Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen - Ein Film von Margarethe von Trotta
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Berlin – Stadt der Frauen Berenice Abbott FruehstueckbeiMonsieurHenri
AVIVA-Berlin > Kultur > Kino
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   Juedisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


Berliner Frauenpreis 2016




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: über den Zurück-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Happy New Year 2016




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im August 2016 - Beitrag vom 22.09.2009

Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen - Ein Film von Margarethe von Trotta
Iella Peter

Margarethe von Trottas neuer Film ist das mitreißende Porträt einer der faszinierendsten Persönlichkeiten des Mittelalters - Der Äbtissin, Visionärin und Naturheilkundlerin Hildegard von Bingen.



Wir verbinden heute die historische Person Hildegard von Bingen vor allem mit ihrem Engagement als Naturheilkundlerin. Allerhand Kosmetikprodukte oder Hausmittelchen preisen ihre Leistungen unter dem Namen der berühmten Benediktinerin an. Wer aber war Hildegard von Bingen wirklich?

Margarethe von Trotta beleuchtet zum 830. Todestag von Hildegard von Bingen in ihrem neuen Film die unterschiedlichen Facetten deren Lebens und Wirkens.
Einfühlsam zeichnet von Trotta ein Bild dieser Visionärin, welches nicht nur die unnahbare Heilige präsentiert, sondern auch die Frau dahinter zeigt: Ihre persönlichen Ambitionen, Sehnsüchte und Ängste.

Mit acht Jahren wird Hildegard von ihren Eltern dem Kloster Disibodenburg übergeben. Als zehntes Kind der Eltern soll sie ihr Leben der Kirche widmen. Im Kloster, einem Ort des Schweigens, des Gebets und des Gehorsams, hält der strenge Abt Kuno, gespielt von Alexander Held, das Zepter fest in der Hand. Das junge Mädchen wird in die Obhut der erst sechs Jahre älteren Jutta von Sponheim gegeben. In den folgenden Jahren wird von Spornheim zu ihrer Mentorin und gibt all ihr Wissen über Heilkunde und Musik an die junge Hildegard weiter.

Als ihre Vertraute Jutta von Sponheim stirbt, lebt Hildegard bereits 23 Jahre als Nonne auf dem Disibodenberg. Sie wird, trotz ihrer Beteuerungen, sie sei unwürdig für eine so hohe Aufgabe, von ihren Mitschwestern zur neuen Magistra, zur Leiterin der Frauenabteilung des Klosters, gewählt. In der Folgezeit widmet sich Hildegard mit großem Eifer der Literatur und dem Studium der Heilkunde. In einer Szene des Films, die neue Magistra lehrt ihre Schülerinnen gerade die heilende Kraft der Pflanzen und Kräuter, fordert Hildegard, dass "der Mensch eins sein muss mit der Natur, erst muss die Seele heil werden, dann der Körper folgen.". Die Theologin war, mit dieser dem Leben zugewandten These, ihrer Zeit weit voraus. Nicht die Selbstkasteiung oder das extreme Fasten bringe den Mensch Gott näher, so von Bingen, sondern die Liebe des Menschen zum Leben sei die Verbindung zu Glaube und Gott.

Die Ideen und Gedanken der engagierten Magistra zeugen von großem Mut. Denn kaum eine Frau wagt es, in dieser von männlicher Dominanz geprägten Zeit, aus den strengen kirchlichen Regeln auszubrechen. Auch die Preisgabe der seherischen Fähigkeiten Hildegards ruft den Unmut ihrer männlichen Umgebung hervor.

Schon von Kindheit an hat die junge Hildegard Visionen, vertraut sich aber erst nach Jahren ihrem Wegbegleiter Mönch Volmar, verkörpert von Heino Ferch, an. Volmar unterstützt sie in ihrem Wunsch, ihre Visionen nieder zu schreiben. Er ist es auch, der Abt Kuno von Hildegards Hellsehereien berichtet. Kuno reagiert unwirsch und veranlasst ein Treffen mit einer Gruppe von Mönchen, die Hildegard prüfen sollen. Sie stößt auf große Skepsis, Ablehnung und offenen Chauvinismus. Ihr wird gedroht, sie als Ketzerin aus der Kirche auszuschließen.

Aber Hildegard von Bingen lässt sich weder beirren, noch lässt sie sich einschüchtern und schreibt an Bernhard von Clairvaux, den einflussreichen Zisterziensermönch und Mystiker dieser Zeit. Der bekannte Mönch ist beeindruckt von der Theologin und macht sich auf der Synode von Trier beim Papst zu ihrem Fürsprecher. Schließlich erhält Hildegard die Unterstützung aus Rom und die offizielle Erlaubnis zur Niederschrift ihrer Visionen.

Als von Bingen sich entschließt, das Kloster Disibodenburg zu verlassen, um ein eigenes, in ihren Visionen bereits gesehenes, Frauenkloster zu errichten, muss sie sich wieder gegen Abt Kuno durchsetzen. Und trotz aller Widerstände zieht sie mit zwanzig ihr ergebenen Nonnen auf den Rupertsberg bei Bingen und gründet dort in den Jahren 1147 bis 1150 ihr Kloster. Nachdem die Zahl der Nonnen im Rupertsberger Kloster ständig zunimmt, erwirbt Hildegard 1165 zusätzlich das Augustiner-Kloster in Eibingen und errichtet dort ein Filialkloster.

Der Ruhm der charismatischen Visionärin und Heilerin geht inzwischen weit über die Klostermauern hinaus. Selbst König Friedrich Barbarossa ruft die Äbtissin als Beraterin in sein Schloss in Ingelheim. Sie predigt öffentlich vor dem Volk und unternimmt auch im hohen Alter noch Predigtreisen zu verschiedenen Klöstern in der Umgebung.

Margarethe von Trottas Verfilmung lässt die historische Hildegard von Bingen im Film in sehr positivem Licht erstrahlen. Kaum ein Kritikpunkt ist an der Figur zu finden. Nur als Hildegard erfährt, dass ihre Seelenfreundin Richardis von Stade, eine junge Nonne ihrer Gemeinschaft, das Kloster auf Wunsch ihrer Mutter verlassen soll, gewinnt die ZuschauerIn Einblick in die dunklere Seite von Hildegards Persönlichkeit. Ihr Schmerz über den Verlust der langjährigen Freundin ist so stark, dass sie sich wie ein trotziges Kind verhält und alle Hebel in Bewegung setzt, um den Fortgang ihrer Schülerin zu verhindern. Richardis bezichtigt, zu Recht, die zutiefst enttäuschte Hildegard der "Eigensucht" und verlässt das Kloster.

Die renommierte Schauspielerin Barbara Sukowa verkörpert im Film Hildegard von Bingen und schafft es, auch wenn die Dialoge manchmal etwas konstruiert und künstlich wirken, ihrer Rolle das größtmögliche Maß an Authentizität abzugewinnen.

Alles in allem ist der Film "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen" ein eindrucksvolles Zeugnis der bewegten Lebensgeschichte dieser selbstbewussten und modernen Theologin.

Zur Regisseurin: Margarethe von Trotta wurde in Berlin geboren und entschied sich nach ihrem Romanistik- und Germanistikstudium für den Besuch einer Münchner Schauspielschule. Nach diversen Engagements als Schauspielerin und Drehbuchautorin feierte sie 1977 mit dem Film "Das zweite Erwachen der Christa Klages" ihr Regiedebüt. Es folgten weitere Inszenierungen für Film und Fernsehen, darunter 2003 der Film "Rosenstraße", für die sie mit zahlreichen Ehrungen und Preisen ausgezeichnet wurde.

AVIVA-Tipp: Es gelingt Margarethe von Trotta in ihrem neuesten Werk, ein einfühlsames und besonders intensives Porträt Hildegard von Bingens zu entwerfen. Sie verzichtet auf schnelle Schnitte und Szenenwechsel, um dafür in ruhigen Bildern und sparsamen Dialogen die Figuren und ihre wechselseitigen Beziehungen plastisch zu inszenieren.

Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
Deutschland 2009
Buch und Regie: Margarethe von Trotta
DarstellerInnen: Barbara Sukowa, Heino Ferch, Hannah Herzsprung, Alexander Held, Lena Stolze u.a.
Verleih: Concorde Filmverleih
Lauflänge: 111 min.
Kinostart: 24. September 2009
Weitere Infos unter: www.vision-derfilm.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Rosenstraße. Ein Film von Margarethe von Trotta über den legendären Protest der Ehefrauen vor dem Sammellager in der Rosenstraße in Berlin 1943.

Das Versprechen. Im Vordergrund der, von Margarethe von Trotta, verfilmten Geschichte steht ein Liebespaar, das auch über die Grenzen der Berliner Mauer hinweg den Kampf um das gemeinsame Glück niemals aufgibt.

Ich bin die Andere. Ein Film von Margarethe von Trotta über eine Frau mit multipler Persönlichkeit.

Kultur > Kino Beitrag vom 22.09.2009 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2016  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken