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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.02.2007

Antje Wagner - Ein Zimmer im Briefumschlag
Silvy Pommerenke

Als Stadtschreiberin von Erfurt setzte sich Antje Wagner von Anfang April bis Ende Juli letzten Jahres mit den Impressionen der thüringischen Landeshauptstadt auseinander. Ob ihre Liebesbriefe...



...das Produkt "eines literarischen Arbeitstagebuches" waren, oder ob sie in der Einsamkeit der Stadtschreiberwohnung ein Gegenüber vermisste, und es sich durch das Verfassen dieser epistulas erschuf, ist eine unbeantwortete Frage. Zumindest erschienen die Ergebnisse in einer Reihe von Kolumnen der "Thüringer Allgemeinen" Samstagsausgaben.

Wagner, deren Droge die Sprache ist, begibt sich mit dem Briefeschreiben aus Erfurt gleichsam auf einen Trip in die Phantasie. Beflügelt von ihren Worten verschlingt man das kleine Büchlein. Es sind Wagners Sätze voller Weisheit ("Eine Brücke [...] erhält ihren Sinn erst mit den Punkten, die sie verbindet."), die man sich lange auf der Zunge zergehen lässt, so dass die Lektüre noch eine kleine Ewigkeit widerhallt.

Die Briefe werden an einen Namenlosen geschrieben, dessen (oder deren?) Identität bis zum Ende nicht offenbart wird. Ob es der Bruder ("Nr. 78") oder die Geliebte ist ("Weil nicht nur das sichtbare real ist") - ob es sich überhaupt um eine real existierende oder um eine fiktive Person handelt - bleibt offen. (Bezeichnend ist hierbei auch eine der Lieblingslektüren Wagners: "Die Wand" von Marlen Haushofer, bei der es ebenfalls um Schein & Sein und die Isolation des Einzelnen in der Welt geht.) Womöglich ist der Adressat (die Adressatin?) aber auch das Alter Ego der Autorin. Selbstgespräche in der Erfurter Abgeschiedenheit? Darauf könnte auch der Titelumschlag hindeuten, der ein und dieselbe Person gespiegelt darstellt. Das Tagwesen mit enthusiastisch gezücktem Stift, und das Nachtwesen mit Zigarette, Weinglas und desolater Frisur. Wen spricht sie an, wenn sie über das "Katzenbuckelpflaster" Erfurts zieht, auf dem sie mit ihren Pumps nicht gehen kann. Wenn sie im Park schwarzgekleidete Jugendliche streift, die "mit zerfetzten Flügeln" dort ihren Tag verbringen, oder wenn sie die Stadt als "Andenken, mitten in der Bewegung erstarrt" betrachtet. Das Geheimnis wird nicht gelüftet...

Zur Autorin: 1974 in Wittenberg geboren, hat Antje Wagner zwar keine Thesen an die Kirchentür genagelt, aber auch sie sucht den Weg des öffentlichen Publizierens. Seit Ende des Studiums der deutschen und amerikanischen Literatur- und Kulturwissenschaften lebt sie als freischaffende Autorin in Potsdam. Ihr Oeuvre umfasst mittlerweile einige Romane ("Lüge mich"), Erzählungen ("Die Gärten bist du") und eine Art Hörbuch ("Mottenlicht - Eine musikalisch-literarische Gratwanderung"). Man wird in Zukunft hoffentlich noch viele ihrer leisen und dennoch eindringlichen Töne vernehmen.

AVIVA-Tipp: Antje Wagner ist eine genaue Beobachterin der alltäglichen Begebenheiten. Das Lesen ihrer Briefe ist gleichsam ein Abtauchen in eine Zeit, wo die Kunst des schriftlichen Ausdrucks sich nicht auf e-mails und SMS beschränkte. Und wer die Antworten auf die Liebesbriefe vermisst, kann ja selbst zum Stift greifen und die Repliken zu Papier bringen.

Antje Wagner
Ein Zimmer im Briefumschlag. Liebesbriefe aus Erfurt.

Verlag Thüringer Allgemeine, erschienen Herbst 2006
ISBN: 3981081234
6,90 Euro
Softcover - 80 Seiten

Zu beziehen bei der Thüringer Allgemeine.

Literatur Beitrag vom 07.02.2007 Silvy Pommerenke 

   




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