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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 25.11.2007

Irène Némirovsky - Die Hunde und die Wölfe
Sharon Adler

Das Werk der jüdischen Autorin wird nun auch in Deutschland postum wiederentdeckt. Die Verfasserin von "Suite française", "Jesabel" oder "Der Ball" war Ende der zwanziger Jahre der Star...



...der Pariser Literaturszene, bis sie 1942 nach Auschwitz deportiert wurde und dort wenige Wochen später starb.

Den Kontrast von Arm und Reich, Aufstieg und Niedergang und den stets schmalen Grat zwischen Akzeptanz und Verrat, den Némirovsky selbst erfahren hat, machte sie auch zum großen Thema ihrer Erzählungen. Mit der Veröffentlichung ihres Romans "David Golder" 1929 wurde die 26-jährige über Nacht berühmt. Als jedoch die Deutschen in Frankreich einmarschierten, wendeten sich ihre Bewunderer von ihr, der Jüdin, ab. Ihr letztes Werk, "Suite française", war in Anlehnung an eine musikalische Suite als Abfolge von fünf Teilen angelegt. Irène Némirovsky konnte jedoch nur die beiden ersten Teile beenden, bevor sie deportiert wurde.

Die Hunde und die Wölfe

Ada, die Tochter des armen jüdischen Händlers Israel Sinner, hat einen Traum, der sie ein Leben lang begleitet, und den sie doch nie zu Ende träumen durfte.

Als das kleine Mädchen auf der Flucht bei den reichen Verwandten Schutz sucht und dort Harry begegnet, weiß sie, dass ihre Wege untrennbar miteinander verbunden sind, auch wenn Welten sie voneinander trennen.

Jahre später - die junge Ada ist inzwischen Malerin geworden und mit ihrer lieblosen Stiefmutter Rhaissa, der schönen Cousine Lilla und dem kleinkriminellen Cousin Ben von der Ukraine nach Paris emigriert - gestaltet sich das Leben nicht einfach in der Fremde, doch 1914 ist Russland nicht sicher für Juden.

Um der unerträglichen Tante Rhaissa zu entkommen, flüchtet sich Ada in eine Vernunftehe mit Ben, der schon seit Kindertagen in sie verliebt ist. Eines Tages hört Ada, dass auch Harry in der französischen Metropole lebt und mit einer vermögenden Christin verheiratet ist. Sie sucht den Kontakt und bleibt doch im Verborgenen, bis sich die beiden eines Tages treffen und Harry erkennen muss, dass er seinem Schicksal nicht entkommen kann.

Alles scheint gut zu werden, doch Ben ist berauscht von dem Gedanken, den privilegierten Harry Sinner ins Verderben zu stürzen. Ohne dessen Wissen hatte er diesen in kriminelle Geschäfte verwickelt, so dass der Zusammenbruch des gesamten Familienunternehmens Sinner kurz bevor steht. Nur noch die Unterstützung der französischen Familie seiner Frau könnte Harry retten. Die schwangere Ada wird dazu gezwungen, eine selbstlose Entscheidung zu treffen...

Zur Autorin: Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines wohlhabenden russisch-jüdischen Bankiers in Kiew geboren. Vor der Oktoberrevolution flieht die Familie nach Paris, wo Irène französische Literatur an der Sorbonne studiert. Sie heiratet den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekommt zwei Töchter und veröffentlicht ihren Roman "David Golder", der sie schlagartig berühmt macht. Weitere Veröffentlichungen folgen. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht und die Deutschen auf Paris zumarschieren, konvertiert sie und flieht mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhält sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitet sie an einem großen Roman über die Okkupation, bis sie am 13. Juli 1942 verhaftet wird. Verzweifelte Rettungsversuche ihres Mannes sind vergebens - Irène Némirovsky stirbt wenige Wochen später in Auschwitz an Typhus. Ihr Ehemann, Michel Epstein, wird später ebenfalls zusammen mit seinen zwei Brüdern und einer Schwester in Auschwitz ermordet. Ihre Töchter Denise und Elisabeth überleben durch die Hilfe einer Katholikin, fliehen bis zur Befreiung von einem Versteck ins andere, das dicke Manuskript, an dem ihre Mutter bis zur Verhaftung schrieb, haben sie immer im Koffer dabei.

Irènes ältere Tochter Elisabeth Gilles arbeitet später als Übersetzerin und Verlegerin. 1992 verfasst sie die fiktive Biografie ihrer Mutter "Erträumte Erinnerungen". Ihre Schwester Denise Epstein hat das Manuskript ihrer Mutter 1954 zum ersten Mal geöffnet – zu schmerzhaft war die Erinnerung und der Verlust. Außerdem glaubte sie bis dahin, dass es nur Stichworte und vorläufige Skizzen enthalten würde. 2005 begann Denise Epstein, das Manuskript, das ihre Mutter wegen Papier- und Tintenknappheit in winziger Schrift geschrieben hatte, mit der Lupe zu entziffern und abzuschreiben - die "Suite française" war wiederentdeckt und wurde zur literarischen Sensation. Mit "Jesabel", ein Buch über die Sucht nach Jugend und Schönheit, erschien 2006 Némirovskys zweiter Roman im Knaus-Verlag, im August 2007 "Die Hunde und die Wölfe", ebenfalls im Knaus-Verlag. Im November 2007 wird im Btb-Verlag "Der Ball" erscheinen. (Knaus-Verlag, Éditions Denoël)

AVIVA-Tipp: Irène Némirovskys erzählerisches Talent, die Reinheit und Eleganz ihrer Sprache, der klare Blick auf den jüdischen Alltag im Frankreich und Russland der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und die Tragik ihrer ProtagonistInnen sind zum Weinen schön. Auch 65 Jahre nach ihrem Tod in Auschwitz haben ihre Erzählungen nichts von ihrer Aktualität verloren.

Lesen Sie auch unsere Rezension zu "Suite francaise".


Irène Némirovsky
Die Hunde und die Wölfe

Originaltitel: Les chiens et les loups
Originalverlag: Éditions Albin Michel, Paris 1940
Knaus Verlag, erschienen August 2007
Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer
Gebundenes Buch, 256 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-8135-0283-1
Euro 17,95 [D] | Euro 18,50 [A] | SFr 31,90 (UVP)

Literatur Beitrag vom 25.11.2007 Sharon Adler 

   




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