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AVIVA-BERLIN.de im September 2010:

Das ganze Leben liegt vor dir
Katharina Liese

Regisseur Paolo Virzì erzählt auf äußert satirische und unterhaltsame Weise die Geschichte einer desillusionierten Philosophie-Absolventin, die auf dem Weg ins Erwachsenendasein so einige...



...Hürden nehmen muss.

Marta (Isabella Ragonese) ist Mitte Zwanzig und hat ihr Studium der Philosophie erfolgreich absolviert. Man könnte meinen, dass dies die besten Voraussetzungen für einen guten Start in die Berufswelt seien. Doch der Schein trügt...

Die Geisteswissenschaftlerin wird schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, nachdem sie zig Bewerbungsgespräche hinter sich gebracht hat, die jedoch nur Ablehnungen nach sich ziehen. Die Verlage sind von Martas Kenntnissen begeistert, eine Arbeitsstelle können sie ihr jedoch nicht anbieten.

Durch Zufall lernt sie eines Tages Sonia (Micaela Ramazotti) und deren kleine Tochter kennen, die eine Babysitterin suchen. Da sie immer noch keine feste Stelle in Aussicht hat, nimmt sie den Job dankend an. Kurze Zeit später zieht sie dann sogar bei ihrer neuen Freundin in ein WG-Zimmer und verbringt viel Zeit mit der kleinen Lara.

Sonia jobbt im Schichtdienst in einem Callcenter des Unternehmens "Multiple", deren MitarbeiterInnen die Aufgabe haben, nutzlose Haushaltsgeräte als Must-have anzupreisen, um in möglichst kurzer Zeit viele Termine für Hausbesuche abzuwickeln. Das einzige, was zählt: Profit und Vermarktung.

Auch Marta bekommt eines Tages das Angebot, bei "Multiple" zu arbeiten. Da ihre Chancen auf eine baldige Festanstellung weiterhin schlecht stehen und sie das Geld dringend benötigt, um für die Miete aufzukommen, tritt sie den Dienst im Callcenter an.

Die Schicht wird stets mit einem kollektiven Lied eingeläutet, damit das Team des Großraumbüros motiviert in den Tag starten kann. Dabei wird gestrahlt, wie immer und überall in der Firma. Anfangs findet Marta alles sehr befremdlich, doch bald schleicht sich in ihrem Telefonjob ein gewisser Ehrgeiz ein. Mit viel psychologischem Geschick gelingt es ihr, die Menschen zu beeinflussen. Als sie auch noch zur Mitarbeiterin mit der besten Quote gekürt wird, ist Marta wie beflügelt.

Doch im Callcenter geht es ohne Skrupel einzig um allein ums Verkaufen: Wer nicht mithalten kann, wird entlassen. Die potentiellen KundInnen werden am Telefon manipuliert und betrogen. Marta begreift schnell, dass sie die rücksichtslosen und sektenartigen Machenschaften nicht länger dulden kann und tritt mit dem Gewerkschafter Giorgio (Valerio Mastandrea) in Kontakt, um dem Unternehmen entgegenzuwirken.

In sehr bunten und vor Energie übersprudelnden Bildern karikiert der Regisseur Paolo Virzì ein gewissenloses Italien, wo der Gewinn an allererster Stelle steht. Mit musicalähnlichen Gesangs- und Tanzeinlagen wird die ernste Thematik satirisch aufgelockert und nach allerlei Zwischenfällen besinnen sich die ProtagonistInnen letzten Endes doch auf das, worauf es im Leben wirklich ankommt.

AVIVA-Tipp: "Das ganze Leben liegt vor dir" ist eine äußert unterhaltsame Komödie, die in einfallsreichen Szenen die profitorientierte Seite Italiens zeigt und dabei keine gesellschaftskritische Pointe auslässt.

Das ganze Leben liegt vor dir
Originaltitel: Tutta la vita davanti
Italien, 2008
117 Minuten
Regie: Paolo Virzì
DarstellerInnen: Isabella Ragonese, Sabrina Ferilli, Massimo Ghini, Valerio Mastandrea, Elio Germano, Micaela Ramazzotti
Verleih: Movienet Film
Kinostart: 18. März 2010

Der Film im Netz: www.dasganzelebenliegtvordir.de

Kultur > Kino erstellt: 18.03.2010 Katharina Liese 



 
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