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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 25.09.2007

Katherine Mansfield. In einer deutschen Pension. Gelesen von Nina Hoss
Marietta Harder

Ein Kuraufenthalt im idyllischen Bayern, wie spannend... "Und ob!", scheint uns die Autorin zurufen zu wollen. Denn in ihren Erzählungen unterhält sie mit bissigen Pensionsgeschichten.



"Deutsche beim Fleisch" sind spießig, voller Vorurteile und machen jederzeit Schubladen auf, um Personen hineinzustecken, die sie kaum kennen. "Sie wissen nicht, welche Sorte Fleisch ihr Ehemann am liebsten mag?", fragt die Witwe empört und prophezeit keine lange, glückliche Beziehung. Denn die Pflichten einer Frau ihrem Liebsten gegenüber sind strikt einzuhalten und dazu gehört auch das Servieren seines Lieblingsessens. Für die wohlhabenden Kurgäste am Tisch steht dies außer Frage, nur eine stimmt nicht überein, die Ich-Erzählerin. Mit ihren Augen blicken die ZuhörerInnen in die Runde und nehmen an den Diskussionen über Leibgerichte und die politische Situation teil, erfahren von "Frau Fischer", die stets neugierig und besserwisserisch daherkommt und gehen auf Wanderung mit der "Fortschrittlichen Dame". Bei diesem Ausflug kommt es zu einer kaum fassbaren Auseinandersetzung über die Länge der bevorstehenden Strecke. "Es sind siebeneinhalb Kilometer!", korrigiert der deutsche Wandersmann einen alten Bartträger, der doch tatsächlich die falsche Meinung von 8 km Fußmarsch vertritt.

Schmunzelnd stellt sich beim Hören die Frage, ob vor rund 100 Jahren, als Autorin Katherine Mansfield die insgesamt fünf Kurzgeschichten verfasste, derartige Gespräche wirklich stattfanden. Ist das typisch deutsch? Widerfuhren der aus Neuseeland stammenden Schriftstellerin solch (spießige) Dialoge in einem bayerischen Städtchen?

Ja, zum Teil beruhen die Darstellungen auf wahren Ereignissen: Von der Mutter für ein halbes Jahr zur Kur nach Deutschland geschickt, erlebte Katherine Mansfield in dem verschlafenen Örtchen tatsächlich ähnliche Begegnungen und traf auf Charaktere, die sie zur Zeichnung ihrer Figuren inspirierten. Sie schildert das Erlebte aus einer Distanz, die es ihr ermöglicht, scharf zu beobachten und mit Ironie zu berichten, denn sie war zwar Kurmitglied, gehörte aber dennoch nicht dazu. Das Ergebnis sind bissige Portraits verschiedener Urlauber.

Schauspielerin Nina Hoss gelingt es als Lesende, zwischen den männlichen und weiblichen Figuren gekonnt zu wechseln, den ironischen Unterton darzustellen und die Erzählungen durch vielfältige Tonlagen interessant zu gestalten. Gern hört frau ihrer abwechslungsreichen Gestaltung und der Philosophie der Ich-Erzählerin zu.

AVIVA Tipp: Unterhaltsam und zum Schmunzeln anregend entführt Nina Hoss mit ihrer angenehmen Stimme die HörerInnen in das Bayern des frühen 20. Jahrhunderts und haucht den Figuren Leben ein, die "das Deutschtum" verkörpern. Genau das Richtige für eine Flucht vor grauen Herbsttagen. Wer allerdings viele Lacher oder spannende Geschichten erwartet, wird enttäuscht.

Zur Autorin: Katherine Mansfield wurde 1888 in dem weltabgeschiedenen neuseeländischen Städtchen Wellington geboren und verlebte ihre Kindheit in einer der angesehensten und reichsten Familien des Landes. Sie wurde jedoch finanziell auf Sparflamme gesetzt, nachdem sie unverheiratet schwanger wurde und noch während der Schwangerschaft einen anderen Mann ehelichte, den sie nach wenigen Tagen wieder verließ.
Als ihr der großbürgerliche Rahmen zu eng wurde, ging die junge, unangepasste Frau nach London, wo sie zu schreiben begann. Es entstanden ihre berühmtesten Kurzgeschichten wie "Das Gartenfest" oder "Das Puppenhaus".
Im Alter von 34 Jahren starb Katherine Mansfield 1923 an einer chronischen Lungenkrankheit in Fontainebleau.

Zur Sprecherin: Nina Hoss, geboren 1975 in Stuttgart, ist die Tochter von Schauspielerin, Regisseurin und Intendantin der Württembergischen Landesbühne (1993-1998) Heidemarie Rohweder und Willy Hoss (gest. 2003), Daimler-Betriebsratsvorsitzender, Mitgründer und Bundestagsabgeordneter (1983-1990) der Grünen und später Entwicklungshilfe-Projektmanager in Brasilien.
Nina Hoss wurde vom Produzenten und Regisseur Bernd Eichinger entdeckt und 1996 für die Hauptrolle in "Das Mädchen Rosemarie" (sie spielte eine Edelprostituierte) mit der "Goldenen Kamera" als beste Nachwuchs-Schauspielerin ausgezeichnet. Dennoch setzte Nina Hoss zunächst ihre Ausbildung an der Ernst-Busch-Schule in Berlin fort und spielte Theater. Mit dem preisgekrönten Drama "Toter Mann" kehrte sie im Jahre 2001 auf die Leinwand zurück und erhielt dafür den Adolf-Grimme-Preis und gehört seitdem zu den gefragtesten deutschen Schauspielerinnen. 2005 wurde sie ebenfalls mit dem Grimme-Preis in Gold für "Wolfsburg" ausgezeichnet und erhielt 2007 auf der Berlinale den Silbernen Bären für ihre Titelrolle in Christian Petzolds Spielfilm Yella.
Weitere Auszeichnungen: Gertrud-Eysoldt-Ring für die Darstellung der Medea am Deutschen Theater in Berlin (2007), Bayerischer Filmpreis für den Darstellerpreis in "Die weiße Massai" (2006). Nina Hoss wird in 2007 als "Anonyma" vor der Kamera von Regisseur Max Färberböck (Aimée & Jaguar) stehen. Der Film beruht auf dem viel beachteten Tagebuch einer namenlosen Frau.

Weiterlesen und -hören:
Dara Horn. Die kommende Welt. Gelesen von Nina Hoss.

"Geschichten zum Rotwerden" von Gaby Hauptmann, Keto von Waberer, Gabriele Wohmann. Gelesen von Nina Hoss.

Katherine Mansfield
In einer deutschen Pension. Nina Hoss liest ironische Geschichten.

SOLO Verlag für Hörbücher
1 CD, 74 Minuten
ISBN: ISBN 978-3-929079-41-8
14,90 Euro
www.solohoerbuch.de

Katherine Mansfield
In einer deutschen Pension

Originaltitel: In a German Pension
Aus dem Englischen von Ute Haffmans
Herausgegeben von Heiko Arntz, erschienen 2006
Haffmans Verlag bei Zweitausendeins
191 Seiten, fester Einband
ISBN: 3-86150-574-6
13,90 Euro

Literatur Beitrag vom 25.09.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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