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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 30.04.2007

Gisela Elsner - Heilig Blut
Silvy Pommerenke

Die "Humoristin des Monströsen" lässt ein letztes Mal postum von sich hören. Der Roman "Heilig Blut" ist insofern eine Rarität, da er bislang nur in russischer Sprache veröffentlicht wurde.



Anfang der achtziger Jahre erklärte sich kein deutscher Verlag bereit, dieses vermeintlich zu sehr links orientierte Werk zu publizieren.
Dem Verbrecher Verlag ist es nun gelungen, das deutschsprachige Manuskript dieses verschollen geglaubten Buches zu erstehen und zum ersten Mal in deutscher Sprache aufzulegen. Es ist mitnichten eine Rückübersetzung aus dem Russischen - wie die Autorin befürchtete -, sondern man verwendete das Originalmanuskript. Der Moskauer Raduga-Verlag hatte 1987 den Roman in einer Anthologie veröffentlicht, so dass nur wenige - vor allem im deutschsprachigen Raum - in den Genuss einer der letzten literarischen Arbeiten Elsners kamen. Die Übersetzung vom Deutschen ins Russische nahm damals die Germanistin Nina S. Litwinez vor, die in einem Aufsatz in "Kunst und Literatur" diesen Roman als "eines der eindrucksvollsten antifaschistischen Werke" bezeichnete. Neben "Heilig Blut" hat der Verbrecher Verlag bereits "Die Zähmung" (2002) und "Das Berührungsverbot" (2006) der fast vergessenen Autorin in sein Programm aufgenommen.

Der grobe Plot des Romans sieht folgendermaßen aus: drei Altnazis, Männer in den Sechzigern, brechen zu ihrem alljährlichen Jagdausflug auf. Stellvertretend für seinen erkrankten Vater fährt der etwa vierzigjährige Sohn, der "junge Gösch", mit den ewig Gestrigen in den Bayerischen Wald, weil sie ihn, so fürchtet er, zur Räson bringen sollen. Wenn es denn nur das wäre. Stattdessen mündet das Geschehen in Mord- und Totschlag...

"Heilig Blut" steckt wie in allen Werken Elsners voller Ikonographien und Allegorien, die sich zum einen auf den Katholizismus, zum anderen auf den Nationalsozialismus beziehen. Sei es, dass ein zwölfköpfiges Wolfsrudel sein Unwesen treibt, Lüßls "Webfehler" der des "Vierteljuden" ist, oder der Romantitel "Heilig Blut" lautet, dessen Anspielung sich sowohl auf die katholische "Heilig-Blut-Bewegung" bezieht, als auch auf die "Blut-und-Boden" Ideologie des Dritten Reichs. Alles ist bei Elsner konstruiert, nichts wird dem Zufall überlassen, und in jedem Satz steckt bitterböse Ironie. Wie auch in den vorherigen Romanen greift sie erneut die gleichen Motive auf: depressive Protagonisten, die sich übermäßigem Alkoholkonsum hingeben, um sich anschließend zu übergeben. Kleinbürgerlicher Mief in Form von ausgetragenen Animositäten, Missgünstigkeit oder Sexismus. Bei allem steht aber immer ihre wunderbare Art zu schreiben im Vordergrund: Ihre hypotaktischen Spreizsätze sind ein wahres Lesevergnügen, auch wenn viele der KritikerInnen ihr genau dieses sprachliche Mittel anlasteten.

Zur Autorin: Gisela Elsner stellte 1962 Auszüge von "Die Riesenzwerge" in der Gruppe 47 vor, erhielt 1964 dafür den "Prix Formentor" und war seitdem ständiges Enfant terrible auf der deutschen Literaturbühne. Trotzdem sie Erzählungen, Romane und Aufsätze veröffentlichte, sie dafür auch eine außergewöhnliche Resonanz in der Öffentlichkeit erhielt, so wurde jedoch immer kontrovers über sie berichtet. Gegen Ende ihres Schaffens und Lebens (1992 beging sie Suizid) war sie zu einer Verbannten der Literatur geworden.

Gisela Elsner hätte am 2. Mai 2007 ihren siebzigsten Geburtstag gefeiert.

Weiterlesen: Gisela Elsner "Fliegeralarm" und "Wespen im Schnee. 99 Briefe und ein Tagebuch" von Gisela Elsner und Klaus Roehler.

AVIVA-Tipp: Für jeden Elsner-Fan ist "Heilig Blut" ein absolutes Muss! Ihre altbewährte Stärke, das kleinbürgerliche Spießertum in einem mikroskopischen Vexierspiegel abzubilden, die faschistischen Tendenzen in der BRD zu beleuchten oder den Kapitalismus zu hinterfragen, hat sie auch in diesem Roman zum Amusement der LeserIn aufs Grandioseste eingeschrieben.

Der Verbrecher Verlag im Netz: www.verbrecherei.de

Gisela Elsner
Heilig Blut

Verlag: Verbrecher Verlag, April 2007
ISBN: 3935843828
14,00 Euro
Broschiert, 250 Seiten

Literatur Beitrag vom 30.04.2007 Silvy Pommerenke 

   




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