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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 02.08.2007

Erkennen von Sprachproblemen bei Kindern
Marietta Harder

Claudia Schäfer geht in ihrem Ratgeber "Hilfe, mein Kind spricht nicht richtig" Ausdrucksschwierigkeiten auf den Grund und gibt Eltern Hilfestellungen beim Umgang mit Stotterern, Brummern, Piepsern



Lala, Opa oder heiß - die ersten Silben eines Babys sind für jedes Elternteil Grund zur Freude und wecken Stolz. Doch was, wenn aus dem Gelalle keine richtigen Worte entstehen und das Kind auch in den kommenden Jahren zu falscher Aussprache neigt? Und woran erkennen Eltern, ob ihr Kleinkind tatsächlich Hilfe bei der Sprachentwicklung braucht oder ob es nur Anfangsschwierigkeiten hat?

Der im Juni 2007 erschienene Ratgeber von Claudia Schäfer "Hilfe, mein Kind spricht nicht richtig" befasst sich mit diesen Fragen und bietet Hilfe für Eltern, deren Kinder Probleme beim Spracherwerb haben. Und dazu gehören rund ein Drittel aller Eingeschulten! An dieser Zahl wird deutlich, dass Probleme beim Sprechen nicht selten sind und viel früher erkannt werden müssen. Denn hat sich der Fehler erst einmal festgesetzt, ist er schwierig zu beheben und kann für das Kind auch im Jugend- und Erwachsenenalter eine enorme Hürde darstellen: Wer sich nicht ausdrücken kann, wird gehänselt, entwickelt kein Selbstvertrauen und mutiert zur AußenseiterIn.

Die Erziehungswissenschaftlerin richtet sich mit ihrem Buch an Eltern von Kindergarten- und Grundschulkindern, da in den ersten sechs Lebensjahren die Aussprache geprägt und die Sprachfähigkeit entwickelt wird. Lernt das Kind also noch vor dem Schuleintritt, sich richtig auszudrücken, wird es auch in Zukunft keine großen Schwierigkeiten beim Sprechen haben. Aus diesem Grund sieht es die Autorin als besonders wichtig, sich rechtzeitig zu informieren und keine Scheu zu haben, ExpertInnen (LogopädInnen) aufzusuchen, falls Störungen beim Kind erkennbar sind. Andererseits legt sie großen Wert darauf, sich in die Kinder hineinzuversetzen und Verständnis für deren Lernprozess (alle 90 Minuten lernt ein Kind ein neues Wort) aufzubringen, anstatt sie durch Erwartungsdruck zu überfordern.

Zunächst stellt Claudia Schäfer die "normale" Sprachentwicklung bei Kindern dar und erläutert in einer übersichtlichen Tabelle, zu welchen Problemen es während der ersten sechs Jahre kommen kann. So haben LeserInnen nicht nur die Möglichkeit, die Entwicklung ihres eigenen Kindes besser einzuschätzen, sondern erkennen eindeutig, ob eine Störung vorliegt, die behandelt werden muss.
In diesen ersten beiden Kapiteln arbeitet die Autorin auch mit zahlreichen Beispielen und verdeutlicht so praxisnah fehlerhafte Ausbildungen beim Spracherwerb. Der Ausdruck "Dummidiefel" für "Gummistiefel" bedeutet bei einem vierjährigen Kind beispielsweise keine Störung, sondern wird als normal eingestuft, während dieses Wort aus dem Mund eines älteren Kindes problematisch ist.

Zu Beginn bietet die Autorin außerdem eine Übersicht der häufigsten Störungen beim Sprechen (Stottern, Näseln, Piepsen) und erläutert in diesem Zusammenhang wissenschaftliche Fachbegriffe wie Dyslalie. Dadurch erfahren Eltern, wo die Schwachstellen ihres Kindes liegen und was sie dagegen tun können. Spricht "ein Kind mit zwei Jahren nicht mehr als zehn sinnvolle Wörter", liegt eine Sprachbehinderung vor und "polternde Kinder machen zwischen den einzelnen Wörtern kaum Pausen", machen "aus einem ‚Band' ein ‚Bad'". An diesen im Buch zahlreich zu findenden Beispielen können Mutter und Vater die Fähigkeiten ihres Sprösslings überprüfen und leicht zuordnen.

Des weiteren zeigt der Ratgeber zahlreiche Ursachen für Sprachschwierigkeiten auf und geht in diesem Zusammenhang auf kognitive Einschränkungen und zu viel Fernsehkonsum ein. So können schon zwei Stunden täglich vor dem Bildschirm zu einer Lese- und Rechtschreibschwäche bei Vorschulkindern führen oder ihre Sprachentwicklung negativ beeinträchtigen.

In ihrem letzten Teil wendet sich die ehemalige Lehrerin einer Montessori- Grundschule schließlich dem Themenkomplex der Übungen zu und bietet Spiele für zu Hause an, mit denen Eltern ihre Kinder fördern können, ohne Druck aufzubauen. Mundgymnastik und Gesangsübungen, die jede/r in seinen vier Wänden leicht nachahmen kann, erleichtern es den LeserInnen, gleich mit dem spielenden Lernen anzufangen. Auch hier ist eine Gliederung und somit deutliche Einordnung der Störung zu finden. Je nach Problem wird die passende Übung vorgestellt. Um die Feinmotorik zu fördern, sollten Kinder zum Beispiel "Knöpfe einstecken" oder "Reis umschütten" (ab 3 ½ Jahren). Für das Training der Aussprache eignen sich hingegen Zungenbrecher oder Rollenspiele.

Zu der Autorin:
Claudia Schäfer, geboren 1963, ist studierte Erziehungswissenschaftlerin und Inhaberin des Montessori-Diploms. Sie hält regelmäßig Seminare zu pädagogischen Themen und veröffentlichte bereits zwei Elternratgeber: "Montessori in der Pubertät" (2005) und "Montessori für zu Hause" (2002).

AVIVA-Tipp:
Ist es normal, dass mein zweieinhalbjähriges Kind "Nane" statt "Banane" sagt? Wird es die richtige Aussprache (noch) lernen? Für Eltern mit diesen und ähnlichen Fragen zur Sprachentwicklung ihres Kindes bietet der Ratgeber "Hilfe, mein Kind spricht nicht richtig" (2007) eine Reihe von hilfreichen Antworten und Übungsmöglichkeiten. Claudia Schäfer beschreibt verständlich und anschaulich die möglichen Sprachfehler bei Kindergarten- und Grundschulkindern und ermöglicht Eltern, mit dem Problem richtig umzugehen.

Weitere Informationen zum Thema:

www.elternimnetz.de/cms
Alltag Leben, Lernen, Sprachstörungen
www.stotter-infoseiten.de

Claudia Schäfer
Hilfe, mein Kind spricht nicht richtig
Sprachförderung in der Familie
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv), erschienen Juni 2007
ISBN: 978-3-423-34419-7
9,50 Euro
192 Seiten

Literatur Beitrag vom 02.08.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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