Die Tänzerin. Regie Stéphanie di Giusto, Kinostart: 3. November 2016 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

120 BPM Happy End
Aviva-Berlin > Kultur > DVDs AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 30.10.2016

Die Tänzerin. Regie Stéphanie di Giusto. Ab 9. März 2017 auf DVD, Blu-ray und als VoD
Helga Egetenmeier

Loie Fuller, die heute vergessene Popikone der Belle Époque, verzauberte durch ihren revolutionären Tanzstil das damalige Publikum. In der Hauptrolle hervorragend besetzt mit Soko, der französischen Schauspielerin und Sängerin...



... hat Stéphanie di Giusto ein markantes und emotionales Biopic über das Leben dieser faszinierenden Frau geschaffen und dabei bewusst eigene Akzente gesetzt.

Durch ihre ausgefeilte Choreographie, für die sie die aufkommende Elektrifizierung und neueste Lichttechnik mit ihrem Sinn für Ästhetik zusammenbrachte, revolutionierte Loie Fuller den Tanz an der Wende zum 20. Jahrhundert. Stéphanie di Giusto hat sich mit ihrer Biografie auf die Leidenschaft und den Ehrgeiz dieser bis heute marginalisierten Künstlerin konzentriert. Mit vollem körperlichem Einsatz ging diese auch über ihre Grenzen, um ihre Visionen zwischen mehrfarbiger Beleuchtung und bis zu 350 Meter um sich geschlungene Seidenbahnen auf die Bühne zu bringen.

Das zu dieser Zeit aufkommende elektrische Licht nutzte sie zur Entwicklung von bühnentauglichen Lichtskulpturen. Sie beschäftigte sich wie eine Ingenieurin mit Projektoren und farbigen Glasplatten und gestaltete Entwürfe für ihre Bühnenshow. Befreundet mit Thomas Edison und dem Ehepaar Curie, halfen ihr deren wissenschaftliche Kenntnisse zur Darstellung ihrer Kunst. So nutzte sie für ihren "Radium Dance" fluoreszierende Substanzen, die auf die Stoffbahnen aufgetragen wurden.

Doch um ihre Beziehungen zu den Berühmtheiten dieser Epoche, zu denen auch Henri de Toulouse-Lautrec zählte, der ein Bild der wirbelnden Tänzerin zeichnete, geht es der Regisseurin nicht. Sie setzt auf die leidenschaftliche Kunst und Arbeit von Fuller, die hartnäckig und gegen alle Widerstände den technischen Fortschritt nutzte und damit den Zeitgeist auf die Bühne brachte. 1862 in Amerika geboren (gestorben 1928 in Paris), sammelte sie dort sehr jung bereits erste Erfahrungen auf der Bühne. Um ihre künstlerische Arbeit rechtlich zu schützen und ökonomisch nicht unterzugehen, ging sie nach Europa, wo sie im Laufe ihres Lebens zehn Patente anmeldete.

Isadora Duncan, die heute weitaus bekanntere Tänzerin dieser Epoche, im Film einfühlsam gespielt von Lily-Rose Depp in ihrer ersten großen Rolle, stand damals erst am Anfang ihrer Karriere. Selbst eine getriebene Künstlerin, begegnet sie ihrem Idol Loie Fuller in Paris mit einem Zwiespalt zwischen Zuneigung und Abgrenzung. Mit der Figur von Duncan verweist die Regisseurin, die auch am Drehbuch mitschrieb, nur andeutungsweise auf das lesbische Leben ihrer Hauptfigur an.

So lässt die Regisseurin auch die langjährige Beziehung Loie Fullers zu der siebzehn Jahre jüngeren Gab Sorère unerwähnt. Stattdessen stellt sie ihr einen androgynen, impotenten Liebhaber und Freund an die Seite, der durch seine Figurenzeichnung das klassische Bild von Männlichkeit bricht. Dennoch hätte Stéphanie di Giusto in ihrem Debütfilm mehr Mut beweisen dürfen. So großartig, wie sie ihre hervorragende Crew durch den Film führt, sollte es für die Regisseurin eigentlich kein Problem sein, das lesbische (Liebes)Leben ihrer Protagonistin einzubinden, ohne sie zum Sujet des Films werden zu lassen, wie sie ihre Entscheidung in einem Interview begründet.

Trotz dieser Verschiebung der Realität überzeugt die Geschichte, wie auch die stimmige Auswahl der SchauspielerInnen, die förmlich mit ihren Rollen Eins werden. Sie erschaffen eine sensible Individualität der Figuren, die den ausgewählten Details aus dem Leben der Loie Fuller mit einer Empathie begegnen, die in ihrer Emotionalität und Bildgebung an Ang Lees Jane Austen-Verfilmung "Sinn und Sinnlichkeit" erinnert.

AVIVA-Tipp: Mit dieser leidenschaftlichen Biografie wird einer faszinierenden Frau, die die darstellende Kunst mit Hilfe der damals entstehenden technischen und naturwissenschaftlichen Entwicklungen grundlegend veränderte, ein inspirierendes Denkmal gesetzt. Auch wenn die Regisseurin ihren Blick auf Loie Fuller stärker in den Mittelpunkt stellt als die biografischen Fakten, gelingt ihr ein stimmungsvolles Portrait dieser Künstlerin, die am Puls ihrer Zeit war.

Zur Regisseurin: Stéphanie di Giusto schrieb zusammen mit Sarah Thibau und Thomas Bidegain am Drehbuch von "Die Tänzerin". Vor diesem Regiedebüt studierte sie an der Pariser Kunsthochschule, arbeitete in der Werbung, an Videoclips für MusikerInnen und Kurzfilmen für die Modeindustrie und war mit ihren fotografischen Arbeiten in mehreren Zeitschriften vertreten.
Zur Hauptdarstellerin: Soko, in Bordeaux als Stéphanie Sokolinski geboren, ist international sowohl als Sängerin, wie auch als Schauspielerin bekannt. Sie erhielt 2008 als Beste Nachwuchsdarstellerin eine César-Nominierung für ihre Rolle in "À l´origine", 2012 erschien ihr erstes Album "I Thought I Was an Alien". Beim Filmfestival in Cannes war sie 2016 gleich zweimal vertreten, für "Die Tänzerin" und als Soldatin für "Voir du pays".
Weitere DarstellerInnen
Mélanie Thierry machte mit ihren 1,60 Metern schon sehr jung als Model Karriere und feierte 1999 mit 18 Jahren ihr Kinodebüt in "Die Legende vom Ozeanpianisten", seitdem tritt sie regelmäßig im Theater, Film und Fernsehen auf.
Lily-Rose Depp, die Tochter von Vanessa Paradis und Johnny Depp, verpflichtete sich bereits vor ihrem Schulabschluss als Model und spielte bereits kleinere Filmrollen, bevor sie mit der Figur der jungen Isadora Duncan ihre erste größere Rolle übernahm.
Gaspard Ulliel spielte bereits in jungen Jahren kleine Rollen und bekam mit 19 seine erste große Filmrolle in "Die Flüchtigen". 2005 erhielt er den César als bester Nachwuchsdarsteller, arbeitete bereits mit Gus Van Sant, Martin Scorsese sowie Xavier Dolan zusammen und spielte die Titelrolle in der Designer-Biografie "Saint Laurent" (2015).
(Quelle: Produktionsinformationen)

Die Tänzerin
Originaltitel: La Danseuse
Frankreich 2015
Regie: Stéphanie di Giusto
Drehbuch: Stéphanie di Giuso, Sarah Thibau
Frei nach dem Roman: Loie Fuller, danseuse de la Belle Epoque von Giovanni Lista
DarstellerInnen: Soko, Gaspard Ulliel, Lily-Rose Depp, Mélanie Thierry, Francois Damiens, Amanda Plummer, u.a.
Verleih: Prokino Home Entertainment
Ab 9. März 2017 auf DVD, Blu-ray und als VoD in einer umfangreichen Edition mit fast 100 Minuten Bonusmaterial bestehend aus Making Of, zusätzlichen und erweiterten Szenen, vier Featurettes, einem Interview mit der Regisseurin Stéphanie Di Giusto und dem deutschen und Original-Kinotrailer.
www.taenzerin-derfilm.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Pina Bausch und das Tanztheater. Vom 16. September bis 9. Januar 2017 im Martin-Gropius-Bau
Die Ausstellung widmete sich der Arbeit der Tanz-Ikone Pina Bausch. Herzstück ist der Nachbau der "Lichtburg", des Probenraums in Wuppertal, ein Labor der Begegnung und Annäherung. Hier hat sie mit ihrer Compagnie die meisten ihrer Stücke entwickelt.

Barbara Sichtermann und Ingo Rose - Sternstunden verwegener Frauen. Sechzehn beeindruckende Portraits wagemutiger Frauen, die das traditionelle Rollenbild infrage gestellt haben oder es auch heute noch tun, immer wieder. Der Band versammelt in Text und Bild Biographien von Frauen, die sich bewusst dazu entschieden haben, einen anderen Weg einzuschlagen: ihren eigenen. (2015)

Breath Made Visible. Revolution in DanceAnna Halprin - Ein Film von Ruedi Gerber
Anna Halprins Leben und Werk sind in jeder Beziehung bahnbrechend. Am 13. Juli 2010 feiert die Pionierin des modernen Tanzes und Performance-Künstlerin ihren 90. Geburtstag. Sie tanzt noch immer. (2010)

Susanne Beyer - Palucca - Die Biografie. AvivA Verlag
Die SPIEGEL-Kulturredakteurin zeichnet mit dieser Biographie ein neues Bild dieser widersprüchlichen und charismatischen Frau, der Wegbereiterin des modernen Tanzes, Gret Palucca (1902-1993). (2009)

Die Königin der Revue - Mit Joséphine Baker. Durch schablonencolorierte Originalaufnahmen des französischen Varietétheaters Folies-Bergère lässt der Stummfilm tief in die Zeit der Goldenen Zwanziger Jahre blicken. (2006)

Tanzen und tanzen und nichts als tanzen
Die Herausgeberin Amelie Soyka hat einen wunderschönen Band über Tänzerinnen der Moderne von Josephine Baker bis Mary Wigmann zusammengestellt. Erschienen im AViVA Verlag. Kauf- und Verschenktipp! (2004)


Weitere Informationen:

Zur Verbindung zwischen Loie Fuller und Marie und Pierre Curie, die sie bei ihren Experimenten zur Beschichtung ihrer Bühnenstoffe unterstützten: www.musee.curie.fr

Kultur > DVDs Beitrag vom 30.10.2016 Helga Egetenmeier 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken