We Want Sex. Ab 16. Juni 2011 auf DVD und Blu-ray Disc
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AVIVA-BERLIN.de im Januar 2017 - Beitrag vom 16.06.2011

We Want Sex. Ab 16. Juni 2011 auf DVD und Blu-ray Disc
Britta Meyer

Ende der sechziger Jahre streikten in England beinahe tĂ€glich Arbeiter fĂŒr mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Aber 1968 waren es zum ersten Mal Arbeiterinnen, die ihre Fabrik verließen und...



... mit Transparenten nach London marschierten. Ein filmisches Denkmal von Nigel Cole, gewidmet den wunderbaren Frauen von Dagenham und einem Meilenstein der feministischen Geschichte.

Ford Dagenham, die fĂŒhrende Automobilfirma Englands 1968, beschĂ€ftigt im Sommer jenes Jahres 55.000 Arbeiter und 187 Arbeiterinnen. Letztere nĂ€hen in einer maroden und schmutzigen Fabrikhalle die Autositze per Hand zusammen. Im Winter ist es bitterkalt, im Sommer unertrĂ€glich stickig und wenn es regnet, stellen die Frauen Eimer unter die im Dach klaffenden Löcher. Sie erhalten fĂŒr die anstrengende und komplexe Arbeit deutlich weniger Geld als die MĂ€nner. All das nehmen sie seit Jahren klaglos hin, doch als Ford ein neues Einstufungsverfahren seiner Angestellten vornimmt, werden sie von der GeschĂ€ftsfĂŒhrung in die Kategorie "Ungelernte" eingeordnet – einhergehend mit einer Lohnklasse, die 15 Prozent unterhalb dessen liegt, was ihre mĂ€nnlichen Kollegen in derselben Kategorie verdienen. Jetzt reichtÂŽs. Miserable Arbeitsbedingungen und ein Hungerlohn sind eine Sache, aber diese HerabwĂŒrdigung ihrer Leistung nehmen die Frauen nicht hin und drohen mit Streik.
Angefeuert und bestĂ€tigt werden sie darin vom Gewerkschaftsvertreter Albert (Bob Hoskins). Als die anderen MĂ€nner der "Union" diesen mit Marx-Zitaten von BrĂŒderlichkeit und SolidaritĂ€t einlullen wollen, faucht er:

"Marx? Ich geb euch Marx: Der gesellschaftliche Fortschritt lÀsst sich exakt messen an der gesellschaftlichen Stellung der Frau!"

und fĂ€hrt unbeirrt darin fort, die Arbeiterinnen in ihren Forderungen zu unterstĂŒtzen.

Erst beschrĂ€nken sich deren Forderungen "nur" auf bessere Arbeitsbedingungen und Respekt fĂŒr ihre Kompetenzen. Dann aber realisieren die Frauen, angefĂŒhrt von der beherzten Rita O`Grady (Sally Hawkins), dass Gewerkschaft und GeschĂ€ftsleitung ihren Protest wie den Trotz unmĂŒndiger Kinder behandeln. Sie ziehen die Konsequenzen und verlangen zusĂ€tzlich etwas, das fĂŒr geschocktes Schweigen im Gewerkschaftsrat sorgt: Gleichen Lohn fĂŒr gleiche Arbeit.

Die Vielschichtigkeit sexistischer Diskriminierung zieht sich durch den gesamten Film und zeigt sich großartig und bedrĂŒckend in der Szene, in der Rita voller Wut den Lehrer aufsucht, der ihren Sohn regelmĂ€ĂŸig mit dem Rohrstock grĂŒn und blau schlĂ€gt. Wenn dieser ihr von seinem Podest der Macht herab erklĂ€rt, warum er gar nicht daran denkt, die Misshandlungen einzustellen, dann speist sich diese Überlegenheit aus seiner akademischen Ausbildung, seiner Klasse und vor allem seiner Geschlechtszugehörigkeit. Er hĂ€lt sich fĂŒr unangreifbar von einer Person, die ihm auf so vielen Ebenen untergeordnet ist.

Doch Sexismus ist ein klassenĂŒbergreifendes PhĂ€nomen, wie es an der Figur der Lisa Hopkins (Rosamund Pike), Ehefrau des Ford-Managers Peter Hopkins, gezeigt wird: die an der besten UniversitĂ€t des Landes exzellent ausgebildete Frau verkĂŒmmert in einer Existenz als Vollzeithausfrau und wird von ihrem Mann vorgefĂŒhrt und herumkommandiert wie eine Mischung aus Haussklavin und Luxusobjekt.
Ein Frauenleben, fast wie aus der Gegenwart.

Diese NĂ€herinnen schrieben Geschichte

"We Want Sex" erzĂ€hlt die Geschichte des legendĂ€ren und sehr realen Streiks der NĂ€herinnen von Ford Dagenham im Jahre 1968, der zur Festlegung des Equal Pay Acts von 1970 fĂŒhrte und nichts weniger bewirkte, als Geschichte zu schreiben: Die systematisch schlechtere Entlohnung von Frauen gegenĂŒber MĂ€nnern wurde in Europa erstmals von der gesetzgebenden Instanz eines Landes fĂŒr nicht rechtens erklĂ€rt.
Die Frauen von Dagenham verlangten Dinge, die selbstverstĂ€ndlich sein sollten, es aber 1968 nicht waren und auch heute noch nicht sind: Respekt, menschenwĂŒrdige Arbeitsbedingungen, gleicher Lohn fĂŒr gleiche Arbeit, Fairness. Rita bringt es im Film auf den Punkt, wenn sie ihren Mann anbrĂŒllt:

"Das sind RECHTE, keine PRIVILEGIEN!"

Ja. Das sind sie.

Zum Regisseur: Nigel Cole, geboren 1959, hat bereits mit seinem DebĂŒt "GrasgeflĂŒster" (2000) und spĂ€ter "Calendar Girls" (2003), Filme gedreht, die kluge und komplexe Frauenfiguren in den Vordergrund stellen – jenseits von Alter, Bildung oder geltenden Schönheitsidealen.

AVIVA-Tipp: "We Want Sex" ist warmherzig, humorvoll, reflektiert verfilmt und immer noch hochaktuell. Der Kampf der Frauen von Dagenham wird nicht nur in den Erfolgsmomenten, sondern auch in den zermĂŒrbenden Phasen gezeigt: die Geldsorgen, das UnverstĂ€ndnis, die stĂ€ndige Herablassung mĂ€nnlicher Vorgesetzter, die EhemĂ€nner, die ihre Frauen erst in ihrem Streik bestĂ€rkten und sie wĂŒtend kritisieren, als auch ihre eigenen Löhne ausbleiben. Trotz verschiedener historischer Ungenauigkeiten und einiger Szenen, die hart an der Grenze zur Schmalzigkeit entlang navigieren, ĂŒberzeugt der Film vor allem durch seine DarstellerInnen, die die richtige Mischung aus Herzlichkeit, Biss und Klugheit treffen, sei es als Working-Class-Heldin, als Akademikerin oder als Politikerin (großartig: Miranda Richardson in der Rolle der Ministerin fĂŒr Arbeit und ProduktivitĂ€t, Barbara Castle). Unbedingt sehenswert.

We Want Sex
Originaltitel: Made in Dagenham
Großbritannien, 2010
Regie: Nigel Cole
Drehbuch: Billy Ivory
DarstellerInnen: Sally Hawkins, Rosamund Pike, Miranda Richardson, Bob Hoskins, Andrea Riseborough, Jaime Winstone, Lorraine Stanley, Nicola Duffett, Geraldine James, Daniel Mays
Verleih: Tobis Filmverleih
Kamera: John De Borman
Musik: David Arnold

DVD
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Laufzeit: 109 Min.
Ton: Dolby Digital 5.1 (D, GB)
Bild: 2,35:1 Anamorph Widescreen
Untertitel: D, GB fĂŒr HörgeschĂ€digte
Bonusmaterial:
Audiokommentar von Regisseur Nigel Cole (in GB), Deutsches Making-of, Interviews, Entfallene Szenen, Outtakes, B-Roll, Bildergalerie, Deutscher Trailer, Original-Trailer
DVD: EAN: 5050582835786 / Best-Nr.: 828 357-8 / VÖ: 16. Juni 2011

Blu-ray Disc
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Laufzeit: 113 Min.
Ton: DTS-HD Master Audio 5.1 (D, GB)
Bild: 2,35:1 Widescreen in High-Definition
Untertitel: D, GB fĂŒr HörgeschĂ€digte
Bonusmaterial:
Standard-Definition
Audiokommentar von Regisseur Nigel Cole (in GB), Deutsches Making-of, Interviews, Entfallene Szenen, Outtakes, B-Roll, Bildergalerie, Deutscher Trailer, Original-Trailer
BLU-RAY: EAN: 5050582835809 / Best-Nr.: 828 358-0 / VÖ: 16. Juni 2011

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.tobis.de

Equal Pay Act 1970

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Kultur > Kino Beitrag vom 16.06.2011 Britta Meyer 

   




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