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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 25.01.2008

Nava Semel, Die Braut meines Bruders
Yvonne de Andrés

Heirat als Mittel für eine schnelle Einwanderung. Die jüdischen Siedlungen brauchen Arbeitskräfte und so können viele Frauen ins Land geholt werden. Eine ungewöhnliche Geschichte.



"Die Braut meines Bruders" erzählt die Geschichte vom 12-jährigen verträumten Jungen Usik Nichtsnutz, seinem toughen großen Bruder Imri und der aus Polen stammenden Anna. Das Buch spielt 1935 in einem kleinen Dorf in Palästina. Nava Semel erzählt eine zu Teilen für uns unbekannte Geschichte. Viele Juden versuchen Deutschland und Europa zu verlassen. Palästina ist für sie ein möglicher Fluchtort. Dieser steht unter britischem Protektorat und für Juden besteht eine scharf kontrollierte Einwanderungsbeschränkung.

Imri, der engagierte Zionist, erhält den geheimen Auftrag nach Polen zu fahren und für das Heimatland zu heiraten. Die Mitschülerin Zionka erklärt es Usik so: "Der Grund, weshalb unsere prächtigen jungen Männer bereit sind, in Europa fremde jüdische Mädchen zu heiraten, ist, dass die Frauen mit der gesetzlichen Eheschließung in den Pass des Mannes eingetragen werden und somit das Zertifikat umgehen, ohne welches man nicht ins Land kommt." Nur so kann diese Beschränkung der Briten unterlaufen werden. Die jüdischen Siedlungen brauchen EinwanderInnen und Anna ist die erste, die so in ihr Dorf kommt. Sie wird anfänglich misstrauisch beäugt, denn sie ist ja keine richtige Braut sondern nur eine auf dem Papier. Imri soll nach der Scheidung den "nationalen Auftrag" noch viermal wiederholen. Anna bleibt bei Usik und seiner Tante Mirjam im Haus. Usik und sein Hund, Jonny Weismüller, begegnen währenddessen dem britischen Major Charles, Timothy Parker und seinem arabischen Freund Mohammed Daudi. Es werden die unterschiedlichsten Standpunkte und Perspektiven dargestellt, leicht ironisch entsteht ein Dialog und Austausch miteinander. Anna "die Braut auf dem Papier" und Usik freunden sich in einer sehr zarten und leisen Form an. Die Gespräche zwischen den beiden, bei der Arbeit mit den Bienen, gehören zu den schönsten Passagen des Buches. Durch die Briefe von Anna und ihrer Familie in Polen erfahren wir über die Auswirkungen des Holocaust in Europa.
Auch der politische Hintergrund in Palästina wird nicht ausgeklammert. Mohammed verlässt aufgrund von Konflikten am Ende sein Dorf. Mohammed gibt Usik noch folgende Worte mit: "Hüte dich vor Hass, Asa´ar, Hass ist ein schlimmeres Gift als das von Bienen. Es tötet langsam. Eines Tages, ich weiß nicht, wann, wird man hier verstehen, dass man keine Wahl hat, dass man die Zähne zusammenbeißen muss, nachgeben und gemeinsam leben."

Zur Autorin: Nava Semel wurde 1954 in Tel Aviv geboren. Sie ist die Tochter einer Auschwitz-Überlebenden und eines Widerstandskämpfers. Nach dem Studium der Kunstgeschichte arbeitete sie für das Museum of Jewish Diaspora in Tel Aviv. Sie veröffentlichte Gedichte, Theaterstücke, Drehbücher und mehrere Romane. Am bekanntesten in Deutschland ist ihr Roman Gerschona, (in der Neuauflage "Trauer, Hoffnung und Radieschen"), der in den USA mit dem National Jewish Book Award ausgezeichnet wurde und "Flugstunden". Der (Erwachsenen-)Erzählband "Gläserne Facetten" ist vergriffen. Nava Semel erhielt mehrere internationale Literaturpreise. "Das Kind hinter den Augen" wurde 1995 in Österreich Hörspiel des Jahres. Die Braut meines Bruders war nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2004. Nava Semel ist Mitglied im Direktorium der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.
Lesen Sie auch unsere Rezension zu Nava Semel - "Und die Ratte lacht".

AVIVA-Tipp: Ein wunderbares Buch über Liebe, Freundschaft und Toleranz, ein Plädoyer für Verständigung und darüber, dass Fremdheit nicht Feindschaft bedeuten muss. Nava Semel beschreibt meisterhaft, wie Juden, Araber und Briten verfeindet miteinander leben und offenbart ihre Hoffnung auf Verständigung. Die Sprache changiert, je nach den Perspektiven der ProtagonistInnen. Mal ist sie z. B. warmherzig, verträumt aber auch ironisch, wenn Usik erzählt. Holzig ist die Stakkato-Stimme, die uns Imris Perspektive näher bringt. Nava Semel schafft eine hohe Plastizität der Dialoge, frau merkt ihr die erfahrene Drehbuch- und Theaterstückeschreiberin an. Die Übersetzung von Mirjam Pressler macht den Roman zu einem großen Lesevergnügen. Sehr lesenswert.

Nava Semel
Die Braut meines Bruders

Beltz Verlag, Gulliver Taschenbücher, erschienen November 2005
Übersetzt von Mirjam Pressler
Empfohlen ab 13 Jahre
Kartoniert, 342 Seiten
ISBN: 9783407789532
8,90 Euro

Literatur Beitrag vom 25.01.2008 Yvonne de Andrés 

   




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