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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 01.03.2012

Gabríela Friðriksdóttir - Crepusculum
Annika Hüttmann

Die Isländerin konfrontiert ihr Publikum mit dem Verborgenen und Unbewussten und beweist, dass sie zu Recht zu den bedeutendsten jungen KünstlerInnen ihres Landes gezählt wird.



Von September 2011 bis Januar 2012 zeigte die Frankfurter Kunsthalle Schirn eine Einzelausstellung der isländischen Künstlerin Gabríela Friðriksdóttir, die diese speziell für diesen Anlass konzipiert hatte. Unter dem Titel "Crepusculum", dem lateinischen Wort für "Abenddämmerung", erschuf Friðriksdóttir einen multimedialen Mikrokosmos, in den unter anderem altnordische Mythologie, das Unterbewusste, Kultur, Natur und das Gegenwärtige und Vergangene einfließen, sich jedoch jeder gängigen Bedeutungszuschreibung verwehren, da sie in der Erfahrungswelt der Künstlerin miteinander verschmelzen und somit nur diese abbilden.

Friðriksdóttir arbeitet mit einem völlig eigenen Zeichen-, Formen- und Bedeutungskanon, in dem sich für die BetrachterInnen nichts ihrer alltäglichen, gewohnten Welt wieder finden lässt. Sie erzählt keine Geschichten, sondern erforscht die Natur, verborgene Bewusstseinsregionen und das menschliche Sein, woraus Werke entstehen, deren anziehender und verstörender Wirkung mensch sich kaum entziehen kann. In einem ihrer Videos zeigt sie in einer Wüstenlandschaft Menschen und Gegenstände. Es fällt schwer, eine logische Verbindung zwischen diesen Dingen herzustellen oder zu verstehen, warum sie sich in der Wüste befinden. Das Ganze gleicht vielmehr einem Traum und vermittelt das Gefühl, Ausdruck von etwas anderem zu sein, von etwas, das tief im Inneren des Menschen vorhanden ist. Beim Betrachten des Videos spürt mensch es fast in sich selbst, wie es versucht, an die Oberfläche zu dringen.

Einen zentralen Platz in "Crepusculum" nehmen mittelalterliche isländische Handschriften ein. Acht Originale dieser historischen Dokumente nordeuropäischer Mythologie und Geschichte vereinigen sich mit Friðriksdóttirs komplexer Welt.

Die Ausstellung bestand aus Videofilmen, Installationen, Skulpturen, Fotografien, Zeichnungen und Malereien - eine Vielfalt an Medien, die der Katalog zur Ausstellung nicht exakt wiedergeben kann. Dadurch, dass ausgewählte Szenen der Videos abgebildet sind, ergeben sie jedoch als Fotoserie einen Eindruck davon, was den BesucherInnen der Schirn Kunsthalle geboten wurde. In gedruckter Form bleibt das Faszinierende an "Crepusculum" erhalten, BetrachterInnen geraten auch hier in den Sog der anderen Wirklichkeit der Künstlerin. Mit Ausnahme der Malereien dominieren in den Werken Schwarz- und Naturtöne. Die Motive und Materialien, aus denen "Crepusculum" entsteht, sind vielseitig: Menschen - zum Teil vermummt, mit Teig oder Blut beschmiert, in einer Wüstenlandschaft angesiedelt oder eine Metamorphose durchlaufend, Wesen, die nicht menschlich wirken, Naturaufnahmen, Zeichnungen von Geschlechtsteilen und fast niedlichen Figuren, Mehl, Ekel, Feuer, Schlangen, Bandagen, schwarzer Auswurf, Jute, Haar, Schleim.

Die Abbildungen des Katalogs werden von umfangreichen Texten eingerahmt, die den Lesenden eine Annäherung an das "Friðriksdóttir-Universum" ermöglichen. Ein Interpretationsversuch ihres Werkes, Exkurse zum Wanderkino, zu Tarot und magischen Praktiken auf Island, Träumen und den Handschriften zeigen nicht nur einen möglichen Weg, sich im Kosmos der Künstlerin zu bewegen, sondern erzählen gleichzeitig viel Interessantes über die Geschichte isländischer Mythologie.

AVIVA-Tipp: Der Mikrokosmos, den die Künstlerin mit "Crepusculum" entstehen lässt, ist intensiv und packend, verwirrend und faszinierend. Was es genau ist, das beim Eintauchen in ihre Welt passiert, ist schwer in Worte zu fassen, aber eins lässt sich sagen: Gabríela Friðriksdóttir ist großartig.

Zur Künstlerin: Gabríela Friðriksdóttir, 1971 in Reykjavík geboren, studierte an der RYMI School of Art in Reykjavík sowie an der Akademie der bildenden Künste in Prag, bevor sie 1997 an der Icelandic Academy of Art mit einem Bachelor of Arts in Skulptur abschloss. International bekannt wurde sie durch die Teilnahme an der 51. Biennale di Venezia 2005, wo sie als jüngste Teilnehmerin ihr Land repräsentierte und den isländischen Pavillon mit ihrer Multimedia-Installation "Versations/Tetralogia" bespielte.

(Quelle: Schirn Magazin)

Gabríela Friðriksdóttir
Crepusculum

Kehrer Verlag, erschienen 2011
Klappbroschur, 308 Seiten
ISBN 978-3-86828-260-3
40,00,- Euro

Weitere Infos unter: www.schirn-magazin.de

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Klanggewordene Sagen



Literatur Beitrag vom 01.03.2012 Annika Hüttmann 

   




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