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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 14.01.2008

Jüdisches im Grünen. Ausflugsziele im Berliner Umland
Sharon Adler

Judith Kessler und Lara Dämmig haben mit Unterstützung der Stiftung Zurückgeben einen spannenden und übersichtlichen Reiseführer zu vergessenen oder verborgenen deutsch-jüdischen Stätten herausgegeben



Stätten des jüdischen Lebens jenseits der Großstadt

(Gute) Reiseführer über das jüdische Berlin gibt es einige, und die sichtbaren Spuren jüdischen Lebens in der Hauptstadt locken jährlich unzählige von TouristInnen an. Doch wer von ihnen hat schon das verlorene jüdische Leben außerhalb des Scheunenviertels in Berlin-Mitte aufgespürt?

Judith Kessler und Lara Dämmig haben diesem unwiederbringlich zerstörten jüdischen Leben nachgespürt und seine Spuren sichtbar gemacht.
In der unmittelbaren Nachbarschaft Berlins - von Bad Freienwalde über Caputh und Luckenwalde bis Zehdenick - gibt es viele Orte, in denen seit dem 13. Jahrhundert - mal geduldet, mal verfolgt - bis zur Shoah, Juden lebten und wirkten: Wissenschaftler, Handwerker, SportlerInnen, KünstlerInnen, Unternehmer, PädagogInnen und Gelehrte prägten hier die deutsch-jüdische Geschichte entscheidend mit. Und doch ist heute kaum noch etwas von dem Schicksal derer bekannt, die bis zur Flucht in die Emigration oder den sicheren Tod durch Deportation für immer gegangen sind.

Juden in Brandenburg

Die Autorinnen verdeutlichen einführend durch einen kompakten geschichtlichen Abriss vom 13. Jahrhundert bis heute, wie jüdisches Leben durch Ausweisungen, Entrechtungen und "Judenordnungen" der ständigen Willkür der jeweiligen Machthaber ausgesetzt war. Zeitweise war ein halbwegs gleichberechtigtes Nebeneinander von Juden und Christen möglich, und es wird auch aufgezeigt, wie sich ein jüdisches Leben, allen Verfolgungen zum Trotz, dennoch stetig weiter entwickelte. Dies wird auch versinnbildlicht durch die jüdische Architektur und die Symbolik auf jüdischen Grabsteinen, denen die Autorinnen jeweils einen Exkurs widmen.

Stumme Zeitzeugen - halbverfallen oder restauriert

Ob die Hirsch´sche Messingwerksiedlung in Eberswalde, Einsteins Sommeridyll oder das Jüdische Kinder- und Landschulheim in Caputh, der idyllischen Friedhof von Müncheberg, die einstige Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz, die frühere Synagoge in Groß-Neuendorf, Erich Mendelsohns berühmte Luckenwalder Hutfabrik, das heute ungenutzte Bootshaus des Ruderklubs "Undine" oder der mittelalterliche Judenfriedhof in Perleberg: auch heute noch sind Spuren jüdischen Lebens hier sichtbar.
Dabei verschweigen Judith Kessler und Lara Dämmig nicht, dass jüdische Symbole und Stätten zu Zeiten der DDR zum großen Teil verfielen und nur durch das Engagement einiger Weniger überhaupt noch erhalten sind, und dass Neonazis heute die Orte immer wieder zum Ziel ihres Hasses machen.

Zu den Autorinnen:

Judith Kessler
, Sozialwissenschaftlerin und Journalistin, Berlin. Redakteurin der Gemeindezeitung "jüdisches berlin", Mitwirkende bei Bet Debora Berlin, Verfasserin einer Studie zu Lebenswirklichkeiten und demografischen und psychosozialen Aspekten mit und über 4000 russisch-jüdische Zuwanderer in Berlin, 1996.

Lara Dämmig, geboren 1964, studierte Bibliothekswissenschaft und gab eine bibliothekarische Fachzeitschrift heraus. Schon zu DDR-Zeiten war sie engagiertes Mitglied der Jüdischen Gemeinde Ostberlins. Nach der politischen Wende trug sie wesentlich zum Aufbau einer Rosch-Chodesch-Gruppe und eines egalitären Minjans bei. Sie arbeitet am Lauder Jüdisches Lehrhaus, forscht über jüdisches Frauenleben in Berlin. Gemeinsam mit Rabbinerin Elisa Klapheck hat Lara Dämmig die jüdische Fraueninitiative "Bet Debora" gegründet und im Verlag Hentrich und Hentrich ebenfalls gemeinsam mit Elisa Klapheck Bertha Pappenheim: "Gebete" herausgegeben. Weitere Veröffentlichungen u.a.: "Bertha Falkenberg - Eine Spurensuche" (in: "Leben mit der Erinnerung", Berlin 1996).

AVIVA-Tipp: "Jüdisches im Grünen" macht traurig, wenn man an diejenigen denkt, die (hier) nicht mehr leben. "Jüdisches im Grünen" lädt aber auch dazu ein, die einstigen Orte jüdischen Lebens und Wirkens zu erkunden, die mit der S- oder Regionalbahn, mit dem Fahrrad, Motorrad oder dem Auto gut zu erreichen sind. Besonders praktisch und hilfreich ist dabei die jeweils gut verständliche Information zur Anfahrt. Einziges Manko des Buches ist die Bindung, denn die Seiten fallen bereits beim Lesen auf dem Schreitisch auseinander. Den Autorinnen ist mit "Jüdisches im Grünen" ein verborgenes Juwel gelungen, das es zu entdecken gilt.

Weiterlesen:

"Ich besaß einen Garten in Schöneiche bei Berlin", von Jani Pietsch

Jüdische Friedhöfe in Berlin, von Johanna von Koppenfels

Judith Kessler/Lara Dämmig
Jüdisches im Grünen
Ausflugsziele im Berliner Umland

mit einem Vorwort von Hermann Simon, Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum
Hentrich & Hentrich, Teetz & Berlin, erschienen Dezember 2007
160 Seiten, 230 Abbildungen, 19,80 Euro
ISBN 978-3-938485-61-3

Literatur Beitrag vom 14.01.2008 Sharon Adler 

   




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