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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2016 - Beitrag vom 19.12.2010

Drei
Tatjana Zilg

Mit einem Film √ľber eine verdeckte Dreierbeziehung zwischen einer Kulturjournalistin, einem Genforscher und einem Kunstproduzenten kehrt Tom Tykwer nach seinem global angelegten Thriller ...



... "The International" als Regisseur zur√ľck nach Berlin, dem Ort, wo seine eigene Karriere rasant mit "Lola rennt" begann.

Gaben bei "The International" weltber√ľhmte Schaupl√§tze die Kulisse f√ľr actiongeladene Filmsequenzen, so l√§sst Tykwer nun den Blick liebevoll durch das Berlin der Gegenwart mit seinem kunterbunten Kultur- und Szeneleben schweifen: Die ersten Funken erotischer Anziehung zwischen seiner Hauptprotagonistin Hannah (Sophie Rois) und Adam (Devid Striesow) springen bei einem Theaterbesuch der Robert Wilson-Inszenierung "Shakespeares Sonette" im Berliner Ensemble √ľber. Hannahs langj√§hriger Lebenspartner Simon (Sebastian Schipper) begegnet dem mysteri√∂sen Adam zum ersten Mal an einem Sonntagnachmittag beim Schwimmen im Treptower Badeschiff.
W√§hrend einer Vernissage im Martin-Gropius-Bau entgehen die Drei kurz darauf nur knapp einer verfr√ľhten Entdeckung ihrer wechselseitigen Aff√§ren.

Auch der Imbiss Burgermeister unter den Gleisen der Linie 1 am Schlesi und der Mauerpark im Prenzlauer Berg mit der Jugenstilaltbauten-Silhouette im Hintergrund werden als Kulisse genutzt. Es handelt sich jedoch keinesfalls um eine Low-Budget-Verfilmung: "Drei" ist gro√ü angelegt und Tykwer spielt dramaturgisch nicht nur mit den vielen M√∂glichkeiten, die Berlin als Drehort bietet, sondern er setzt auch modernste Filmtechnik wie Split Screens und Computeranimationen ein. Dabei konnte er sich selbst viel k√ľnstlerische Freiheit gew√§hren, denn das Drehbuch entsprang diesmal wieder seiner eigenen Hand.

Tom Tykwer greift in "Drei" Themen auf, die tief bewegen und zu den Unabsch√§tzbarkeiten der Postmoderne geh√∂ren: Widerspr√ľchlichkeiten und Gemeinsamkeiten von romantischer Liebe und erotischem, spontanen Begehren, pl√∂tzliche Krankheit, Tod und √úberleben, Kinderwunsch und Furcht vor Bindungen.

Nähe und Distanz, Anziehung und Abwehr

Die Kulturjournalistin Hannah und der Kunstproduzent Simon sind seit zwanzig Jahren ein Paar. In ihrer Beziehung kracht es zwar noch des √∂fteren auf lebhafte und wortwitzige Weise, aber im Bett knistert es schon lange nicht mehr. Vielleicht sind die Beiden sich daf√ľr zu nah, auch wenn sie im Alltag getrennte, anspruchsvolle Pfade verfolgen und zu Beginn des Films eher den Anschein geben, sich entfremdet zu haben. Bald merkt man jedoch, dass sie zu etlichen gemeinsamen Gewohnheiten und einer Sprache gefunden haben, die nur sie beide in ihrer Feinheit richtig verstehen k√∂nnen. Dann dringen unerwartete, schwere Ereignisse in die Routine des Paars ein: Simons Mutter er√∂ffnet ihnen, unheilbar an Krebs erkrankt zu sein. Auch bei ihm selbst wird Krebs diagnostiziert, nach einer Operation bestehen aber gute Heilungschancen.

Adam tritt, ebenfalls unerwartet und √ľberraschend, in das Leben von Hannah und Simon, die jeweils eine Aff√§re mit dem attraktiven Genforscher beginnen, ohne dass sie ahnen, dass der/die Andere mit genau derselben Person fremd geht. Kurz zuvor reagierte Hannah besonnen auf die Krankheit von Simon, wodurch das Paar emotional neu zueinander fand.

Die heimliche Doppelaff√§re mit Adam schenkt jedem von ihnen einen R√ľckzugsort, der sich zun√§chst positiv auf ihre Beziehung auswirkt, ohne dass dies ausgesprochen wird. Adam dagegen verliert den Halt, den er in seinem bisherigen, auf emotionaler Eigenst√§ndigkeit begr√ľndeten Lebensentwurf fand. Er sp√ľrt die Sehnsucht, sich mehr einzulassen, erf√§hrt aber zun√§chst Abwehr. Erst allm√§hlich, dann immer schneller, ger√§t die Funktionalit√§t der verdeckten Dreierbeziehung ins Wanken.

Auf die Frage, ob der Film der Versuch einer Bestandsaufnahme, zugleich provokantes Spiel mit den M√∂glichkeiten moderner Beziehungen und eine Art Versuchsanordnung zum Thema Beziehung sei, antwortet Tykwer: "Diese Betonung des Experiments ist f√ľr mich sehr befreiend, denn darin wird der verspielte Charakter des Films hervorgehoben. Jede Situation, jede Begegnung ist ein Konstrukt, das von unglaublich vielen, unberechenbaren Parametern bestimmt ist, von all den Zuf√§llen, die uns st√§ndig widerfahren. Da ist allein schon die ungeheuer wichtige Frage des Timings: Wann trifft man jemanden, in welcher Situation? Was w√§re passiert, wenn man Personen zu einer anderen Zeit, bei einer anderen Gelegenheit begegnet w√§re? Wie anders w√§re das Leben verlaufen?"(Quelle: Presseinfo X-Film)

AVIVA-Tipp: Ein deutscher Erfolgsregisseur kehrt zur√ľck vom internationalen Spielfeld und sprengt das Genre "Soziobeziehungskom√∂die" mit Witz, Charme und Kultur. Tykwer gelingt es, Authentizit√§t und Integrit√§t mit einer von den Erfahrungen seiner internationalen Gro√üproduktionen gepr√§gten Arbeitsweise zu verbinden. Die komplexe Darstellung seiner Hauptcharaktere, die vielschichtige, dennoch leicht dahinflie√üende Bildsprache, sein schwarzer Humor, gepaart mit ironischen Anspielungen an g√§ngige romantische Kom√∂dien, und ein glaubhafter Gegenwartsbezug machen seinen elften Langfilm zu einem unterhaltsamen, kurzweiligen und anspruchsvollen Winterfilmvergn√ľgen.

Drei
Deutschland 2010
Regie und Buch: Tom Tykwer
DarstellerInnen: Sophie Rois, Sebastian Schipper, Devid Striesow
Länge: 105 Minuten
Verleih: X Verleih
Kinostart: 23.12.2010

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.drei.x-verleih.de

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Kultur > Kino Beitrag vom 19.12.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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