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AVIVA-BERLIN.de im September 2016 - Beitrag vom 02.01.2013

Miss Kicki - ein Film von Hakon Liu. Jetzt auf DVD
Britta Meyer

Kicki (Pernilla August) will nach Taiwan. Nicht des Landes und der Leute wegen, nicht aus Abenteuerlust, und schon gar nicht, um nach siebzehn Jahren endlich Zeit mit ihrem Sohn Viktor (Ludwig...



... Palmell) zu verbringen. Sie will eigentlich nur ihren Internetflirt Mr. Chang (Eric Tsang) mit einem Besuch ├╝berraschen ÔÇô schlie├člich hat er sie ja selbst eingeladen.

Als sie dem bei seiner Gro├čmutter aufgewachsenen Viktor die gemeinsame Reise vorschl├Ągt, sieht es wie der sp├Ąte Versuch aus, so etwas wie eine Beziehung zueinander aufzubauen, ein Angebot, das er mit scheuer Freude annimmt. In Taipei angekommen ├╝berl├Ąsst sie ihn dann tags├╝ber sich selbst und pirscht elegant gekleidet in der Lobby von Changs B├╝rogeb├Ąude herum, w├Ąhrend dieser nichtsahnend seinen Gesch├Ąftsterminen nachgeht. Ohne den Mut aufzubringen, an seine T├╝r zu klopfen, geistert sie jeden Tag so lange durch die Firma, bis die Putzkraft sie abends schlafend in einer Ecke findet. Einziger Trost ist der Concierge ihres billigen Motels, der sich danach gerne mit ihr betrinkt.

Sprachlos und allein in Taiwan

Viktor, dem schnell klar wird, dass es bei dieser Reise nie um ihn gegangen ist, streunt derweil alleine durch die Stra├čen, bis er Didi (He Huang) begegnet. Der hat zwar keine Mutter, aber daf├╝r einen spiels├╝chtigen Vater mit Schulden bei gef├Ąhrlichen Leuten und einen geklauten Motorroller, mit dem er Viktor die Stadt zeigt.

Als Kicki sich schlie├člich ├╝berwindet und Mr. Chang unangek├╝ndigt in seinem Heim besucht, wartet die erste herbe ├ťberraschung der Woche auf sie...

Jede Szene dieses Films hat mehrere Erz├Ąhlebenen und jeder Blick, jede Geste teilen mehr mit, als die sp├Ąrlichen Dialoge. Entfremdung, Vereinsamung und Sehnsucht treiben diese Handvoll Menschen durch Taipei ÔÇô jedeR will etwas anderes Kostbares von den anderen und fast nie werden die wirklich wichtigen Dinge zwischen ihnen auch ausgesprochen. Dass sie sich trotzdem mitteilen, unaufdringlich aber unmissverst├Ąndlich, darin liegt "Miss Kicki"s ruhige, kraftvolle Wirkung.

Zur Hauptdarstellerin: Pernilla August wurde 1958 in Stockholm geboren und stand bereits mit acht Jahren das erste Mal auf einer Theaterb├╝hne. Ihr Filmdebut feierte sie 1975, noch w├Ąhrend ihrer Schulzeit, in Roy Anderssons "Giliap" und absolvierte nach ihrem Abschluss ein Studium an der Stockholmer Schauspielschule. 1982 besetzte sie Ingmar Bergmann erstmals in einem seiner Filme als Kinderm├Ądchen im Oscar-gekr├Ânten "Fanny und Alexander". Neben Filmen wie "Enskilda samtal", "Jerusalem" und "Glasblasarns Barn" wurde sie vor allem international in der Rolle als Shmi Skywalker, der Mutter von Anakin Skywalker, bekannt. 2010 f├╝hrte sie die Regie der preisgekr├Ânten Literaturverfilmung "Bessere Zeiten".

Zum Regisseur: Hakon Liu geboren 1975 in Norwegen, hat eine norwegische Mutter und einen taiwanesischen Vater. Er verbrachte seine Jugend in Taiwan, studierte dann Kunst in Oslo und Regie in G├Âteborg. Nach mehreren TV-Produktionen ist "Miss Kicki" sein erster Spielfilm und erhielt 2009 den "Special Mention Award" des Internationalen Filmfestivals in Pusan, den "Rainer Werner Fassbinder Preis" und den "Telia Film Award" in Stockholm.

AVIVA-Tipp: "Bonjour, tristesse" in Taiwan. Bei dem ziellosen Streifen durch eine asiatische Metropole voller moderner urbaner Einsamkeit f├╝hlt mensch sich unwillk├╝rlich an "Lost in Translation" erinnert. In sch├Ânen, aber schlichten Bildern erz├Ąhlt, ├╝berl├Ąsst die Geschichte es ganz den drei HauptdarstellerInnen, die Handlung mit Leben zu f├╝llen ÔÇô und diese schaffen es, st├Ąndig neue intensive Momente entstehen zu lassen, mal w├╝tend, mal hilflos, dann anr├╝hrend und z├Ąrtlich.

Miss Kicki
Original mit Untertiteln
Schweden / Taiwan, 2009
Regie: H├ąkon Liu
Verleih: barnsteiner-film
DarstellerInnen: Pernilla August, Ludwig Palmell, He Huang, Britta Andersson, Eric Tsang
Produktion: Lizette Jonjic
Drehbuch: Alex Haridi
Kamera: Ari Willey
Musik: Fredrik Viklund
Schnitt: Fredrik Morheden
Szenenbild: Ellen Oseng, Pei-Ling Tsai
L├Ąnge: 88 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
16,99,- Euro
DVD-Start: 23. November 2012
www.goodmovies.de

Weitere Informationen finden Sie unter: misskicki.se


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Bessere Zeiten, die Verfilmung von Susanna Alakoskis ergreifendem Roman

Der ewige G├Ąrtner

Lost in Translation

Kultur > Kino Beitrag vom 02.01.2013 Britta Meyer 

   




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