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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2017 - Beitrag vom 30.04.2009

Wasser und Seife – Dokumentarfilm von Susan Gluth
Claire Horst

Die Regisseurin hat einen treffenden Titel für ihren Film gefunden. Von Wasser und Brot müssen sich ihre Protagonistinnen zwar nicht ernähren, viel mehr ist es aber auch nicht, was das Leben ...



... ihnen zu bieten hat.

Tatjana, Gerti und Monika arbeiten bis zum Umfallen in einer in die Jahre gekommenen Wäscherei in Hamburg. Der Film folgt ihrem Alltag zwischen Tischwäsche, Servietten und Oberhemden. Die Geräuschkulisse der alten Maschinen, die Hitze in den engen Räumen der Firma, die körperlich anstrengende Arbeit, der tägliche Stress und Zeitdruck nehmen viel Raum im Leben der drei Frauen ein.

Der Dokumentarfilm setzt zu einem Zeitpunkt ein, als der Chef der Wäscherei die Modernisierung beschlossen hat. Wir begleiten die Renovierungsarbeiten und können auch die Existenzängste des Chefs nachvollziehen, der dem Preisdruck der Konkurrenz kaum noch gewachsen ist. "Wenn ich könnte, würde ich denen auch drei, vier Euro mehr zahlen", sagt er, "aber der Markt gibt das einfach nicht mehr her". Die schlechte Marktlage bekommen vor allem seine Angestellten zu spüren. Sie erhalten kein Festgehalt, sondern werden nach Stunden bezahlt. Am Ende des Monats bleibt oft fast nichts übrig. Trotzdem arbeiten alle drei seit Jahrzehnten hier.

In Tatjanas Familie vererbt sich der Job in der Wäscherei. Auch ihre Mutter und ihre Schwester haben hier geschuftet, für die Nichte hofft die Familie auf ein besseres Leben. In manchen Momenten scheint eine tiefe Hoffnungslosigkeit auf: Der Schwager erzählt von den Jugendlichen, die heute keine Lehrstelle mehr finden. Die stehen mit der Bierflasche an den Straßenecken herum, weil sie nichts zu tun haben. "Manchmal bin ich so wütend, dann guck ich einfach nicht mehr hin", sagt er, und am liebsten möchte man auch wegschauen vor lauter Resignation. Bei Tatjana ist es ihre Familie, die ihr trotz aller Schufterei einen Lebenssinn vermittelt. Mit ihrer Mutter telefoniert sie jeden Tag oder besucht sie, und mit ihrem Mann, der als Konditor um 1 Uhr morgens aufstehen muss, versucht sie, so viel Zeit wie nur möglich zwischen Arbeit und Schlaf zu verbringen. "Es gibt ja nur noch arm und reich", sagt der, mit der Mittelschicht sei es aus. "Dem Staat auf der Tasche liegen" wollen sie trotzdem nicht. Aus ihrer Unabhängigkeit ziehen sie ihr Selbstwertgefühl – die Arbeit wird zur Trägerin der Menschenwürde.

Für Gerti bedeutet diese Unabhängigkeit auch, dass sie jeden Tag anderthalb Stunden zur Arbeit fahren muss. Die Frau, die das Bild ihres Ex-Mannes im Wohnzimmer aufgehängt hat, obwohl er sie jahrelang betrogen hat, kann sich nur an ein schönes Erlebnis erinnern: an die Geburt ihrer Tochter. Da hat sie ihren Bauch stolz vor sich hergetragen und überall präsentiert. "Nee, sonst war nix Schönes." Dabei klingt sie nicht einmal erschrocken über dieses Eingeständnis. Es scheint ihr selbstverständlich zu sein, dass das Leben nur aus Arbeit besteht.

Die dritte Kollegin ist Monika. Mit ihrem betagten Yorkshire-Terrier und vier Kanarienvögeln kommt sie mühsam über die Runden. Die Herztabletten für den alten Hund sind der einzige Luxus, den sie sich gönnt, und zu Bonnies Geburtstag gibt es Schweinebraten. Gerti hat ein ganz anderes Leben hinter sich gelassen. Ihre vier Kinder, das älteste müsste inzwischen schon über 50 sein, blieben beim Vater, als sie aus der Ehe mit ihm, einem Alkoholiker, floh. "Ich konnte nicht mehr.", sagt sie. Heute hat sie keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern. Sie meint, das sei auch besser so. Hoffnung schöpft Monika immer wieder aus dem Ausfüllen ihrer Lottoscheine. Bei einem Gewinn würde sie eine Weltreise machen, oder vielleicht sogar in der Firma einen ausgeben. Ihre Augen leuchten, als sie davon erzählt.

Dieser kleine Funken Hoffnung ist es, der die drei Frauen über Wasser hält. Vielleicht wird es eines Tages besser, vielleicht gibt es doch ein bisschen Glück für sie. Das Träumen von einem besseren Leben findet Tatjanas Familie in einem Lied der Band "Pur" wieder, das sie im Wohnzimmer beim Karaoke singen: "Ein schweres graues Tuch, das die Sinne fast erstickt, ... Oh, ich seh den Weg nicht mehr. Ich will weg, ich will raus, ...- Wünsch mir was." Und plötzlich findet die Zuschauerin Pur-Texte gar nicht mehr so blöd.

AVIVA-Tipp: Susan Gluth begleitet ihre Protagonistinnen sehr liebevoll und einfühlsam. Nie hat man das Gefühl, dass sie vorgeführt werden. Trotz der Ausweglosigkeit ihrer Lebenssituation ist der Film nicht deprimierend, sondern hinterlässt die Zuschauerin mit einem Gefühl der Hochachtung für die drei Frauen, die ihr Leben mit Energie und Hoffnung meistern. Die wunderbar zur Stimmung passende Musik hat Nils Koppruch beigesteuert, der Sänger der Hamburger Band Fink.

Wasser und Seife
Buch, Regie und Kamera: Susan Gluth
ProtagonistInnen: Monika Schückher mit Bonnie, Tatjana Beth, Gerda Franzen, Günther Utecht
Filmlänge: 85 min.
Kinostart: 30. April 2009

Weitere Informationen zum Film: wasserundseife-film.de/

Kultur > Kino Beitrag vom 30.04.2009 Claire Horst 

   




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