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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 29.01.2008

Peter Schleuning, Fanny Hensel, geborene Mendelssohn
Yvonne de Andrés

Die eigenständige Musikerin der Romantik tritt erst spät aus dem Schatten ihres jüngeren Bruders Felix heraus. Die persönliche und musikalische Entwicklung beleuchtet der Autor detailliert.



Fanny Hensel, geb. Mendelssohn (1805-1847) war das älteste Kind von Abraham und Lea Mendelssohn Bartholdy und die Enkelin von Moses Mendelssohn. Die begabte Künstlerin und bedeutendste Komponistin des 19. Jahrhunderts stand im Schatten der männlichen Zeitgenossen und speziell ihres Bruders Felix. Trotz eines innigen Verhältnisses zwischen den Geschwistern bestärkte er Fanny nicht in der Entwicklung ihrer eigenständigen Rolle als Künstlerin.
Die musikalisch außergewöhnlich begabten Geschwister Fanny und Felix wurden gemeinsam von den besten Lehrern unterrichtet. Fanny wurde schon sehr früh von ihrem Vater auf die Rolle der Ehefrau und Mutter verwiesen. So schreibt Abraham Mendelssohn in einem Brief 1820 an seine fünfzehnjährige Tochter: "Die Musik wird für ihn [=Felix] vielleicht Beruf, während sie für Dich stets nur Zierde, niemals Grundbass Deines Seins und Tuns werden kann und soll." Fanny komponierte und musizierte für die Halböffentlichkeit der Salons und der "Sonntagsmusiken", die im Hause Mendelssohn mit Musikern der Hofkapelle stattfanden. Eine Karriere als Musikerin war mit der Rolle als Frau damals nicht vereinbar. Einen eigenen Konzertauftritt erhielt sie daher nicht. 1827 und 1830 komponierte sie fünf Lieder und ein Duett mit Klavierbegleitung, welches sie unter dem Namen Felix Mendelssohns in dessen Liederhefte op. 8 und op. 9 einbringt, um es zu veröffentlichen.
Neben den Ausführungen zur Musik geht die Biographie auch auf die weit verzweigte Geschichte von drei Generationen der Familie Mendelssohn ein. Ausgiebig behandelt der Autor den erneut aufkommenden Antisemitismus. Zum einen in den Berliner Salons, in denen akribisch festgestellt wurde, wer Jude war und wer nicht. Ab 1811 nahm mit der Bildung der "Christlich-deutsche Tischgesellschaft" der Antisemitismus zu. Dieser Männerbund vertrat deutlich fremdenfeindliche Äußerungen gegen Franzosen, Juden und Frauen. In Hinblick auf ihr "Weltbürgertum" gab man den Juden die Schuld an der Niederlage gegen die Franzosen. Die Mitglieder waren keine "Stammtischbrüder" sondern wichtige Intellektuelle ihrer Zeit wie z.B.: Johann Gottlieb Fichte, Achim von Arnim, Carl von Clausewitz, Friedrich Heinrich de la Motte Fouqué u.a.. Ein "Arierparagraph" regelte die Aufnahme in die Gesellschaft.

Am 21. März 1816 wurden die vier Kinder von Abraham und Lea protestantisch-reformiert getauft. Die Eltern ließen sich fünf Jahre später taufen. Fanny erhielt den zusätzlichen Vornamen Caecilia und den Namenszusatz Bartholdy. Der Autor geht auf die komplizierten Namensbildungen "Mendelssohn-Batholdy", "Mendelssohn-Hensel", "Hensel-Mendelssohn" oder gar "Mendelssohn-Batholdy-Hensel" ein und deutet sie als Zeichen ihrer jüdischen Geschichte.

Im Oktober 1829 heiratete Fanny den Maler Wilhelm Hensel. Dies bedeutete für sie eine Erweiterung ihrer Freiräume. Sie konnte sich damit aus den Abhängigkeiten von Vater und Bruder lösen. Als besonderes Zeichen der Akkulturation wertet der Autor, dass alle vier Geschwister Mendelssohn-Batholdy keine Ehen mit jüdischen PartnerInnen eingingen. Anhand von Tagebucheintragungen und Briefen zeichnet Schleuning Fannys Kindheit, die Hochzeit, die gemeinsame Italienreise bis zu ihrem frühen Tod mit 42 Jahren nach. Auf der Italienreise 1839/40 lernte sie verschiedene Musiker kennen, die ihre Werke schätzten und ihre Kreativität förderten. Ihre Werke unter eigenem Namen herauszugeben, beschloss sie erst in den letzten Jahren ihres Lebens. Ein Schlaganfall beendet ihre Herausgeberschaft. In den Textpasssagen kristallisiert sich heraus, dass selbst ihr Bruder Felix ihre musikalischen Ambitionen nicht unterstützte, sondern ihr neue Selbstzweifel einimpfte. Als einer ihrer bedeutendsten Klavierwerke gilt der biographisch geprägte Zyklus "Das Jahr" (1841).

Zum Autor: Peter Schleuning Jahrgang 1941, Studium der Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Soziologie. Promotion 1970. Seit 1993 ist er Professor für Musik an der Universität Oldenburg. Letzte Veröffentlichungen: 2003 Johann Sebastian Bach, Die Brandenburgischen Konzerte und 2000 Der Bürger erhebt sich.Weitere Informationen unter: www.uni-oldenburg.de

AVIVA-Tipp: Peter Schleunings Buch gliedert sich übersichtlich in zwei Teile. Im ersten Bereich geht er auf Leben und Werk der Komponistin ein und bettet dies in die familiären und politischen Hintergründe. Es gelingt ihm ein lebhaftes Bild der Persönlichkeit der Komponistin zu zeichnen. Tagebucheinträge und Briefe vermitteln lebendige Zeugnisse des Austauschs und Gespräche der Komponistin und Musikerin. Der zweite Teil beinhaltet eine Werkanalyse zu Fanny Hensel, für die eine musikalische Vorbildung hilfreich ist.
Dieses Buch ist der sechste Band der Reihe "Europäische Komponistinnen", herausgegeben von Annette Kreutziger-Herr und Melanie Unseld. Eine spannende Biographie über eine der wichtigsten Komponistinnen des 19. Jahrhunderts und ein Zeitdokument jüdisch-christlicher Akkulturation. Lesenswert.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Nach Süden". Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Komponistin - Dirigentin - Schwester - Ein Briefwechsel und 11 Lieder.

Nachkommen von Moses Mendelssohn zu Gast in Berlin

Peter Schleuning
Fanny Hensel geb. Mendelssohn

Musikerin der Romantik.
"Europäische Komponistinnen".
20 Abbildungen auf 16 Taf.
Böhlau-Verlag erschienen Oktober 2007
Gebunden, 349 Seiten
ISBN: 9783412048068
24,90 Euro

Literatur Beitrag vom 29.01.2008 Yvonne de Andrés 

   




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