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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2016 - Beitrag vom 24.04.2009

Ein Traum in Erdbeerfolie
Tatjana Zilg

Regisseur Marco Wilms ist in seiner Doku über die Modeszene während der Endzeit der DDR selbst mitten drinnen im Geschehen. Mit der offiziellen Arbeitserlaubnis als Model eröffnete sich ihm ...



... im Ost-Berlin der Achtziger Jahre eine neue Welt jenseits des sozialistischen Alltags.

Die Modewelt auf der anderen Seite der Mauer spaltete sich in einen staatlich anerkannten Bereich und in einen informellen Gegenspieler, der vom sozialistischen Regime argwöhnisch beobachte wurde.
Ein Hauptaugenmerk richtete sich dabei auf eine Ost-Berliner Underground-Gruppe, die unter dem Motto "Chic, charmant und dauerhaft" ihre phantasievollen Kreationen über die Laufstege im kunstbeflissenen Prenzlauer Berg schickte. 1984 gegründet eroberte sie sich schnell einen Freiraum, in dem Spontaneität und ein wildes Lebensgefühl ihren Ausdruck finden konnten.
Erst im Wohnzimmer, dann in architektonisch reizvolleren Umgebungen wie Kirchen und stillgelegten Gründerzeit-Bädern fanden jenseits des Kommerz die CCD - Modenschauen statt. Im Zentrum des Geschehens stand die Designerin Sabine von Oettingen, die der chronischen Materialknappheit der DDR tatkräftig die Stirn bot und aus Leder, Eingeweidetüten, Erdbeerfolie und schwarz-weiß-gestreiften Duschvorhängen ihre opulenten Gewänder schneiderte. Weitere Aktionen fanden im Rahmen der Modetheater-Gruppe "Allerleirauh" statt.

Zwei Jahrzehnte später blickt Marco Wilms, der als Model über die offiziellen Laufstege lief und parallel dazu mit viel Elan in der Alternativ-Szene aktiv war, zurück auf seine kunterbunte Lebensphase mitten im grauen Alltag des Arbeiter- und Bauernstaates. Nach der Wende gelang ihm eine Karriere als Doku-Filmemacher, wodurch er für den cineastischen Blick auf die eigene Biographie viel Know How mitbrachte.
Er begab sich auf die Suche nach seinen damaligen WeggefährtInnen und traf auf Persönlichkeiten, die aus dieser Zeit viel mitgenommen haben und fast alle heute noch in Berufen rund um die Alternativ-Modewelt tätig sind.
Als er, inspiriert von seinem Erinnerungs-Trip, in seinen alten Klamotten stöberte und sich anschließend in seiner wiederentdeckten, abgewetzten Lederjacke vor dem Spiegel drehte, vernahm er allerdings irritiert die Frage seines kleinen Sohnes: "Wohin ist die DDR eigentlich verschwunden?" Um die Erinnerungen wieder mehr ins Bewusstsein zu bringen, nahm er sich daraufhin vor, im Rahmen der Filmarbeiten eine Ostblockparty mit Retro-Modenschau zu organisieren. Gemeinsam mit Sabine von Oettingen geht er auf Erkundungstour durch die Marktvielfalt des Westens, doch nirgends ist der schwarz-weiß-gestreifte Duschvorhang zu finden, der eine Hauptrolle in der Wiederbelebung der Oettinger Kostüme für die Ostblockparty spielen sollte. Dennoch, nach einigem Hin und Her gelang es dann doch, im Jahr 2008 für einen Abend das Lebensgefühl von damals wiederzubeleben.

Insgesamt bietet die Dokumentation "Ein Traum in Erdbeerfolie" einen umfangreichen Einblick in unbekannte Seiten des DDR-Alltags und zeigt auf, wie ein restriktives System auf ungewollte Art Kreativität und Phantasie fördern kann. Die ProtagonistInnen sahen es als Herausforderung, innerhalb der engen Strukturen außergewöhnliche Lebensentwürfe zu realisieren, wobei ihnen auch eine gute Portion Glück zu Hilfe kam. So begann Frank Schäfer seinen Aufstieg als Star-Friseur für die offizielle Modewelt der DDR als Maskenbildner-Lehrling, dem nur geringes Talent nachgesagt wurde. Das sah der Moderegisseur Klaus Ehrlich ganz anders und nahm ihn unter seine Fittiche. In seinem Team stieg Schäfer zum gefragten Stylisten auf. Bis heute ist er in diesem Metier aktiv und betreibt einen beliebten Szene-Friseursalon in Prenzlauer Berg. Durch seine delikaten Intimhaarfrisuren wurde er zum Dauergast im West-Fernsehen. Die Designerin Sabine von Oettingen lebt mittlerweile auf dem Land in einer eigenen Mühle und schneidert dort barocke Einzelstücke, die sie unter anderem auf Kunstmärkten verkauft. Von der Modewelt völlig verabschiedet hat sich der Fotograf Robert Paris, früher Hauptdarsteller des Modetheaters Allerleirauh und das Lieblingsmodel des Fotografen Sven Marquardt für dessen erotische Fotos. Während eines Indientrips lernte er seine jetzige Ehefrau kennen und entschied sich, nach Kerela auszuwandern und dort für seine künftige Familie ein Haus zu bauen.

AVIVA-Tipp: Neben den Interviews mit den Mode-RebellInnen und der Film-in-Film-Handlung über die Vorbereitung zur CCD-Modeschau 2008 sowie etlichen Original-Videoaufnahmen aus den Achtzigern wurden 300 Fotos von Sven Marquardt, Jürgen Hochmuth, Robert und Helga Paris in den Dokumentarfilm integriert. Dadurch entsteht ein unterhaltsames und informatives Wechselspiel zwischen objektiven Rückblicken und subjektiv gefärbten Rückbesinnungen und Reflektionen. Ein "Ein Traum in Erdbeerfolie" wird so zu einem schillernden Plädoyer für ein Leben, das sich nicht nach vorgefertigten Schablonen richtet.

Ein Traum in Erdbeerfolie
Deutschland 2009
Buch und Regie: Marco Wilms
Mitwirkende: Frank Schäfer, Sabine von Oettingen, Robert Paris, Angelika Kroker, Klaus Ehrlich, Helga Paris, Jürgen Breski, Frieda von Wild, Jürgen Hohmuth
Verleih: Polyband
Lauflänge: 82 Minuten
Kinostart: 23. April 2009

Weitere Informationen zum Film:
www.polyband.de


Kultur > Kino Beitrag vom 24.04.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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