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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 19.09.2007

Moa Martinson – Frauen und Apfelbäume
Annegret Oehme

Moa Martinson zählt in Schweden zu den bedeutendsten SchriftstellerInnen. Mit einer neuen und verbesserten Übersetzung will der Atrium Verlag sie nun auch in Deutschland publik machen.



Moa Martinson hat in Schweden den Rang einer Nationaldichterin – in Deutschland taucht ihr Name höchstens in einem Seminar über schwedische AutorInnen auf.
Der Atrium Verlag will nun Moa Martinson auch in Deutschland wieder einem breiteren Publikum zugänglich machen und veröffentlichte deshalb ihren Debutroman von 1933 "Frauen und Apfelbäume" in einer neuen, zeitgemäßeren Übersetzung.

Sofi und Frederika verbindet eine gemeinsame Leidenschaft: jeden Freitag Abend treffen sich die Freundinnen, um gemeinsam ins Badehaus zu gehen, sich zu waschen und anschließend noch bei Kaffee und Keksen einen Plausch zu halten. Gegen alle Vorurteile und Verleumdungen im Dorf halten sie es so, bis Sofi eines Tages tot aufgefunden wird. An ihrem Grab steht auch die uneheliche Tochter, die sie vor der Hochzeit weggeben musste. Deren Enkeltochter, Sally, kennt die Großmutter kaum, erfährt aber dennoch ihre Geschichte.

Sally und Ellen verbringen ihre Kindheit in den Arbeitervierteln von Norrköpping ohne einander kennen zu lernen. Ellen hat früh ihre Mutter verloren und lebt bei einer Tante, in deren Spelunke sie aushilft. Auch Sallys Leben ist schon in jungen Jahren von Entbehrung gezeichnet. Ihr Vater verlor durch häufiges Streiken die Arbeit und zieht nun mit seiner Familie von Ort zu Ort.
Als Erwachsene lernen sich die beiden Frauen in einem Dorf kennen, das Ellen als Teil der Gemeinschaft integriert, Sally aber als gottlose Hure betrachtet. Ellen setzt sich über die Vorurteile hinweg und beschließt Sally persönlich einen Besuch abzustatten und sich selbst ein Bild zu machen. Zwischen den beiden entspinnt sich eine tiefe Frauenfreundschaft, die noch vieles durchstehen muss.

Über den Frauen der ihr folgenden Generationen scheint Sofi als "Urmutter" zu wachen, die alles Leid und Glück ihrer Nachkommen sieht. Dadurch wird "Frauen und Apfelbäume" zu einer ungewöhnlichen, aber umso lesenwerteren, Familiensaga, die sich auf die starken Frauen verschiedenerer Alter konzentriert. Trotz der zum Teil überspitzten Geschlechterrollen, zeichnet Moa Martinson kein verklärtes Bild der Mutterschaft, wie man es zur gleichen Zeit in Deutschland tat, sondern beschreibt realistisch und gegebenenfalls blutig die schmerzhafte Geburt und die Körperlichkeit der Frau.

Zur Autorin: Die Schwedin Moa Martinson, geboren als Helga Maria Swartz, lebte und wirkte von 1890 bis 1964 in ihrem Heimatland.
In ihren Büchern geht es oft um den Alltag der ländlichen Bevölkerung Schwedens oder der Arbeiterschicht in den Großstädten, die ihr durch den sozialistischen Blickwinkel den Beinamen "weiblicher Maxim Gorki" einbrachten.
Als uneheliche Tochter einer jungen Magd war sie früh mit dem Elend der Arbeiterklasse in den Amenvierteln der Industriestadt Norrköpping vertraut.
1922 heiratete Moa Martinson einen Landarbeiter, mit dem sie fünf Söhne hatte, von denen sie den letzten ganz allein zur Welt brachte. Ähnlich ihrem Stiefvater war auch ihr Gatte dem Alkohol verfallen und vertrank seinen kläglichen Lohn. Da sie nur ein Kind taufen ließ und sich früh von der Kirche abwandte, war sie als radikale, gottlose und gefährliche Außenseiterin gebrandmarkt und lebte lange Jahre allein mit ihren Kindern in einer Waldhütte. Seit 1925 zwei ihrer Söhne im Eis einbrachen und ertranken, litt sie an schweren Depressionen. Drei Jahre später nahm sich ihr Mann mit Dynamit das Leben.
Obwohl sie nur eine geringe Schulbildung genossen hatte und schon früh selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen musste, fand sie im Schreiben ein Ventil. Viel Biografisches klingt in ihren Büchern an.
Bald boten ihre literarischen Werke auch eine Möglichkeit, der Armut zu entrinnen. Unter dem Pseudonym "Helga Johansson" wurde sie in einer anarchistischen Tagespresse journalistisch aktiv, wo sie auch in Kontakt mit dem politischen Geschehen kam. Das überzogene Verhalten von Polizei und Militär prägte sie entscheidend und sie begann sich für die Rechte der ArbeiterInnen zu engagieren. Viele ihrer Werke waren stark sozialkritisch und gegen gängige Vorstellungen gerichtet, die sie immer wieder hinterfragte und gegebenenfalls bloßstellte. Zur einer Zeit, da auf dem Lande die Kirche noch eine enorme Rolle spielte, wagte sie es deren Doppelmoral und Heuchelei aufzudecken.
1929 heiratetet sie den späteren Literaturnobelpreisträger Harry Martinson. Gemeinsam schrieben sie für sozial-demokratische Zeitungen und wirkten aktiv in der sozialistischen Bewegung mit. (Quelle: Verlagsinformation)

Die autobiografische Trilogie "Mutter heiratet", "kirchliche Trauung" und "Die Rosen des Königs" zählt zu Moa Martinsons erfolgreichsten Werken.
Obwohl sie in Schweden stets ein breites Lesepublikum hatte, wurde ihrem Werk literaturgeschichtlich erst seit der feministischen Literaturwissenschaften in den 80er Jahren wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Ihre Popularität führte dazu, dass man ihr Leben im Film "Moa" auf Leinwand bannte.

AVIVA-Tipp: Manche Details malt Moa Martinson farbenreich aus, anderes deutet sie nur an und überlässt alles weitere der Phantasie der LeserInnen.
Faszinierend ist auch das Mittel des Perspektivwechsels, das sie immer wieder einsetzt, um die Welt der ProtagonistInnen aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.
Versehen mit viel Lebensweisheit bietet "Frauen und Apfelbäume" nicht nur einen ungeschönten Blick auf den Alltag der armen Bevölkerung Schwedens Anfang des 20. Jahrhunderts, sondern auch in die Tiefen der menschlichen Seele.

Weiterlesen: Marianne Fredriksson "Hannas Töchter".

Moa Martinson
Frauen und Apfelbäume
Originaltitel: Kvinnor och äppelträd
Aus dem Schwedischen von Brigitta Kicherer
Atrium Verlag, erschienen September 2007
288 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-85535-500-6
19,90 Euro

Literatur Beitrag vom 19.09.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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