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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.12.2007

Marlene Zinken, Der unverstellte Blick
Anna Tremper

Töchter erinnern sich an das Leben ihrer Mütter. Sie erzählen von den Strapazen, die ihre Mütter und teilweise auch sie selbst in den Jahren des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit durchlebten



Eine der erzählenden Töchter ist die ehemalige Bundestagsabgeordnete Uta Würfel. Sie erzählt die Geschichte ihrer Mutter, Lotte Weber, die 1944 hochschwanger aus ihrer Heimat Ostpreußen fliehen muss. Auf Drängen ihres Mannes hin sucht sie mit ihren Kindern Zuflucht in Bayern. Lebensmittel sind auch dort Mangelware und so verzichtet sie für ihre Kinder auf Nahrung, wie es in dieser Zeit sicherlich viele Mütter taten. Die Mitbegründerin des "Haus der FrauenGeschichte" Monika Hinterberger berichtet von ihrer Mutter Marta Meßer, die die Unmenschlichkeit mitbekam, die den Juden nach 1933 mit aller Gewalt entgegenschlug. Wir erfahren von der Hilflosigkeit, mit der sie diesen Taten zunächst gegenüber stand und davon, wie sie sich entschloss im "Kleinen" etwas zu tun und flüchtenden Juden zu helfen. Doch es werden auch Fragen von Monika Hinterberger an ihre Mutter bzw. an ihre Eltern laut. Sie fragt nach möglichen Versäumnissen im Widerstand gegen die Nationalsozialisten.

Ingrid Willing berichtet von dem Grauen, das ihrer Mutter Hanna Geber und ihrer gesamten Familie während der Judenverfolgung widerfahren ist. Hanna überlebt zwar, doch viele Mitglieder ihrer Familie wurden von den Nazis ermordet.

So finden sich unterschiedlichste Geschichten in diesem Buch, die die Vergangenheit aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Neben einem Einblick in die Kriegs- und Nachkriegszeit erhalten die LeserInnen durch die Rahmenerzählungen hier ganz nebenbei auch noch Informationen darüber, wie das alltägliche Leben von Frauen noch vor sechzig Jahren ausgesehen haben mag.

Zur Herausgeberin: Marlene Zinken lässt in ihrem Buch Töchter sprechen. Töchter von Frauen, die den zweiten Weltkrieg durchleben mussten. 27 Autorinnen schreiben über das Leben ihrer Mütter in den Jahren 1938 bis 1958. "Eine Zeit vielfach geprägt von Krieg, Gewalt, Verlust, Verfolgung und Vertreibung." In sieben Kapiteln berichten sie, was ihre Mütter ihnen aus dieser prägenden Zeit überliefert haben und was sie mitunter selbst noch erinnern können. Aber nicht nur von den Müttern ist die Rede.

"Der unverstellte Blick" ist sorgfältig durchkomponiert. Die sieben Kapitel werden jeweils durch ein Gedicht eingeleitet, das thematisch zum folgenden Kapitel hinführt.
Durch die wenigen Vorgaben, die den Autorinnen zu ihren Erzählungen gemacht wurden, ist eine Sammlung von vielgestaltigen und sehr persönlichen Geschichten entstanden. Die Herausgeberin hat, nach eigenen Angaben, keine bewusste Vorauswahl hinsichtlich der Geschichten getroffen. Einige Autorinnen holen sehr weit aus und beginnen mit ihren Erzählungen in den zwanziger Jahren, andere wiederum beschränken sich auf die Kriegsjahre. Ergänzt werden die intimen Erzählungen durch zahlreiche Zeitdokumente. Diese Briefe, Fotos und Faksimiles historischer Dokumente illustrieren eine Zeit, die den Frauen viel Kraft, Mut und Zähigkeit abverlangte. Häufig finden sich auch Gedichte der Autorinnen, die einen noch tieferen Einblick in die Beziehung zwischen Mutter und Tochter erlauben.

AVIVA-Fazit: Marlene Zinken widmet sich mit ihrem Buch dem weiblichen Blick auf Geschichte. Ein Blick, der in ihren Augen ein unverstellter ist. Schade nur, dass der weibliche Blick hier einmal mehr ein verschwommener, stark von Emotionalität geprägter Blick sein muss. Wer einen intensiven Eindruck davon bekommen möchte, was es im Einzelnen für eine Frau bedeuten konnte, den Zweiten Weltkrieg und die beschwerliche Nachkriegszeit zu durchleben, der sei dieses Buch ans Herz gelegt. Allerdings sollte "Der unverstellte Blick" in dem Bewusstsein gelesen werden, dass es sich um eine zweifache Rekonstruktion von vergangenen Ereignissen handelt. Wobei die Rekonstruktion der Ereignisse durch die Töchter ein sehr verklärtes Bild der Mütter und somit der geschilderten Geschehnisse zur Folge hat.

Der unverstellte Blick.
Unsere Mütter (aus)gezeichnet durch die Zeit 1938 bis 1958.

Von Marlene Zinken
Barbara Budrich Verlag, erschienen November 2007
229 Seiten / Hardcover
ISBN 978-3-86649-136-6
19,90 Euro

Literatur Beitrag vom 07.12.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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