Miss Hokusai. Nach dem Manga Sarusuberi von Hinako Sugiura. Ab 28. Oktober 2016 auf DVD und Blu-ray. Ab 9. Dezember 2016 als Collector´s Edition - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End 120 BPM Juden, Christen und Muslime. Im Dialog der Wissenschaften 500-1500
Aviva-Berlin > Kultur > Kino AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 08.06.2016

Miss Hokusai. Nach dem Manga Sarusuberi von Hinako Sugiura. Ab 28. Oktober 2016 auf DVD und Blu-ray. Ab 9. Dezember 2016 als Collector´s Edition
Laura Seibert

Ein Anime-Film über die Künstlerin O-Ei, Tochter des berühmten japanischen Malers Hokusai, die ihre Werke mit seinem Namen signierte. Anders als er ist sie heute kaum bekannt. Das ändert sich jetzt.



"Sarusuberi" bedeutet aus dem Japanischen übersetzt "Königinblume", die durch ihre besonders lange Blütezeit hervorsticht, welche die Manga-Zeichnerin als Metapher für Hokusais umfangreiches Werk wählte. 1983 bis 1987 erschien der Manga als Serie von Kurzgeschichten im Magazin "Manga Sunday", und wurde danach als Kompilation in mehreren Bänden veröffentlicht.

Die Drehbuchautorin Miho Maruo und der Regisseur Keiichi Hara schrieben die Kompilation zu einer zusammenhängenden Story um, die 23-jährige O-Ei wurde zur Protagonistin. Wie der Manga bleibt die Erzählung größtenteils fiktiv, da über die Tochter kaum Informationen bekannt sind. Lediglich ein zeitgenössisches Bild zeigt sie, wie sie ihrem Vater (1760‐1849) bei der Arbeit zusieht. Im Film, wie zweifelsohne auch in der Wirklichkeit, verbindet Tochter und Vater die Leidenschaft fürs Malen. Die Beziehung zwischen ihnen ist eine von Schülerin und Lehrer, dabei gilt sie als eine seiner besten SchülerInnen und ist auch in einigen Disziplinen begabter als ihr Vater.

Die Künstlerin O-Ei

Sie raucht Pfeife, hat Augenbrauen wie Frida Kahlo und lebt im Jahr 1814 in Japans politisch-gesellschaftlichem Zentrum Edo (heutiges Tokio) selbstbestimmt als Künstlerin mit ihrem Vater zusammen. Aufräumen und Kochen sind für die beiden überflüssige Zeitverschwendungen. Sobald das Chaos überhandnimmt, ziehen sie um. 93 Mal soll der Maler Hokusai in seinem 90-jährigen Leben umgezogen sein.

O-Ei malt vor allem Porträts von Kurtisanen und erotische Akte. Ihr bekanntestes Werk "Eine Nacht in Yoshiwara" zeigt ein Bordell in Edo. Besonders ist an ihren Werken, die ebenso wie diese ihres Vaters meist als Farbholzschnitte vervielfältigt wurden, das Spiel mit Licht und Schatten.
Häufig springt sie für den Vater ein und stellt eine Tuschezeichnung für ihn fertig. Die Käufer, meist wohlhabende Männer, sind sich der Urheberschaft der Bilder nicht unbedingt bewusst – das Talent von Vater und Tochter scheint sich auf Augenhöhe zu begegnen.

Offiziell werden O-Ei heute nur zehn Werke eindeutig zugerechnet, doch ist die Frage, welche Arbeiten aus ihrer Hand stammen, nicht abschließend geklärt. Daran zeigen KunstsammlerInnen bisher auch wenig Interesse. Die Befürchtung, die akquirierten Werke könnten an Wert verlieren, ist größer als das Interesse, O-Eis künstlerisches Schaffen zu würdigen.

Schwesterlicher Zusammenhalt

Die Tochter unterstützt ihren Vater zwar in der Arbeit, geht dabei aber konsequent ihren Weg und folgt ihrem eigenen Urteil. Das zeigt sich vor allem in der Beziehung zu ihrer (fiktiven) Schwester O-Nao, die von Geburt an blind ist. Der Vater meidet seine jüngste Tochter: Auf den visuellen Reiz verzichten zu müssen stellt für ihn die schlimmste Strafe überhaupt dar, er fürchtet sich vor ihr.
O-Ei hingegen besucht ihre Schwester so oft wie möglich und nimmt sie mit auf ihre Streifzüge zum Malen. Oder auch um ihr neue Erfahrungen zu ermöglichen, ihr die Welt zu erschließen, von der sie im Kloster lebend die meiste Zeit abgeschottet ist. Gemeinsam stehen sie auf der großen Brücke, die den Fluss überquert und genießen das Treiben, spüren Gerüche und Geräusche auf. O-Ei, von O-Nao liebevoll "Schwesterchen" genannt, erkennt im Gegensatz zu ihrem Vater, dass das Erleben der kleinen Schwester durch die anderen Sinnesorgane ebenso reich an Eindrücken ist, wie das der Sehenden.

Mythen und Bilderpracht

Der Spielfilm "Miss Hokusai" besticht durch wunderschöne, farbenreiche handgemalte Animationen, eine Seltenheit in der aktuellen Anime-Produktion, da sehr kostspielig, abgelöst durch computeranimierte Sequenzen und Hintergründe, wie die unvorstellbar belebten Straßen Edos. Auch eine Vielzahl Zeichnungen und Farbholzschnitte der Hokusais finden Eingang in die Geschichte, wie "Die große Welle von Kanagawa".
Die Bilder von übernatürlichen Kreaturen, Geistern und Monstern (yōkai), die Tochter und Vater zeichnen, begleiten häufig eine Erzählung ihrer mythologischen Bedeutung. In sich enthalten sie eine symbolische Stärke und geheimnisvolle Kräfte, die auf die BetrachterInnen wirken und verhängnisvolle Folgen mit sich bringen. Das Wechselspiel zwischen Wirklichkeit und Übernatürlichem macht einen besonderen Reiz des Anime aus.

Für mehr Frauen in der Anime-Filmindustrie

"Miss Hokusai" setzt nicht nur eine Frau als Protagonistin in Szene, auch in der Produktion des Films wurden viele wichtige Posten von Frauen übernommen. Unter ihnen die Drehbuchautorin Miho Maruo, die Komponistin Harumi Fuuki, sowie die Regieassistentin Masako Sato. Auf diese Weise wollen die ProduzentInnen dem Missstand in der Anime-Produktion entgegenwirken, in der zwar viele Frauen beschäftigt sind, die verantwortungsvollen und besser bezahlten Posten jedoch überwiegend Männer innehaben. Insgesamt wirkten mehr als 350 Menschen drei Jahre an der Produktion des Films.

Künstlerinnen in den Fokus

Dass Frauen hinter dem Ruhm der Männer zurückstehen, ist in der Kunst-Szene keine Seltenheit. Die lahme Rechtfertigung dafür lautet häufig, dass der kommerzielle Erfolg bei ihnen ausbleiben würde. So ist es bei O-Ei, und so ist es auch bei Margaret Keane, über die im Jahr 2015 der Film "Big Eyes" von Tim Burton in die Kinos kam. Zu dieser Reihe der begabten Künstlerinnen, denen die Anerkennung größtenteils verwehrt blieb und bleibt, gehört auch die französische Malerin Francoise Gilot, die jahrelang Pablo Picasso assistierte – und darüber ihre eigene Arbeit hintenanstellte. "Miss Hokusai" tritt dieser Schieflage entgegen und schafft Bewusstsein und Sichtbarkeit für eine über aus talentierte Frau.

AVIVA-Tipp: Die längst fällige Würdigung O-Eis als Künstlerin brachte dieser schöne Anime-Film in die Kinos. Nun erscheint er auf DVD, Blu-ray und als Collector´s Edition. In diesem Sinne erzählt der Film die außergewöhnliche Geschichte einer eigenständigen Frau in Japan zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die ihr Leben entgegen aller Konventionen dem Malen widmet. Dafür begibt sie sich unermüdlich auf die Suche nach neuen Eindrücken, die es lohnt aufs Papier zu bannen. Diese fantasievollen Bildwelten gehen in den Film durch die aufwendigen handgemalten Animationen ein.

Zum Regisseur: Keiichi Hara wurde 1959 in der japanischen Stadt Tatebayashi geboren. Nach dem Studium auf dem Tokyo Designer Gakuin College begann er als Filmemacher bei der Produktionsfirma Shin‐Ei Animation. Dort wirkte er an Animationsserien für Familien und Kinder mit, darunter "Doraemon und Shin Chan". Der Kinofilm "Crayon Shin‐chan: Impetuous! The Adult Empire Strikes Back" (2001) machte ihn international bekannt. Danach wandte er sich Independent‐Filmen zu, wobei "Summer Days with Coo" (2007) und "Colorful" (2010) entstanden. Sein erster Realfilm "Dawn of a Filmmaker: The Keisuke Kinoshita Story" kam 2013 ins Kino.
"Miss Hokusai" erhielt international vielzählige Auszeichnungen, darunter den "Preis der Jury" beim 39th Annecy Animation Film Festival (2015), den "Excellence Prize" bei den 39th Japan Academy Prizes (2016). Das 48th Sitges Fantastic Film Festival (2015) wählte ihn als "Bester animierter Spielfilm" aus.

Miss Hokusai
Japan 2015
Regie: Keiichi Hara Drehbuch: Miho Maruo nach dem Manga "Sarusuberi" von Hinako Sugiura
Character Designer und Key Animation Supervisor: Yoshimi Itazu
Art Director: Hiroshi Ono
Colour Designer: Satoshi Hashimoto
3DCG Director: Takumi Endo / Dandelion Animation Studio
Kamera: Koji Tanaka
Regieassistenz: Masako Sato
Schnitt: Shigeru Nishiyama Musik: Harumi Fuuki, Yo Tsuji Animation: Production I.G.
Lauflänge 93 Min.
Verleih: AV-Visionen

Ab 28. Oktober 2016 auf DVD und Blu-ray. Ab 9. Dezember 2016 als Collector´s Edition
AV Visionen präsentiert MISS HOKUSAI auf DVD, Blu-ray und als Collector´s Edition.
Die Collector´s Edition enthält ein sechs-seitiges Digipak mit DVD, Blu-ray und einer Bonus-DVD mit:
Making of (120 Minuten)
Hokusai X Manga – Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (20 Minuten)
Interviews
Mit dabei sind auch ein Postkarten-Set und ein 84-Seiten Booklet.
Das Ganze wird in einer hochwertigen, limitierten Holzbox geliefert.

Weitere Infos auf der Filmwebsite: www.misshokusai-derfilm.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Unsere kleine Schwester
Umimachi Diary, so der Titel der preisgekrönten Manga-Serie von Akimi Yoshida, liefert den Hintergrund für Hirokazu Kore-Edas Realfilm über drei Schwestern, die nach dem Tod des Vaters ihre unbekannte Halbschwester zu sich in das gemeinsame Haus aufnehmen. In Cannes feierte der Film dieses Jahr seine Weltpremiere und wurde mit dem Publikumspreis beim 63. San Sebastian International Film Festival ausgezeichnet. (2015)

Das Schloss im Himmel, die DVD
Der Kinoerfolg des Regisseurs Hahaou Miyazaki ist jetzt als DVD erhältlich. Ein verzauberndes Werk voller Farbenpracht, die jede ZuschauerIn in den Bann der gezeichneten Filmkunst zieht. (2006)

Comic-Kultur - eine Domäne der Männer? Von wegen! Die Mädchen Mangas kommen!
Japanische Mangas für Mädchen und Frauen mischen den Comic Markt auf - Das Magazin Daisuki gibt einen Überblick (2003)


Kultur > Kino Beitrag vom 08.06.2016 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken