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AVIVA-BERLIN.de im August 2016 - Beitrag vom 19.01.2010

She, A Chinese - ein Film von Guo Xiaolu
Sunna Krause-Leipoldt

Das Roadmovie erzählt die Geschichte einer jungen Chinesin, die, auf der Suche nach der eigenen Identität, aufbricht in die weite Welt. Seine Premiere feierte "She, A Chinese" beim Internationalen...



... Filmfestival von Locarno 2009, wo er mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet wurde.

Für die junge Chinesin Mei ist das Leben in ihrem kleinen Heimatdorf eintönig und farblos. Sie sehnt sich nach den Weiten der Welt und flüchtet sich in musikalische Tagträume, um den ländlichen Alltag zu ertragen. Ihr Geld verdient sie in einem Billardsalon. Zusätzlich hilft sie ihren Eltern bei deren Arbeit auf dem Feld und der Müllhalde. Hin und wieder trifft sie sich mit Jungen aus der Umgebung, doch am liebsten vertreibt sie sich die Zeit mit ihrem MP3-Player und Träumen von abenteuerlichen Erlebnissen jenseits ihres tristen Landlebens.

Als einer der Männer, mit denen Mei sich ab und zu verabredet, sie vergewaltigt, beschließt die junge Chinesin, den einengenden Zwängen ihrer Familie zu entfliehen und bricht in die nächstgrößere Stadt Chong-qing auf. Dort landet sie in einem zwielichtigen Friseursalon. Die mutige Lebenskünstlerin trifft dort den Mafiosi und Auftragskiller Spikey, der genau wie sie von der Welt träumt, und verliebt sich in ihn.

© CAMINO Filmverleih


Eines Nachts kommt Spikey schwer verletzt nach Hause und bricht tot vor ihr zusammen. Geschockt und mit gebrochenem Herzen flieht Mei mit dem Geld des geliebten Kriminellen erneut, diesmal nach London - in die Stadt, die sie vorher nur von Postern kannte. Als illegale Migrantin hält sie sich mit den verschiedensten Gelegenheitsjobs über Wasser, bis sie auf Mr. Hunt trifft. Der 70-jährige Engländer heiratet die junge Chinesin und will mit ihr ein neues Leben aufbauen. Doch Mei fühlt sich ungeliebt und langweilt sich in ihrer Beziehung.

Nach einem Streit kommt sie bei Rachid, dem indischen Restaurantbesitzer aus der Nachbarschaft, unter und verbringt die Nacht mit ihm. Mei verlässt ihren Ehemann und verlebt einige aufregende Monate mit Rachid. Sie glaubt, endlich ihre wahre Liebe gefunden zu haben und will sich ein gemeinsames Leben mit ihm aufbauen, doch er hat andere Pläne…

© CAMINO Filmverleih


Meis Geschichte setzt sich fort, wie sie begann. Immer wieder flieht das selbstbewusste Mädchen aus erdrückenden Situationen, doch richtig ankommen soll sie nie. Wohin der Wind und ihr Schicksal sie auch treiben, nie findet sie das ersehnte, anhaltende Glück.

Die Produktion des lakonischen Dramas "She, A Chinese" hat insgesamt fünf Jahre gedauert. 2009 sagte die Autorin und Regisseurin Guo Xiaolu in einem Interview: "Dies ist ein sehr persönlicher Film, denn ich habe 30 Jahre lang in China gelebt und bin vor fünf Jahren in den Westen gekommen."

Der elektrisierende Film erzählt eine lebendige Geschichte voller Einsamkeit, Liebe und dem Wunsch nach Nähe. Er berichtet aber auch, und dies mit einem besonderen Feingefühl, von der Suche nach Identität und Zugehörigkeit in den Zeiten der Globalisierung - Themen, die für Regisseurin Guo Xiaolu "in meinen Büchern und Filmen immer von zentraler Bedeutung" sind.

Nach seiner Uraufführung im Sommer 2009 in Locarno, wurde "She, A Chinese" beim Filmfest in Hamburg 2009 mit dem Montblanc Drehbuchpreis ausgezeichnet.

AVIVA-Tipp: Die Figuren des Roadmovies wirken abgeklärt und zeigen nur wenig Emotionen. Doch genau diese Reserviertheit verstärkt die Wirkung ihrer Gefühle auf die Zuschauerin und lässt den Film unter die Haut gehen. Guo Xiaolus eigene Erfahrung damit, "wie Chinesen den Westen wahrnehmen, mit welchen politischen und kulturellen Problemen sie sich auseinandersetzen müssen und wie stark sie sich als Individuum in die westliche Gesellschaft integrieren können", trägt dazu bei, den Film authentisch erscheinen zu lassen.

Zur Regisseurin: Guo Xiaolu geboren 1973 in China, studierte an der Beijing Film Academy. 2002 ging sie nach England und lernte Regie an der National Film and Television School in Beaconsfield bei London. Guo Xiaolus Abschlussfilm "The Concrete Revolution" (2004) wurde bei mehr als 50 Filmfestivals auf der ganzen Welt gezeigt. Ihr erster Spielfilm "How Is Your Fish Today?" (2006) wurde 2007 mit dem Netpac Award des Rotterdam Film Festival ausgezeichnet. Ihre ersten Bücher veröffentliche Guo im Alter von 14 Jahren in China. Ihr Roman "Village of Stone" wurde ins Englische übersetzt, war 2005 für den Independent Foreign Fiction Prize und 2006 für den Internationalen IMPAC Dublin Literary Award nominiert. Ihr preisgekröntes "Kleines Wörterbuch für Liebende" ("A Concise Chinese-English Dictionary for Lovers") wurde 2007 in Amerika und Europa veröffentlicht. Kurz darauf erschien ihr neuer Roman "20 Fragments of a Ravenous Youth". Ihr neuestes Werk "UFO in her Eyes" ist 2009 in sechs Sprachen übersetzt worden.
Weitere Infos und Kontakt: www.guoxiaolu.com

She, A Chinese
Großbritannien / Frankreich / Deutschland 2009
Drehbuch und Regie: Guo Xiaolu
Produktion: Tigerlily Films, WarpX und intervista digital media
Produzentin: Natascha Dack
DarstellerInnen: Huang Lu, Wei Yi Bo, Geoffrey Hutchings, Chris Ryman und viele andere
Originalmusik: John Parish
Kamera: Zillah Bowes
Länge: 98 Minuten
Camino Filmverleih
Kinostart: 04. Februar 2010
Mehr zum Film: www.camino-film.com und www.sheachinese-film.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Ein Ufo, dachte sie" von Xiaolu Guo.

"My Blueberry Nights" von Wong Kar Wai.

"Jeder siebte Mensch" von Elke Groen und Ina Ivanceanu.

Kultur > Kino Beitrag vom 19.01.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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