Du sollst nicht lieben - Einayim Pkuchot - Eyes Wide Open
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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2016 - Beitrag vom 14.10.2010

Du sollst nicht lieben - Einayim Pkuchot - Eyes Wide Open. Ab 4. Oktober 2010 auf DVD
Nadja Grintzewitsch

Das Deb√ľt des israelischen Regisseurs Haim Tabakman beleuchtet den inneren Konflikt eines koscheren Fleischers, der zwischen der Liebe zu einem Mann und der hingebungsvollen Liebe zu Gott...



...hin- und hergerissen wird. Der Film ber√ľhrt somit ein √§u√üerst brisantes Thema: Den Umgang mit Homosexualit√§t im orthodoxen Judentum.

Homosexualit√§t unter M√§nnern gilt im Judentum als Verbrechen. Die Gesetze der Thora sind eindeutig, denn in Leviticus 18,22 steht klar geschrieben: "Du sollst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schl√§ft - ein Gr√§uel ist das." Noch deutlicher wird es zwei Kapitel weiter: "Wenn ein Mann mit einem Mann schl√§ft wie mit einer Frau - ein Gr√§uel haben beide ver√ľbt, sterben, ja sterben sollen sie, ihr Blut √ľber sie!" (Lev. 20,13). Auch der Talmud bekr√§ftigt, dass auf (m√§nnliche) Homosexualit√§t die Todesstrafe stehe - vorausgesetzt, beide Partner handelten in gegenseitigem Einvernehmen. Vergewaltigung und Verf√ľhrung Minderj√§hriger sind hierbei Ausnahmef√§lle und werden gesondert betrachtet. An anderer Stelle verk√ľndet der Talmud jedoch, dass j√ľdische M√§nner grunds√§tzlich nicht unter Verdacht st√ľnden, da Homosexualit√§t unter Juden schlichtweg nicht existiere (bKidduschin 82a).

Wie also mit einem Thema umgehen, das grunds√§tzlich tabu und religi√∂s gesehen nicht einmal existent ist? Es gibt bereits eine Reihe von israelischen Spielfilmen, die sich offen mit Homosexualit√§t auseinander setzen, etwa "Keep not silent" von Ilil Alexander, "I shot my love" von Tomer Heymann, "Walk On Water" oder "Yossi und Jagger" (letztere von Regisseur Eytan Fox). Doch nur einer von ihnen legte bislang den Fokus auf den inneren Konflikt, dem ultraorthodoxe, homosexuelle J√ľdinnen und Juden ausgesetzt sind. Der Dokumentarfilm "Keep not silent" erz√§hlt von dem t√§glichen Kampf dreier religi√∂s lebender, lesbischer J√ľdinnen um ihr Recht, lieben zu d√ľrfen, wen sie wollen.

Dass sich auch Orthodoxe ab und an in das gleiche Geschlecht verlieben, ist in der Tat keine Seltenheit. "Wenn du deine Zeit abgeschieden mit vielen anderen Jungs in einer Yeshiva (einer religiösen Schule) verbringst, passiert das ziemlich häufig", erklärt Regisseur Haim Tabakman. "Da geht es ständig um das Experimentieren und den Umgang mit allen möglichen Fragen der Sexualität." Doch innerhalb der orthodoxen Welt sei es völlig ausgeschlossen, Religiosität und homosexuelle Neigungen zu kombinieren. "Als religiöser Mann hat man zwei Möglichkeiten, die unvereinbar sind: Entweder man kämpft gegen die inneren Kräfte, oder man ist authentisch, akzeptiert sie und verliert dadurch seinen Bezug zur Religion."

Homosexualit√§t als Pr√ľfung

Diese Einstellung teilt auch Aaron Fleischmann (Zohar Strauss), Protagonist des Filmes "Du sollst nicht lieben". Innerhalb der j√ľdischen Gemeinde Jerusalems ist er ein hoch angesehener Mann und √ľbt den Beruf des Schochet, eines koscheren Metzgers, aus. Dass er sich von Ezri (Ran Danker) angezogen f√ľhlt, der in seiner Fleischerei aushilft, begreift er zun√§chst als Pr√ľfung Gottes und wehrt alle Ann√§herungsversuche des jungen Yeshiva-Studenten ab. Doch schlie√ülich kommt es ausgerechnet in der K√ľhlkammer zu einer ersten hei√üen Szene. Ein filmtechnisch interessantes Detail, denn die Assoziation zu "verdorbenem Fleisch" an diesem sterilen Ort bleibt nicht aus. Aaron begreift, dass er gegen seine Gef√ľhle nicht l√§nger ank√§mpfen kann und will.

Doch das Paar h√§lt seine Verbindung geheim, jeden Abend kehrt Aaron zu seiner Familie zur√ľck. Seine junge Frau Rivka lebt nach den Regeln der orthodoxen Gemeinde, ist flei√üig, dem√ľtig und gehorsam. In der √Ėffentlichkeit verbirgt sie ihr sch√∂nes Haar unter einer Per√ľcke, sie k√ľmmert sich um die Erziehung der vier Kinder und bringt p√ľnktlich die Mahlzeiten auf den Tisch. Das Codewort f√ľr Geschlechtsverkehr lautet stets: "Ich war in der Mikve" (dem rituellen Reinigungstauchbad), woraufhin die Betten zusammen geschoben werden. Wenn Rivka Verdacht sch√∂pft, weil Aaron immer sp√§ter nach Hause kommt, so √§u√üert sie ihn jedenfalls nicht ‚Äď denn sie wurde nicht dazu erzogen, zu widersprechen.

Mit weit offenen Augen

"Eyes wide open" (hebr. "Einayim Pkuchot") lautet der internationale Titel des Filmes. Und tats√§chlich bleibt ihnen nichts unbemerkt, den NachbarInnen, Gemeindemitgliedern, KundInnen. Sie schauen aus den Fenstern, registrieren, wann Aaron heimkehrt und wie viel Zeit er mit Ezri verbringt - und auch, dass die Fleischerei neuerdings in der Mittagspause verschlossen ist. Denn diese Zeit nutzen Ezri und Aaron, um ihrer "verbotenen" Leidenschaft nachzugehen. "Ich war tot, nun lebe ich!" erkl√§rt Aaron dem befreundeten Rabbi, der ihn zwar deckt, aber auf die offensichtlich gewordene Liebesbeziehung anspricht ‚Äď und f√§ngt sich daf√ľr eine Ohrfeige ein. Wegen seiner Halsstarrigkeit oder weil seine Worte ein wenig an Jesus nach seiner Auferstehung im Neuen Testament erinnern ‚Äď das bleibt offen. Ein Frevler ist Aaron in den Augen der Gemeinde in jedem Fall.

Die ersten Ger√ľchte kursieren, Pr√ľgel werden angedroht, Scheiben eingeschlagen. Schlie√ülich kommt es zu Handgreiflichkeiten, die Aaron und Ezri eine Entscheidung abfordern...

AVIVA-Tipp: Mit "Du sollst nicht lieben" ist Haim Tabakman ein Meisterwerk an Regiearbeit gelungen. Nie f√ľhlt sich die Zuschauerin als Voyeurin, immer kann sie in den entscheidenden Situationen mitf√ľhlen, mitleiden. Tabakman erschafft durch Aneinanderreihung von stillen, bedr√ľckenden Szenen eine klaustrophobische Atmosph√§re, die einer/m den Atem raubt. Religi√∂se Homophobie und st√§ndige √úberwachung durch die Gesellschaft sind dabei keine Ph√§nomene, die nur im orthodoxen Judentum auftreten - sie k√∂nnen jederzeit in andere Kulturen und Religionen √ľbertragen werden.

Auszeichnungen: Palm Springs Filmfest "Bestes Spielfilmdeb√ľt", Gent Film Fest "Grosser Preis", Shalom Europa "Bester Spielfilm", Jerusalem Filmfest "Bester Hauptdarsteller".

Du sollst nicht lieben. Die DVD
Originaltitel: Einayim Pkuchot / Eyes Wide open
ISR/FR/D 2009
Buch: Merav Doster
Regie: Haim Tabakman
Verleih: Edition Salzgeber
DarstellerInnen: Zohar Strauss, Ran Danker, Tinkerbell, Tzahi Grad, Isaac Sharry und andere
Ländercode 2
Disc-Type: DVD 5
Sprachen: deutsch, hebräisch
Untertitel: deutsch, englisch
Bildformat: 16:9
Lauflänge: 90 Minuten
Ton: Dolby Digital Stereo 2.0
EAN: 4040592003870
Bestellnummer: D536
DVD-Start: 4.10.2010
Preis: 19,90,- Euro

Weitere Infos finden Sie unter: www.dusollstnichtlieben.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview mit Ilil Alexander, der Regisseurin des Films "Keep not silent"

I shot my love

Walk On Water

Yossi und Jagger

Kultur > Kino Beitrag vom 14.10.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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