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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 06.12.2007

Stefanie Zweig. Das Haus in der Rothschildallee
Sharon Adler

Deutscher als die Deutschen. Ein Roman über das Leben der jüdisch-assimilierten Frankfurter Familie Sternberg von 1900 bis zum Ende des 1. Weltkriegs erzählt von Anpassung, Desillusionierung und...



...Hoffnung, dem Lebensstil des jüdischen Bildungsbürgertums und dem Pragmatismus des Überlebens in einer scheinbar sicheren Zeit.

Der Tuchhändler Johann Isidor Sternberg hat es durch seiner eigenen Hände Arbeit geschafft, es zu etwas gebracht, wie er immer wieder gern betont. So weit, dass der Umzug vom Sandweg im Ostend in die feinere Gegend gelingt, genauer, in das eigene vierstöckige Haus in der Rothschildallee 9. Dort bestimmt die praktische und traditionell jüdisch erzogene Hausherrin Betsy auch, wo die Familie wohnen soll: "Im ersten Stock kriegt man weder den Staub noch den Lärm der Pferdehufe und auch nicht die Bettler ab. Und außerdem rennt das Personal nicht jeden Moment auf die Straße, um zu tratschen."

Die anderen Wohnungen werden vermietet, und auch damit kann man sich Zeit lassen, denn, so der umsichtige Geschäftsmann: "Mieter kann man ja nicht auswechseln wie den Rock oder die Hose. Nur wer vorher genau Maß nimmt, trifft ins Schwarze, meine Liebe"

Zu diesem Zeitpunkt ist Betsy zum zweiten Mal schwanger, und wenige Jahre später sind die Sternbergs bereits zu sechst. Das Leben der Familie, den Alltag mit seinen kleinen Anekdoten, Ängsten und Sorgen, die Reisen, die Details der Menuefolge und der Kleiderordnung ist das große Thema des Romans bis zu diesem Zeitpunkt. Alles scheint gut, man hat sich arrangiert.

Als die Familie sich 1914 zur Kur in Baden-Baden aufhält, wird in Sarajevo der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand ermordet. Die Familie reist überstürzt zurück nach Frankfurt. Am 1. August ist Deutschland im Krieg. Alle glauben, dass er Weihnachten schon siegreich beendet sein wird. Als Kaiser Wilhelm II. auf dem Balkon seine Berliner Stadtschlosses verkündet: "Ich kenne keine Parteien und auch keine Konfessionen mehr, wir sind heute alle deutsche Brüder und nur noch deutsche Brüder", hat der Bismarckverehrer Johann Isidor Sternberg Tränen in den Augen. "Das ist der Tag auf den wir immer gewartet haben. Endlich ruft das Vaterland seine jüdischen Söhne. Nur noch Deutsche, hat er gesagt. Deutsche Brüder."

Der älteste Sohn, Otto Wilhelm Samuel Sternberg, meldet sich freiwillig. Und fällt. Am 9. November 1914 erhalten die Eltern die Todesnachricht, ein Datum, das auch in der späteren deutschen Geschichte von Bedeutung sein wird. Der Tod Ottos stellt eine Zäsur dar im Leben der Sternbergs. Der Vater besinnt sich auf seine jüdischen Wurzeln, zumal die Todesanzeige in der "Frankfurter Zeitung" ohne Rücksprache mit der Familie mit einem Kreuz versehen wird, was den Anschein erweckt, als sei die Familie zum Christentum konvertiert. Seitdem geht Johann Isidor jeden Freitagabend in die Synagoge, der Posaunenengel wird gegen den achtarmigen Silberleuchter ausgetauscht und die Kinder werden nicht mehr zum Singen von Weihnachtsliedern ermutigt. Zu einer Zeit, als sich die Juden blondes Haar und blaue Augen wünschten und Heinrich Heine mit seinem Ausspruch zitierten, "die Taufe sei das Entreebillet zur europäischen Kultur", wurde nur wenigen bewusst, was er mit seiner Erkenntnis gemeint haben könnte: "Jetzt bin ich als Jude und als Christ verhasst."

Auf den Tag genau zwei Jahre, nachdem sein Sohn gefallen war, am 9. November 1916, sollte auch der vaterlandsliebende Johann Isidor Sternberg, der ein guter Deutscher sein wollte, schmerzhaft erfahren, dass ihn dieses Vaterland nie als gleichwertig betrachten würde. Die statistisch angeordnete Erhebung des Kriegsministers "zum Anteil der Juden unter den deutschen Soldaten" und der aufkommende Antisemitismus, der in den Juden den Sündenbock suchte, brach ihm sein deutsches Herz.

Zur Autorin: Stefanie Zweig wurde 1932 in Leobschütz (Oberschlesien) geboren. Im Jahr 1938 zwang die Verfolgung der Nationalsozialisten die jüdische Familie zur Flucht. Sie emigrierte nach Kenia. Dort wurde der Vater, ein Jurist, ein schlecht bezahlter Angestellter auf einer Farm im Hochland. Seine Tochter hat Kenia nie vergessen können und sie ist, wann immer sie konnte, in das Land ihrer Liebe zurückgekehrt. Im Jahre 1947 ging die Familie nach Deutschland zurück. Stefanie Zweig hat dreißig Jahre lang das Feuilleton einer Frankfurter Tageszeitung geleitet. Für ihre Jugendbücher erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Stefanie Zweigs Romane standen wochenlang auf den Bestsellerlisten, erreichten eine Gesamtauflage von über 7 Millionen Exemplaren und wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt. "Nirgendwo in Afrika" wurde von der preisgekrönten Regisseurin Caroline Link fürs Kino verfilmt. Der Film gewann 2002 sowohl den Bayerischen als auch den Deutschen Filmpreis, und bekam 2003 den "Oscar" für den besten ausländischen Film verliehen.


AVIVA-Tipp: Stefanie Zweig, die Meisterin der Fortsetzungsromane, hat sich mit den Geschichten um ihre eigene Familie einen Namen gemacht. Obwohl die Autorin zeitweise selbst in der Rothschildallee gelebt hat, haben die Sternbergs wohl keinen autobiographischen Hintergrund. Der genaue Blick auf den Verlust der Illusion von Assimilation und Emanzipation und auf die Details, die das Leben dieser deutsch-jüdischen Familie ausmachten, kann nicht über das abrupte Ende des Romans hinwegtrösten.

Stefanie Zweig
Das Haus in der Rothschildallee

LangenMüller Verlag, erschienen September 2007
1. Auflage 2007, gebunden, 280 Seiten
ISBN: 978-3-7844-3103-1
19,90 Euro D / 20,50 Euro A / 34,90 CHF

Literatur Beitrag vom 06.12.2007 Sharon Adler 

   




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