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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2016 - Beitrag vom 12.11.2008

Im Winter ein Jahr - der neue Film von Caroline Link
Henriette Jankow

Die Regisseurin beglückt das deutsche Kinopublikum nach sieben Jahren endlich wieder mit einem neuen Film, der Geschichte über den Verlust eines geliebten Menschen und die Kraft der Kunst.



Der unverarbeitete Tod von Alexander ist für seine Familie wie ohrenbetäubender Lärm, der sich nicht abschalten lässt. Es wird Winter und nun ist es ein Jahr her, dass Alexander von ihnen gegangen ist. Seine Familie, gut situiert und erfolgreich, hat lange Zeit keinen Weg gefunden, mit dem Verlust umzugehen.

Eines Tages sucht Alexanders Mutter Eliane (Corinna Harfouch) den zurückgezogen lebenden Maler Max Hollander (Josef Bierbichler) mit der Bitte auf, ein Porträt ihrer beiden Kinder anzufertigen. Sie will ihren Sohn festhalten, sträubt sich gegen die Wahrheit seines Todes und ist - um ihrer selbst willen - äußerst bemüht, die Fassade einer intakten Familie aufrecht zu erhalten. Alexanders Schwester, die Gesangs- und Tanzstudentin Lilli (Karoline Herfurth) ist neben den Fotos und Videoaufnahmen der einzige Zugang, den Max zum Verstorbenen hat. Lilli, die seit längerem von ihren Eltern nicht mehr wahrgenommen wird und vor allem ihrer Mutter sehr kritisch gegenübersteht, sträubt sich gegen das Projekt. Ihr Bruder ist tot und soll nicht "zur Deko" an der Wand hängen.

Dem Maler gegenüber erscheint sie zunächst als die Freche, Unberührbare. Doch der 40 Jahre ältere Max kommt ihrer Welt zunehmend näher. Er will sie und ihre Familie verstehen lernen. Dabei werden einige Parallelen zwischen Lilli und Max sichtbar: Sie sind beide durch Verlust und Schmerz zu Inseln geworden und haben sich von der Außenwelt abgekapselt. Max hat seit seiner Scheidung ein gestörtes Verhältnis zu seinem Sohn. Lilli, die verzweifelt auf der Suche nach vorbehaltloser Liebe und so gar nicht unverletzlich ist, sabotiert die Beziehung zu ihrem Freund durch ihre Anhänglichkeit.

Im Verlauf des Films entsteht zwischen den zwei ungleichen und doch ähnlichen Menschen eine tiefe Verbindung, aus der beide stärker hervorgehen. Die Veränderung in Lillis Person wirkt sich auch auf den Rest ihrer Familie aus: Eliane beginnt die Wahrheit anzuerkennen und versucht mit ihrem Mann, ihre Ehe neu zu beleben.

Über dem Film als Ganzes steht die Kunst als heilende Kraft. Sowohl Max als auch Lilli finden in der Malerei bzw. im Tanz ein Ventil, ihrem Schmerz Ausdruck zu verleihen. Dabei gewährt die großartige Kameraarbeit von Bella Halben ("Candy", "Das Herz ist ein dunkler Wald") jedem einzelnen Charakter den größtmöglichen Raum, sich zu entfalten. Die verträumten, zum Teil detailverliebten Bilder der Erinnerung an Alexander verleihen der Tragik der Geschichte eine gewisse Leichtigkeit und Wärme, ohne dabei in Kitsch zu verfallen. Die einfühlsame Musik von Niki Reiser ("Alles auf Zucker", "Jenseits der Stille") geht mit den gekonnt fotografierten Bildern eine wunderbare künstlerische Symbiose ein, die ihren Höhepunkt in einer der letzten Szenen erreicht, in welcher Lilli in einem Tanzausbruch zu Peter Gabriels "Signal to Noise" all ihren angestauten Emotionen freien Lauf lässt und in der Eliane der Wahrheit ins Gesicht sieht.

Hervorzuheben ist allem voran die schauspielerische Leistung der jungen Nachwuchsschauspielerin Karoline Herfurth. Bereits in "Eine andere Liga" stellte sie ihre Fähigkeit zur Charakterdarstellerin unter Beweis. Ihre nuancenreiche Darbietung der ebenso harten wie zerbrechlichen Lilli dürfte sie nun endgültig an die Spitze der deutschen Schauspielliga katapultiert haben. Ein gutes Händchen hat die Regisseurin Caroline Link auch mit der Besetzung des misanthropischen, aber liebenswürdigen Max Hollander bewiesen. In ihrer Adaptation von Scott Campbells "Aftermath", der Grundlage dieses Films, hat sie Josef Bierbichler die Figur des Malers auf den Leib geschrieben. Der sonst so impulsive Bierbichler stellt den Eigenbrötler hervorragend dar. Für die Rolle der Eltern erweisen sich Corinna Harfouch und Hanns Zischler als ebenso grandios, auch wenn sie leider nicht so viele Chancen erhalten, ihr spielerisches Können unter Beweis zu stellen.
In Bezug auf die Beziehung der Figuren Lilli und Max lieferte Sofia Coppolas "Lost in Translation" (2003) ein Vorbild, während die Familiengeschichte an Robert Redfords "Ordinary People" (1980) erinnert.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin: "33 Szenen aus dem Leben".

Zur Regisseurin: Caroline Link studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen in München und feierte 1995 mit "Jenseits der Stille", einer einfühlsamen Geschichte eines gehörlosen Elternpaares und ihrer musikalisch hochbegabten Tochter, ihr Kino-Debüt. Der Film wurde als bester ausländischer Film für den Oscar nominiert. Diesen erhielt Link jedoch erst im Jahre 2001 für ihren dritten Spielfilm "Nirgendwo in Afrika", der ihr den internationalen Durchbruch verschaffte. Was folgte, waren zahlreiche Angebote von AgentInnen und Produktionsfirmen aus den USA. So sollte auch "Im Winter ein Jahr" eine US-amerikanische Produktion werden. Die Besetzungsfrage gestaltete sich jedoch als so schwierig, dass Link den Film für das deutsche Kino adaptierte.

AVIVA-Tipp: Thematisch blieb sich die Regisseurin auch bei ihrem vierten Spielfilm treu. Der Film erzählt eine Familiengeschichte und steht damit in der Tradition ihres ersten Kinofilms "Jenseits der Stille". Es ist ein einfühlsamer Film über den Verlust eines geliebten Menschen, über den unerträglichen Schmerz und die Angst, die mit dem Verlust einhergehen. Aber er erzählt auch von der Notwendigkeit, gegen den lähmenden Schmerz anzukämpfen und das eigene Leben zu leben. Gleichzeitig ist Caroline Link mit diesem großartig fotografierten Film eine wunderbar leichte und dennoch starke Hommage an die befreiende Kraft der Kunst gelungen. Der Schmerz der hervorragend besetzten Charaktere bündelt sich zu einer Energie, mit der durch Tanz und Bilder etwas Neues geschaffen wird.


Im Winter ein Jahr
D 2008, 128 Min.
Regie: Caroline Link
Buch: Caroline Link
DarstellerInnen: Karoline Herfurth, Josef Bierbichler, Corinna Harfouch, Hanns Zischler, Misel Maticevic, Cyril Sjöström, Jacob Matschenz
Verleih: Constantin Film
Prädikat: Besonders Wertvoll
Deutschland (FSK): Freigegeben ab 12 Jahren
Kinostart: 13. November 2008
www.imwintereinjahr.film.de

Kultur > Film Beitrag vom 12.11.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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