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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 07.08.2016

Alles was kommt. Ein Film von Mia Hansen-Løve mit Isabelle Huppert und Edith Scob. Ab 10. März 2017 auf Blu-ray, DVD und digital
Laura Seibert

Philosophie ist Nathalies Berufung, auch ein Schulstreik hält sie nicht vom Unterrichten ab. Plötzlich steht sie vor der Auseinandersetzung mit Verlust und Einsamkeit, aber auch mit Freiheit und Radikalität, ...



... als ihr geordnetes Leben auseinanderbricht.

Der neueste Film der französischen Regisseurin, Schauspielerin und Filmkritikerin Mia Hansen-Løve gewann auf der Berlinale 2016 den Silbernen Bären für die Beste Regie. Wie bereits in ihrem Film "Der Vater meiner Kinder" aus dem Jahr 2009 spielt der Mittelpunkt der Tragikomödie in Paris.

Neben ihrer Arbeit als Lehrerin an einem Gymnasium und für einen Verlag sind die wichtigsten Bezugspunkte der Protagonistin Nathalies Familie: Ihr Mann Heinz und die gemeinsamen Kinder Chloé und Johann. Sowie ihre seit kurzem bettlägerige Mutter Yvette, die sie fast täglich besucht. Ihr bringt sie vor allem Zeitungen, wie Libération und Le Monde.

Mutter und Tochter verbindet eine bissig-liebevolle Beziehung, welche neuerdings durch die ungewohnte Abhängigkeit geprägt ist. Obwohl sie ein sehr beschäftigtes Leben führt, steht Yvettes (Edith Scob) aufreibende Bedürftigkeit für Nathalie an erster Stelle. Sie ist Yvettes einziges Kind und ihr ganzer Stolz. Dass die Tochter studiert und eine intellektuelle Laufbahn eingeschlagen hat, bedeutet für Yvette die Erfüllung eines Traums, der ihr selbst verwehrt blieb. Sehr auf ihr Äußeres bedacht, ist das ehemalige Mannequin, obwohl sie kaum noch vor die Tür geht, noch heute. Sie gibt gern Geld aus, geht shoppen. Dafür hat ihre Tochter weniger Verständnis:

Nathalie: "Dafür, dass du depressiv bist, geht es dir aber gut."
Yvette: "Ich habe sowieso was Neues zum Anziehen gebraucht. Nächste Woche habe ich einen Gastauftritt."
Nathalie: "Wirklich? Und wofür?"
Yvette: "Für einen Fernsehkrimi. Ich spiele eine Leiche."
Nathalie: "Die Rolle dürfte nicht allzu anstrengend für dich sein."
Yvette: "Da irrst du dich aber. Die haben gesagt, allein das Schminken dauert zwei Stunden."

Ein Neuanfang

Nathalie, zugleich sensibel und kompromisslos gespielt von Isabelle Huppert, führt ein wohl geordnetes, bürgerliches Leben, die philosophische Welt der Ideen und Gedanken verschaffen ihr dem entgegengesetzte Freiräume. In kurzer Zeit brechen jedoch die vertrauten Pfeiler ihres Lebens weg: Ihr Mann zieht aus, ihr Verlag will ihre Lehrbuchreihe einstellen, ihre Mutter stirbt… Stabilität erfährt sie nur noch durch ihre engagierte Arbeit in der Schule.

Die Suche nach dem Sinn

Obwohl um sie herum nichts mehr ist, wie es war, kann sie sagen: "Ich führe ein erfülltes intellektuelles Leben. Das reicht mir, um glücklich zu sein." In dem Moment, wo ihr Leben sich radikal verändert, zeigt sich ihre Stärke und Kraft. Besonders ihre philosophisch-platonische Freundschaft zu Fabien, ihrem ehemaligen Lieblingsschüler, stärkt sie. Gleichzeitig klafft zwischen ihnen eine unausgesprochene Distanz: Obwohl sie sich gegenseitig bewundern, unterscheiden sie sich im Grade der Radikalität. Dabei ist nicht wirklich bestimmbar, wer von beiden radikaler ist: Nathalie will jungen Leuten selbständiges Denken beibringen. Fabien will seine linken Ideale praktisch verwirklichen und zieht dafür mit FreundInnen aufs Land. Doch ist seine "Praxis" wirklich die authentischere? Ist sie als engagierte Lehrerin nicht ebenso tätig im Sinne einer gesellschaftlichen Veränderung?

Radikale Freiheit und radikaler Verlust

Der Spielfilm erörtert die spannende Frage: Was ist Unabhängigkeit? Was ist Freiheit? Nachdem Nathalies Kinder erwachsen geworden sind, ihre Ehe beendet ist, die Sorge um ihre Mutter nach deren Tod unerheblich wird, ist sie zum ersten Mal in ihrem Leben frei von zwischenmenschlichen Bindungen. In diesem Sinne ist "Alles was kommt" ein Film über unerwarteten Freiraum, der ungefragt hereinbricht und einsam macht.
Gleichzeitig wäre es ebenso leicht, ihre Geschichte eine Geschichte des Verlusts zu nennen. Beides würde Nathalie nicht gerecht werden. Sie ist zutiefst verletzt, trauert, leidet. Aber sie ist selten verzweifelt, sie bleibt offen für die Veränderungen im Leben, ohne etwas beweisen zu wollen.

Die Regisseurin über "Alles was kommt"

In einem Interview der Journalistin, Historikerin und Schriftstellerin Laure Adler mit der Regisseurin Mia Hansen-Løve wird ihre außergewöhnliche Arbeitsweise deutlich: "Wenn ich spüre, dass eine Szene nur einem bestimmten Zweck dient, dann schneide ich sie heraus. Wenn ich sie im Film behalte, dann weil sie von existenziellem Wert ist, von einer besonderen Poesie." Auf die Frage, warum sie einen Film über eine ältere Frau drehte, obwohl sie selbst noch sehr jung sei, 35 Jahre alt, antwortet Hansen-Løve: "Ich fühlte mich eigentlich nie meinem Alter entsprechend. Das beeinflusst mein Schreiben in fast schon pathologischem Ausmaß … Welchen Alters oder Geschlechts meine Figuren sind, spielt überhaupt keine Rolle. Wenn ich drehe, fühle ich mich Eins mit ihnen." Für die Regisseurin besteht zudem eine unmittelbare Verbindung zwischen Kunst und Philosophie: "Am Ende sind Kunst und Philosophie für mich zwei Wege zu ein und derselben Sache, und das ist unsere Verbindung zum Nicht-Sichtbaren. Die Stärke und der Mut, die uns unser Fragen geben kann, bilden den Kern des Films."

AVIVA-Tipp: Endlich räumt ein Spielfilm mit Klischees und Vorurteilen über das Älterwerden von Frauen auf. Obwohl Einsamkeit und Verlassen-Sein große Themen sind, vernachlässigt die Regisseurin Mia Hansen-Løve es keineswegs, die Möglichkeit der Freiheit aufzuzeigen. Eine melancholisch-berührende Tragikomödie mit der wunderbaren Isabelle Huppert und der nicht minder beeindruckenden Edith Scob in den Hauptrollen.

Zur Drehbuchautorin und Regisseurin Mia Hansen-Løve: geboren 1981 in Paris. Sie spielte sowohl in "Ende August, Anfang September" (1998) als auch in "Les Destinées Sentimentales" (2000) unter der Regie von Olivier Assayas, mit dem sie in einer Lebenspartnerschaft lebt. Später studierte sie am Pariser Konservatorium der Dramatischen Künste. Zwischen 2003 und 2005 arbeitete Mia Hansen-Løve für die Zeitschrift Cahiers du Cinéma und führte bei mehreren Kurzfilmen Regie. Ihr erster Spielfilm "Tout est pardonné" (2006) erhielt mehrere Preise und wurde für den César nominiert. Für "Der Vater meiner Kinder" ("Le Père de mes enfants") gewann sie 2009 den Spezialpreis der Jury in der Festivalreihe "Un certain regard" in Cannes. Zuletzt führte sie Regie bei "Eden" (2014)


ALLES WAS KOMMT
Frankreich, Deutschland 2016
Originaltitel: L´Avenir
Regie und Drehbuch: Mia Hansen-Løve
DarstellerInnen: Isabelle Huppert (Nathalie), André Marcon (Heinz), Roman Kolinka (Fabien), Edith Scob (Yvette), Sarah Le Picard (Chloé), Solal Forte (Johann)
DVD
Bild: 1,85:1 Sprachen/Ton: Deutsch (5.1 DD, Stereo DD), Französisch (5.1 DD), Audiodeskription für Sehbehinderte Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte Laufzeit: 106 Min. Extras: Interview mit Regisseurin Mia Hansen-Løve, Trailershow, Wendecover.
Blu-ray
Bild: 1:85:1 Auflösung: 1080p/24 Full HD Sprachen/Ton: Deutsch (5.1 DTS-HD MA, Stereo DTSHD MA), Französisch (5.1 DTS-HD MA), Audiodeskription für Sehbehinderte Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte Laufzeit: 102 Min. Extras: Interview mit Regisseurin Mia Hansen-Løve, Trailershow, Wendecover.
DVD- und Blu-ray-Start: 10. März 2017
Verleih: Weltkino Filmverleih
Mehr Infos zum Film unter: www.alleswaskommt.weltkino.de und www.facebook.com/alleswaskommt

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Cordula Kablitz-Post bringt mit ihrem Spielfilmdebüt die Biographie der unangepassten Psychoanalytikerin auf die Leinwand, authentisch gespielt von Katharina Lorenz, Nicole Heesters und Liv Lisa Fries.

Holy Motors - ein Film von Leos Carax mit Edith Scob
Ein Film so bunt wie das Leben. Mit Holy Motors reizt der französische Filmemacher ("Die Liebenden von Pont Neuf") die imaginäre Welt der Leinwand aus, indem er einen geheimnisvollen Mann dabei begleitet, wie er einen ganz "normalen" Arbeitstag in einer weißen Limousine durch den Pariser Stadtmoloch bestreitet. (2012)

Kultur > DVDs Beitrag vom 07.08.2016 AVIVA-Redaktion 

   




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