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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 02.05.2008

Christiane Rösinger – Das schöne Leben
Anna-Lena Berscheid

In kurzen Episoden erzählt die Autorin aus ihrem Leben, von der Jugend auf dem Bauernhof und dem Umzug nach Westberlin, um dort die Band-Karriere anzustoßen. Amüsante Lebensweisheiten inklusive.



Vom Kartoffelacker in einem badischen Dorf zur Flittchenbar und eigenen Band in Berlin-Friedrichshain – diesen steilen Aufstieg hat Christiane Rösinger erlebt. Aufgewachsen in der Nähe von Karlsruhe folgte auch sie dem Ruf der Hauptstadt und landete, wie viele Wehrdienstflüchtlinge und junge StudentInnen in den achtziger Jahren, in Kreuzberg.

In ihrem autobiographischen Roman lässt Rösinger keine Peinlichkeit ihrer Jugend aus: Sie berichtet von ihrer überaus nervtötenden Interpretation des Liedes "Downtown" von Petula Clark auf dem Mohrrübenacker und von seltsamen Kuchentraditionen, die in ihrem Heimatdorf anlässlich sämtlicher Feiertage gepflegt wurden.

80er Jahre Musikgrößen aus dem fernen Berlin verirrten sich dennoch in die Provinzneste – so lernte Rösinger Bands wie Ton Steine Scherben und DAF kennen. In Berlin, so wusste man in Westdeutschland, gab es "underground, da lebte man". Im Badischen hingegen fühlte sich Rösinger wie Madame Bovary, die von den Salons in Paris träumte, der Alltag war ihr zu langweilig geworden. So fiel der Entschluss: Auf nach Berlin!

Ziel war es, eine eigene Band zu gründen. Kein einfaches Unterfangen im Jahre 1985, in dem es in Kreuzberg "leider viele Kiffer" gab, die so genannte Sessions abhielten, welche sich jedoch nicht als sonderlich fruchtbar erwiesen. Letztendlich fand Rösinger den Weg ins Fischbüro, eine Art Kulturverein – dort gründete sich ihre erste Band, die Lassie Singers und ihr Leben zwischen Band, Bar und Bett nahm seinen Lauf.

Das "schöne Leben" in Kreuzberg beschreibt Christiane Rösinger in vielen wunderbaren Anekdoten, denen man wahrlich anmerkt, wie groß die Liebe zum Stadtteil ist. Rösinger erzählt dabei keine chronologisch aufgebaute Geschichte, sondern schildert in kurzen Episoden sowohl das Leben in Westberlin als auch ihre Erlebnisse mit ihrer Band Britta und der Flittchenbar, die sie in den 90er Jahren mit anderen Frauen betrieb.

Der Ton ist dabei stets heiter, manchmal weht ein leichter Hauch von Wehmut mit, wenn es um längst vergangene Tage oder geschlossene Lieblingsclubs geht. Die Episoden sind zum Schreien komisch, sodass frau ständig versucht ist, die besten Zitate (und das sind viele) allen Anwesenden laut vorzutragen. Berliner Leserinnen kennen die Situationen, die die Autorin schildert: Zu Silvester weiß frau bis zuletzt nicht, wo sie eigentlich feiern soll. Berlin bietet einfach zu viele Möglichkeiten. Und zugezogen sind eigentlich alle Menschen, mit denen frau so zu tun hat. Die Lektüre des Buches gerät kurzweilig, und schneller als gedacht ist das Ende erreicht. "Das schöne Leben" gehört jedoch zu jenen tollen Büchern, die besser nie enden sollten. Dass sie es irgendwann doch tun, ist bedauerlich.

Zur Autorin: Christiane Rösinger, geboren in Rastatt und aufgewachsen im badischen Hügelsheim, ist Gründerin, Sängerin und Texterin der Berliner Band Lassie Singers und der Nachfolgeband Britta. In den 90er Jahren war sie eine der Betreiberinnen der legendären "Flittchenbar" am Berliner Ostbahnhof. Neben ihrer Arbeit als Musikerin schreibt sie Kolumnen und andere Beiträge für verschiedene Zeitungen und Magazine, darunter taz, Tagesspiegel, Berliner Zeitung und Frankfurter Allgemeine Zeitung. "Das schöne Leben" ist ihr erstes Buch.

AVIVA-Tipp:
"Das schöne Leben" ist ein Buch zum immer-wieder-Lesen. Es hält Ratschläge für Menschen parat, die möglichst wenig arbeiten, dafür aber sieben Tage die Woche ausgehen möchten. Christiane Rösinger bringt eine wunderbare Ironie auf´s Papier und verursacht so einige laute Lacher beim Lesen. Ihr Roman ist autobiographisch, beschreibt aber ebenso das Lebensgefühl einer ganzen Generation zugezogener Westdeutscher, die in den 80er Jahren Kreuzberg und später auch die anderen ´Szenebezirke´ bevölkerten. Nicht zuletzt ist das Buch als eine Huldigung an die Stadt und den Bezirk zu verstehen, der wie kaum ein anderer unterschiedlichsten Menschen die Möglichkeit bietet, sich kreativ zu entfalten. So erfüllt der Roman viele Zwecke, die sich letztendlich zu einem vereinen: Frau fühlt sich beim Lesen einfach nur wunderbar unterhalten.

Christiane Rösinger
Das schöne Leben

Fischer Verlag, erschienen April 2008
Taschenbuch, 202 Seiten
ISBN 13: 978 3596 175956
8,95 Euro

Literatur Beitrag vom 02.05.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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