SOS for Human Rights von Susanne Lipp – Vom 25.11. bis zum 4.12. 2010 im Grips Theater
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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2016 - Beitrag vom 25.11.2010

SOS for Human Rights von Susanne Lipp – Vom 25.11. bis zum 4.12. 2010 im Grips Theater
Claire Horst

Schon mit dem Stück "Hier geblieben" aus dem Jahr 2005 bewies das Grips Theater sein Engagement für die Menschenrechte jugendlicher Flüchtlinge. Und auch bei dem neuen Stück haben die...



... MacherInnen mit Flüchtlingen und verschiedenen Organisationen zusammengearbeitet.

Zweieinhalb Jahre hat die Recherche zu dem Stück gedauert, das die Wege von Flüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten in die Festung Europa thematisiert.

Die drei jungen SchauspielerInnen Dalila Abdallah, Veronica Naujoks und Adil el Bouamraoui sind Naisha, Jamila und Kerim. Sie treffen sich auf einer fiktiven "Notplattform" im Mittelmeer, gestrandet kurz vor dem Ertrinken auf ihrem Weg ins gelobte Land Europa. Während sie sich gegenseitig ihre Fluchtgeschichten erzählen, spielen diese sich parallel dazu auf der Bühne ab.

Dem Grips-Theater, einer der sympathischsten Bühnen der Stadt, gelingt das immer noch am besten: mit einfachen Mitteln eine vielschichtige Erzählung auferstehen zu lassen. Eine Mütze, eine Brille oder eine Reisetasche reichen den drei DarstellerInnen, um die Rollen zu wechseln. Aus dem afghanischen Flüchtling Kerim wird so ein korrupter Grenzbeamter, Schlepper oder ein Baby – dass die drei ErzählerInnen immer wieder aus der Rolle fallen, um sich gegenseitig Regieanweisungen zu geben, macht das Ganze noch spannender.

Was erzählen die drei aber? Es ist die alltägliche Geschichte der Menschen, die auf dem Weg in ein sicheres Land umkommen, die ihre Heimat verlassen, weil sie auf eine bessere Zukunft hoffen und am Ende in der Badewanne der EuropäerInnen ersaufen oder ertränkt werden. Die sich den Weg mit sexuellen Dienstleistungen, Bestechungen und Sklavenarbeit erkaufen müssen. Es ist auch die Geschichte der Menschen, die keine andere Heimat als Deutschland haben, wegen ihrer "falschen" Staatsangehörigkeit aber irgendwann abgeschoben werden.

© Jürgen Scheer

Welche Torturen sie auf sich nehmen, um am Wohlstand der Welt teilzuhaben, erzählen Jamila, Kerim und Naisha stellvertretend für die vielen Tausenden, deren Geschichten niemand hört. Laut Fortress Europe starben seit 1988 mindestens 14.714 MigrantInnen entlang der europäischen Grenzen, 6.344 Leichen sind im Mittelmeer verschollen. Frontex, die europäische Grenzschutzbehörde, verfügte nach eigenen Angaben im Jahr 2010 über ein Budget von 87,9 Millionen Euro. Auch davon erzählt das Stück: "Und das alles mit dem Wissen, dem Geld und dem Auftrag aus Ländern der Europäischen Union! – Und wir bezahlen das mit. Weil das Geld aus den Steuern kommt."

Wenn dem Stück etwas vorgeworfen kann, dann einzig die Konzentration auf die miese Situation in den Herkunftsländern der Flüchtlinge. "Mein eigenes Land/hat mir nicht viel zu geben/nur den täglichen/Kampf ums Überleben… Ich habe gehört,/dort sind alle satt,/dass jeder Arbeit, Geld/und ein Auto hat."

Es ist sicher richtig und notwendig, mit dem Gerechtigkeitsempfinden der ZuschauerInnen zu arbeiten. Dass nach der Premiere zwei Frauen weinend in der Toilette sitzen ("Wir leben im Überfluss, und da sterben jeden Tag Menschen") ist eine erwünschte Auswirkung des Stückes. Und doch greift die rein emotionale Betroffenheit etwas zu kurz. Denn für die unmoralischen Schlepper, die ungeteerten Straßen und die miesen Lebensbedingungen in den Herkunftsländern sind diese ja wirklich nicht allein verantwortlich. Ganz kurz scheinen die globalen Zusammenhänge auf, als Kerim von seiner Arbeit auf eine Gemüseplantage in Italien erzählt: "Das meiste Obst und Gemüse, das ihr feinen Europäer esst, wächst nicht unter freiem Himmel, sondern unter Plastikplanen. Riesige Felder mit schmutzig-weißer Decke, soweit das Auge reicht. Und wer glaubst du, arbeitet da? Alles Leute ohne Papiere. Außer den Vorarbeitern natürlich, das sind Italiener."

Dass "SOS for Human Rights" trotz langer Erzählpassagen, trotz erklärender Elemente zu Frontex inklusive Europakarte und Zeigestock, an keiner Stelle zum langweiligen Pädagogenstück verkommt, liegt zum einen am Einsatz der Musik – besonders die beiden Frauen überzeugen auch als Rapperin und Sängerin -, zum anderen an der emotionalen Spielweise. Sicher trägt auch die Einbindung des Stückes in die gleichnamige Kampagne dazu bei – vor und im Stück wird dazu aufgerufen, sich am Kampf für die Menschenrechte zu beteiligen.

Eine Woche wird das Stück noch in Berlin zu sehen sein, bevor die Truppe auf Deutschlandtournee geht. Die ersten Aufführungen an Schulen hat sie schon vor der Premiere hinter sich gebracht: Im Rahmen des Theaterherbstes improvisieren Klassen zu den Szenen und üben die Lieder ein. Schauspielerin Dalila Abdallah zeigt sich von den Leistungen der SchülerInnen beeindruckt: "Oft dachte ich, die sind viel besser als wir", sagt sie, und dass viele der Jugendlichen schockiert seien von der Thematik, von der sie vorher oft gar nichts wussten. "Viele wollen sich jetzt engagieren."

Zu wünschen ist eine solche Reaktion möglichst vieler ZuschauerInnen nicht nur dem Grips Theater, sondern vor allem der Kampagne "SOS für die Menschenrechte von Flüchtlingen" und den betroffenen Flüchtlingen. Die Kampagne, ein Bündnis aus Jugendlichen ohne Grenzen, Grips Theater Berlin, Pro Asyl, Borderline Europe, Flüchtlingsrat Berlin, Flüchtlingsrat Brandenburg, GEW und WeGe, fordert: "Fluchtwege freihalten! Den unerklärten Krieg gegen die Flüchtlinge beenden! Kinder- und Menschenrechte umsetzen!"

AVIVA-Tipp: "SOS for Human Rights" ist nicht nur für Jugendliche ab 12 Jahren geeignet. Für diese und ihre LehrerInnen hat das Theater umfangreiche Zusatzmaterialien erstellt. Doch auch jeder Erwachsene, der sich schon einmal schockiert über die Menschenrechtssituation in China geäußert hat oder Kritik an angeblichen Flüchtlingsströmen übt, sollte hierher geschleppt werden. Und vielleicht hat er dann sogar Spaß an dem Theaterstück.

SOS for Human Rights
mobiles Theaterstück von Susanne Lipp für Menschen ab 12
2 D / 1 H
Eine Uraufführung vom GRIPS Theater Berlin
Text: Susanne Lipp
Regie: Philipp Harpain
Dramaturgie: Ute Volknant
Beratung durch:
Jugendliche ohne Grenzen (JOG), Borderline Europe, Flüchtlingsräte Berlin und Brandenburg, PRO ASYL, WeGe ins Leben sowie Beratungs- und Betreuungszentrum Berlin

Veranstaltungsort
GRIPS MITTE (im Podewil)
Klosterstraße 68
10179 Berlin

Termine in Berlin:

25.11. um 18:00 Uhr
26.11. um 11:00 & 19:30 Uhr
02. 12. um 18:00 Uhr
03.12. um 11:00 & 19:30 Uhr
04.12. um 19:30 Uhr

Kartenpreise:
Normal 13,- Euro
Ermäßigt 9,- Euro
Theater der Schule-Schein 5,- Euro

Karten bestellen:
Reservierung für Abendsvorstellungen an der Kasse: 030 39 74 74 - 77
Reservierung für Vormittagsvorstellungen im Büro: 030 39 74 74 - 0


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