Im Himmel, unter der Erde – Der jüdische Friedhof Weißensee. Ein Film von Britta Wauer
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AVIVA-BERLIN.de im August 2016 - Beitrag vom 21.03.2011

Im Himmel, unter der Erde – Der jüdische Friedhof Weißensee. Ein Film von Britta Wauer
Ayala Goldmann

Lebendig, spritzig, humorvoll und berührend: Der Berliner Regisseurin Britta Wauer ist mit ihrer Dokumentation über den jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee ein Film gelungen, ...



... der nicht Tod und Trauer, sondern das Leben in den Mittelpunkt stellt.

Der idyllisch gelegene Friedhof in Berlin-Weißensee (Bezirk Pankow) wurde 1880 angelegt. Mit 115. 000 Grabstellen ist er der größte noch aktive jüdische Friedhof Europas. Das Gräberfeld ist Dreh- und Angelpunkt der 90minütigen Dokumentation von Britta Wauer: Mit originellen Kameraeinstellungen zeigt sie zu verschiedenen Jahreszeiten die Natur auf dem Friedhof, der wie ein großer Wald wirkt, und die teilweise von Wind und Wetter angegriffenen Grabsteine. Doch im Mittelpunkt von Wauers Film stehen nicht Steine, sondern Menschen.

Viele, die in ihrem Alltag mit dem Friedhof zu tun haben, kommen zu Wort – zum Beispiel eine Familie, die mit einem Kleinkind auf dem Gelände des Friedhofs lebt und dort "ein Leben fast wie im Wald" führt, mit Vogelgesang am Tag und Fuchsgeheul in der Nacht. Aber auch SchülerInnen aus Berlin-Pankow, die das Gräberfeld als Inspiration für ihren Kunst-Leistungskurs nutzen, geraten ins Blickfeld der Kamera. Später begleitet Wauer die jungen Menschen in ihr Klassenzimmer. Dort entwerfen die GymnasiastInnen eigene Grabinschriften am Reißbrett - ein spielerischer, kreativer Umgang mit der eigenen Vergänglichkeit.

Natürlich hat die Regisseurin auch auf Interviews mit ZeitzeugInnen nicht verzichtet. Während der Besuch einer jüdischen Familie aus den USA auf dem Friedhof viele Tränen weckt, ist ein Interview mit dem 1927 geborenen Harry Kindermann, der heute in Ludwigshafen lebt und sich eher beherrscht gibt, das eigentliche Herzstück des Films. Als Sohn eines auf dem Friedhof angestellten Fundamentenmaurers wuchs der junge Mann praktisch auf dem Gräberfeld auf. Wie andere jüdische Kinder aus Berlin fand er dort während der NS-Zeit Zuflucht vor der feindlichen Außenwelt und erlebte in Weißensee als 16jähriger seine erste Liebe (das junge Mädchen wurde 1942 in ein Konzentrationslager deportiert). Die Geschichte der jungen Marion Ehrlich hat den Mann sein Leben lang begleitet – seiner einzigen Tochter gab er den Namen der ermordeten Jugendfreundin.

Sie wollte nicht nur tragische Geschichten finden, sondern auch schöne, die vom Verlieben erzählen, sagt Regisseurin Britta Wauer. Es ist ihr gelungen. Das bedeutet nicht, dass furchtbare Kapitel des Friedhofs ausgelassen werden – wie die Gräber der vielen Menschen, die den Freitod der Deportation vorzogen. Auch die Geschichte während der DDR-Zeit wird ausführlich erzählt – zum Beispiel, wie der Friedhof jahrzehntelang vernachlässigt und dann Ende der 80er Jahre unter anderem durch FDJ-Einsätze wieder minimal hergerichtet wurde. Oder wie die SED-Führung auf den geplanten Bau einer sechsspurigen Autobahn durch eine zentrale Achse des Friedhofs dann doch lieber verzichtete, nachdem unter anderem die West-Berliner Jüdische Gemeinde dagegen protestiert hatte.

AVIVA-Tipp: "Im Himmel, unter der Erde – der jüdische Friedhof Weißensee" versteht es trefflich, mit dem Thema Tod und Vergänglichkeit auf eine Weise umzugehen, die nicht deprimiert, sondern sogar erheitert. Interviews mit William Wolff, dem Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern, geben Hintergründe über die jüdische Bestattungskultur - auch dies geschieht mit einem leicht ironischen Unterton. Schön sind auch die Interviews mit Angestellten des Friedhofs und der jüdischen Gemeinde – nach einigen Anläufen gelang es der Regisseurin, die zum Teil spröden Männer aus der Reserve zu locken.

Zur Regisseurin: Britta Wauer, geboren 1974, absolvierte ihre Ausbildung an der Berliner Journalisten-Schule und arbeitete zunächst in der Redaktion von "Spiegel TV Reportage" in Hamburg. 1997 begann sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin "dffb" ihr Regie-Studium. Währenddessen drehte sie mehrere Kurzspielfilme und arbeitete als Regie- und Produktionsassistentin für Jutta Brückner, Tom Zenker und Helmut Dietl. Für ihren Vordiplomsfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie "Heldentod - Der Tunnel und die Lüge" erhielt sie den Deutschen Fernsehpreis und für den Abschlussfilm "Die Rapoports" (zusammen mit Sissi Hüetlin) den Grimme-Preis. Mit "Gerdas Schweigen" hat Britta Wauer 2008 die Familiengeschichte des RBB-Moderators Knut Elstermann verfilmt. Die Dokumentation "Im Himmel, unter der Erde – der jüdische Friedhof Weißensee" drehte sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Kameramann Kaspar Köpke.

Awards

"Im Himmel, unter der Erde" erhielt 2011 den Panorama-Publikumspreis der Berlinale für den Bereich Dokumentation

Im Himmel, unter der Erde – Der jüdische Friedhof Weißensee
Deutschland, 2010
Drehbuch und Regie: Britta Wauer
Verleih: Edition Salzgeber
FSK: ab 6 Jahren
Lauflänge: 90 Minuten
Sprachen: DF
Kinostart: 07. April 2011

Der Soundtrack zum Film ist erschienen bei Alhambra Records

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Der Jüdische Friedhof Weißensee. The Jewish Cemetery Weissensee. Momente der Geschichte. Moments in History von Amélie Losier und Britta Wauer

"Gerdas Schweigen" , der Film von Britta Wauer nach dem Buch von Knut Elstermann

"Jüdische Friedhöfe in Berlin" von Johanna von Koppenfels.

"Jüdisches Berlin - Photos aus Kaiserreich und Weimarer Republik", erschienen im Jaron Verlag, 2008

"Berliner Juden 1941 - Namen und Schicksale", herausgegeben von Hartmut Jäckel und Hermann Simon.

"Jüdisches im Grünen. Ausflugziele im Berliner Umland" herausgegeben von Judith Kessler und Lara Dämmig.

"Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933" von Myra Warhaftig.

"Juden. Bürger. Berliner. Das Gedächtnis der Familie Beer - Meyerbeer – Richter".

"Juden in Berlin – Biografien" herausgegeben von Elke-Vera Kotowski.

"Geschichte des jüdischen Alltags in Deutschland", herausgegeben von Marion Kaplan.

Das jüdische Berlin. 1. Teil (aus 2004).




Kultur > Kino Beitrag vom 21.03.2011 AVIVA-Redaktion 

   




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