô mit Mann oder ohne, mit Kind oder ohne. Absolut sehenswert!

T├Âchter des Aufbruchs. Lebenswege von Migrantinnen
Buch und Regie: Uli Bez
Produktion: Frauennotruf M├╝nchen
Deutschland 2010
Protagonistinnen: Hayfa Ahmed, Tuqa Ahmed, Roula Balhas, Etsegenet Dawit, Ebru D├╝zg├╝n, Saime Kilic D├╝zg├╝n, Tatiana Franke, Stavroula Kling, Inciser Kurt, Angelina Majkic, Francesca Melis, Elena Tsakmakis, Eleni Tsakmaki, Sula Zamani
Format: HD-DVD, 16:9
Laufzeit: ca. 80 Min
Bonus: Rap "Wanderlust" von Ebow

Die DVD kann per Mail unter info@frauennotrufmuenchen.de bestellt werden. Sie kostet f├╝r den Privatgebrauch 20 Euro und als Lizenzedition f├╝r ├Âffentliche Vorf├╝hrungen 65 Euro.

Mehr Infos gibt es unter www.ulibez.de

Termine von Kinovorf├╝hrungen finden Sie unter: www.facebook.com

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VON HEUTE AN! Anke Sch├Ąfer, die Frauenbewegung und die Lesben


Kultur > DVDs Beitrag vom 04.12.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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