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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2016 - Beitrag vom 01.09.2011

Baikonur. Kinostart 01. September 2011
Tatjana Zilg

Mit viel Elan drehte der Regisseur Veit Helmer ("Absurdistan", "Tuvalu") dort einen Spielfilm, wo es zuvor noch niemand wagte: Seine Technology-Nature-Clash-Comedy spielt rund um die ...



... ehemalige sowjetische Raumfahrtstation Baikonur, weit abgelegen vom urbanen Leben in der kasachischen Steppe.

In Zeiten des Kalten Krieges f├╝hrte die F├╝hrungsriege der UdSSR der internationalen Presse ihre Fortschritte in der Raumfahrttechnologie vor und konnte durchaus mit der Supermacht USA mithalten. Die ArbeiterInnen im real existierenden Sozialismus dagegen ├╝bten sich im Schlange stehen f├╝r begehrte Alltagsprodukte.

Sehnsucht nach dem All

L├Ąngst ist die UdSSR in die Geschichtsb├╝cher eingegangen, doch unter russischer Leitung wird in Baikonur weiter an der Eroberung und Erkundung des Weltalls gefeilt. Eigentlich l├Ąsst man sich dabei nicht gerne durch Filmteams st├Âren, doch mit Geschick und ├ťberzeugungskunst erhielt Veit Helmer die Drehgenehmigung f├╝r sein au├čergew├Âhnliches Projekt. Im Mittelpunkt seiner Dreiecksliebesgeschichte stehen eine franz├Âsische Weltraumtouristin und zwei junge SteppenbewohnerInnen, die nicht nur aufeinander, sondern auch auf die Unendlichkeit des Universums ein sehnliches Auge geworfen haben.

Kasachische ├ťberlebenskunst: Resteverwertung von Raketenteilen

Iskander (Alexander Asochakov) wird spa├česhalber auch Gagarin genannt, nach dem ber├╝hmten Astronauten Juri Gagarin. Genau wie dieser m├Âchte er eines Tages in bisher unbekannte Fernen des Weltalls vordringen. Derzeit sitzt er jedoch in seiner Jurte an einer selbstgebastelten Funkstation. Seine Aufgabe innerhalb der kasachischen Dorfgemeinschaft ist es, genau zu orten, wann und wo eine Rakete startet. Denn die verschiedenen Dorfgruppen liefern sich eine wilde Jagd auf die abgeworfenen Metallteile. Der Weltraumschrott dient als Tauschmittel f├╝r Lebensmittel mit den benachbarten ChinesInnen oder als Material f├╝r DIY-Produkte f├╝r das t├Ągliche Leben.
Nazira (Sitora Farmonova) ist eine verwegene Sch├Ânheit, die mit ihrem Pferd tatkr├Ąftig bei der G├╝tersammlung mithilft und vor Temperament spr├╝ht. Dennoch konnte sie ihren Schwarm Iskander bisher nicht f├╝r sich begeistern. Stattdessen tr├Ąumt er von der Weltraumtouristin Julie (Marie de Villepin) und verfolgt deren Vorbereitungen f├╝r ihren ersten Raketenflug im nahegelegenen Baikonur im Fernsehen.

Der junge Vision├Ąr muss nicht allzu lange warten, bis sein Traum Realit├Ąt wird. Die Kapsel, mit der Julie zur├╝ck zur Erde gebracht werden soll, st├╝rzt mitten in der Steppe ab. Er rettet sie und versorgt die Ohnm├Ąchtige umsichtig in seiner Jurte. Wie ein Schneewittchen liegt sie dort und wacht nicht auf. Iskander befreit sie aus dem schweren Kosmonautenanzug und h├╝llt sie aus Not in das Brautkleid seiner t├Âdlich verungl├╝ckten Mutter. Als Julie pl├Âtzlich die Augen aufschl├Ągt, wei├č sie nicht mehr, wer sie ist. Iskander kann der Versuchung nicht widerstehen, ihr zu erkl├Ąren, sie sei seine Verlobte. Wie lange das gut geht und welche Wirrnisse und Abenteuer noch zu ├╝berstehen sind, bis jede(r) der drei Steppenvision├ĄrInnen zu seiner ureigenen Leidenschaft gefunden hat, haben Veit Helmer und der russische Co-Drehbuchautor Sergej Ashkenazy in einen kom├Âdiantisch-skurrilen, temporeichen, aber sich auch f├╝r Details Zeit nehmenden Plot verpackt.

AVIVA-Tipp: Veit Helmer begeistert nach "Absurdistan" und "Tuvalu" erneut durch eine au├čergew├Âhnliche Story-Idee, die er in einem leicht comichaften, mal bunten, mal naturfarbenen Stil verfilmt. Jede Szene ist gef├╝llt mit viel Witz und Drive, so dass die Kombination aus surrealen M├Ąrchen und reflexiver Soziokom├Âdie kurzweilig ├╝ber die Leinwand huscht und archaische genau wie moderne Sehns├╝chte in den Herzen des Kinopublikums aufst├Âbert.
Universelles Thema ist die Entscheidung zwischen der Geborgenheit im Vertrauten und der Eroberung des Fremden. Am Schluss steht die Erkenntnis, dass dr├Ąngendes Fernweh den Blick f├╝r die Qualit├Ąten, die in unmittelbarer N├Ąhe liegen, verstellen kann.

Baikonur
Deutschland, Russland, Kasachstan 2010
Regie: Veit Helmer
Drehbuch: Veit Helmer und Sergej Ashkenazy
DarstellerInnen: Alexander Asochakov, Marie de Villepin, Sitora Farmonova
L├Ąnge: 94 Minuten
Verleih: X Verleih
Start in deutschen Kinos: 01.09.2011

Mehr zum Film: www.baikonur.x-verleih.de


Kultur > Kino Beitrag vom 01.09.2011 AVIVA-Redaktion 

   




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