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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 13.03.2008

Alice Sebold - Das Gesicht des Mondes
Silvy Pommerenke

Hass und Liebe sind nur Millimeter voneinander entfernt. Helen Knightly erfährt dies am eigenen Leib, als sie im Affekt ihre demenzkranke achtundachtzigjährige Mutter umbringt.



Die Sprache der 44-jährigen Autorin ist sachlich und nüchtern, dabei schmerzhaft direkt und die Leserin hat nie das Gefühl, dass die Protagonistin etwas unmoralisches tut. Auch wenn man jeden Gedankengang der Ich-Erzählerin mitverfolgt, sie in jeder ihrer Handlung verstehen kann, so wird durch diese rationale Erzählweise - die Helen Knightly dennoch immer wieder irrationale Dinge tun lässt - eine deutliche Distanz zur Leserin aufgebaut. Aber nicht nur zur Leserin, denn die Romanfigur selbst schafft es nicht, in emotionale Beziehungen zu anderen Menschen zu treten. Zwar war sie verheiratet, hat zwei Kinder und eine beste Freundin, aber zu allen hält sie eine fast unerträgliche Distanz.

Wie kann ein Mensch so werden und vor allem: wieso hat sie ihre Mutter umgebracht? Der Mord geschieht schon auf den ersten Seiten, Alice Sebold klärt auf den folgenden dreihundert die Leserin darüber auf, wie es soweit kommen konnte. Seite um Seite, mittels Rückblenden, kommt man dieser Figur näher und kann ihr Verhalten nachvollziehen. Die Frage der Moral stellt sich dabei nie. Im Gegenteil: Der Roman zeigt, wie tückisch und zerstörerisch menschliche Beziehungen sein können. Dass man sich mit jedem Tag, den man miteinander verbringt, unsichtbare Ketten und Fesseln anlegt, die im Laufe der Jahre zu einem Käfig werden können. Helen Knightly ist aus diesem Käfig ausgebrochen, indem sie ihre Mutter getötet hat. Und die Leserin hat am Ende das ungute Gefühl, dass auch dieser Roman eine Menge autobiographischen Stoff in sich trägt...

Die Biographie der Autorin liest sich fast ebenso fesselnd wie ein Psychothriller: Nicht nur, dass sie als Kind einer Alkoholikerin geboren wurde, sondern sie wurde zudem als Achtzehnjährige brutal zusammengeschlagen und vergewaltigt. Einige Monate später konnte sie den Täter auf dem Uni-Campus identifizieren und dessen Verhaftung veranlassen. Nachdem sie sich nach der Vergewaltigung einigermaßen gefangen hatte, wurde ihre Zimmergenossin ebenfalls vergewaltigt – auf dem Bett von Alice Sebold. Das brachte für sie endgültig den Absturz mit sich und sie flüchtete sich ins Heroin. Einziger Halt schien noch ihre Dozentinnenstelle an der Uni zu sein, aber auch die kündigte sie bald und zog sich in die Einsamkeit einer KünstlerInnenkolonie zurück.
Offensichtlich gestärkt, ging sie erneut an die Uni, lernte dort ihren jetzigen Mann kennen und schrieb das autobiographische Buch "Glück gehabt", in dem sie ihre Vergewaltigung sprachlich verarbeitet hat. Ein Jahr später griff die Autorin das Thema erneut im Roman "In meinem Himmel" auf, wo eine Vierzehnjährige vergewaltigt und umgebracht wird. Für diesen Roman erhielt Sebold - für sie völlig unerwartet - den Bram Stoker Award. Das Buch verkaufte sich über zwei Millionen mal und wurde in 25 Sprachen übersetzt.

Zur Autorin: Alice Sebold, am 6. September 1963 in Madison, Wisconsin, geboren, war für die New York Times sowie die Chicagoer Tribune tätig. Nach ihrem Sachbuch "Glück gehabt", war "In meinem Himmel" ihr zweites Werk und zugleich ihr Debüt als Romanautorin. Der Roman wurde international gefeiert und stand über Wochen auf Platz 1 sämtlicher amerikanischer Bestsellerlisten. Die Erfolgsgeschichte von "In meinem Himmel" sorgte weltweit für Aufsehen und machte die Autorin über Nacht berühmt. Alice Sebold lebt mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Glen David Gold, in Kalifornien. (Quelle: Verlagsinformationen)

Alice Sebold im Netz: www.alicesebold.com

Weiterlesen: Jodi Picoult "Bis ans Ende aller Tage" und Amanda Eyre Ward "Die Träumenden"

AVIVA-Tipp: "Das Gesicht des Mondes" ist ein unglaublich fesselndes Buch! Von der ersten Seite an ist es packend wie ein Psychothriller geschrieben, obwohl es ein psychologischer Roman ist, den die Bestsellerautorin hier erneut verfasst hat. Durch ihre distanzierende und nüchterne Schreibweise kommt aber niemals Betroffenheit oder Anklage beim Lesen auf, vielmehr Berührung und Verständnis. Alice Sebold ist eine großartige Erzählerin!

Alice Sebold
Das Gesicht des Mondes

Manhattan Verlag, Februar 2008
Gebundene Ausgabe, 318 Seiten
ISBN: 3442545560
19,95 Euro

Literatur Beitrag vom 13.03.2008 Silvy Pommerenke 

   




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