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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 28.08.2007

Irene Dische - Fromme Lügen
Annegret Oehme

In der Neuauflage ihres bereits 1989 erschienenen Buches schildert Irene Dische auf ernsthafte und amüsante Weise das Problem kleinerer und größerer Unwahrheiten und deren Folgen.



Fromme Lügen? Wird nicht schon im Alten Testament das Lügen verboten?

In sieben kurzweiligen Erzählungen klärt Irene Dische die LeserInnen auf, dass Lügen durchaus eine fromme Seite haben können.
Völlig wertungsfrei berichtet sie von den "Unwahrheiten" einiger Zeitgenossen und stellt dabei fest, dass aus kleinen "Beschönigungen" manchmal ganze Lebenslügen werden, die das Leben der einzelnen dominieren.

Die Titelgeschichte "Fromme Lügen" schildert eine Familie, die sich ihre eigene Geschichte zurechtgedeutet hat und die Wahrheit als eine Art Familiengeheimnis verschweigt. Die dritte Generation wird allerdings schon gar nicht mehr eingeweiht.
Das Familienoberhaupt ist der pensionierte erzkatholische Familienvater Carl Bauer, der seinen deutschanmutenden Akzent mit der Herkunft aus Cincinnati rechtfertigt und eine merkwürdige Aversion gegen die jüdische Religion besitzt.
Den jüngsten Spross der Sippe, Sally, veranlassen Ungereimtheiten und der Besuch einer jüdischen Tante, mit der man aber nicht über Religion sprechen darf, dazu, eigene Nachforschungen über die Herkunft ihrer Familie anzustellen.
Mit Hilfe einiger Bilder und eines Artikels im National Inquirer entwickelt sie bald ihre eigene Theorie: Großvater Carl Bauer ist in Wirklichkeit der untergetauchte nationalsozialistische Diktator Adolf Hitler, der in den vereinigten Staaten Zuflucht gesucht hat und dort heute eine Familie gegründet hat.
Anstatt ihre Familie mit diesen Anschuldigungen zu konfrontieren, sucht sie sich den neuen Freund ihrer Mutter als Komplizen. Dieser ist zunächst völlig verwirrt, nimmt aber bald seine eigenen Untersuchungen auf.
Der Wahrheit, nämlich dass der Großvater aus Deutschland floh, weil er auf Grund jüdischer Wurzeln im Nationalsozialismus um sein Leben fürchtete, kommt seine Enkeltochter nicht auf die Spur.

Mit der Schilderung dieses beklemmenden und absurden Szenarios gelingt es Irene Dische, die mangelnde Kommunikation innerhalb einer Familie anzuprangern, die im Laufe der Zeit zur Grundlage eines folgenreichen Konfliktes wird.

Nicht immer sind die Lügen in Irene Disches Kurzgeschichten so schwerwiegend oder verhängnisvoll.
"Nanny Jackies Passion" erzählt von einer Haushälterin mit der Vorliebe für edle Süßigkeiten, die ihre Anstellung bei einem alten Dichter in New York nur erträgt, weil er ihr uneingeschränkten Zugang zu Schweizer Schokolade bietet.
"Hintergedanken eines Überläufers" schildert eine Flucht aus der DDR, die einen verzweifelten Versuch darstellt, einer dominanten Mutter zu entkommen.

AVIVA-Tipp: Vordergründig bieten sich in diesem Buch originelle und verzwickte Geschichten als Unterhaltungslektüre. Irene Dische bedient sich zwar nie eines belehrenden Stils, führt aber doch durch die teilweise weitreichenden Auswirkungen den LeserInnen vor Augen, was Lügen anrichten können.

Zur Autorin: Die Deutsch-Amerikanische Schriftstellerin mit jüdisch-katholischem Hintergrund Irene Dische wurde 1952 als Tochter eines Biochemikers und einer Ärztin in New York geboren. Sie veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichtensammlungen und Romane, wie "Der Doktor braucht ein Heim" (1990), "Das zweite Leben des Domenico Scarlatti" (1995), den Kriminalroman "ein Job" (2000), die Gesichte ihrer Großmutter "Großmama packt aus" (2005) und "Lieben" (2006). Heute lebt die Autorin in Berlin und Rhinebeck.

Irene Dische
Fromme Lügen. Erzählungen
aus dem Amerikanischen von Otto Bayer und Monika Elwenspoek
Hoffmann und Campe Verlag, erschienen März 2007
304 Seiten, gebunden
ISBN: 3455400299
Preis: 17,95 Euro

Lesen Sie auch unsere Rezension zu "Großmama packt aus" und "Lieben"

Literatur Beitrag vom 28.08.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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