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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 21.04.2008

Das Sefer Jezira und Einführung in die lurianische Kabbala
Sarah Ross

Die Übersetzung des wichtigsten Werkes der Kabbala (Sefer Jezira), sowie eine Einführung in die Lehren ihres einflussreichsten jüdischen Mystikers, sind nun im Verlag der Weltreligionen erschienen.



Im Gegensatz zu seinem Umfang, in seiner längsten uns überlieferten Fassung gerade einmal 2700 Wörter umfassend, ist der Einfluss des Sefer Jezira – dem Buch der Schöpfung – auf jüdische Philosophie und Mystik nahezu atemberaubend. Kaum ein anderes Buch hat je solch eine reiche Kommentarliteratur hervorgebracht wie dieses. Es ist das älteste und grundlegendste Werk der Kabbala, welches die erste systematische Zusammenfassung kosmologischer Spekulationen auf der Basis einer ausgeprägten Buchstaben- und Zahlenmystik in hebräischer Sprache darstellt.
Dieses viel diskutierte Buch, das schließlich auch über das Judentum hinaus die Vorstellungen von der Entstehung und dem Aufbau der Welt beeinflusste, ist nun in der Übersetzung von Dr. Klaus Herrmann im Verlag der Weltreligionen erschienen.

Das Buch der Schöpfung beschreibt den Aufbau der Welt aus den "32 verborgenen Pfaden der Weisheit", die sich aus den 10 Sefirot, den Urzahlen oder Potenzen, und den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets zusammensetzen. Hier werden, analog zur antiken Vorstellung vom Makro- und Mikrokosmos bestimmte Buchstabengruppen auf den Raum, die Zeit und die menschliche Welt bezogen. Dabei erinnert die Betonung der Dimensionen des Raumes und der Zeit an neuzeitliche Theorien über die Entstehung des Kosmos, wobei für den Autor des Sefer Jezira zudem der ethische Aspekt des Schöpfungswerkes, wie Gut und Böse, Schuld und Unschuld, wichtig ist. Die theologische Mitte des Buches ist das Bekenntnis zur "Einheit in Vielheit", womit die Vielgestaltigkeit des Universums letztlich an dem einen und einzigen Schöpfergott hängt.

Heute sind mehr als 80 mittelalterliche und frühneuzeitliche Kommentare zum Buch der Schöpfung bekannt, die teils philosophisch-naturwissenschaftlich, teils mystisch-magisch orientiert sind. In ihnen findet sich auch die berühmte Idee der Golemschöpfung, der Erschaffung eines künstlichen Menschen auf der Basis von Buchstabenspekulation.
Die drei ältesten Kommentare sind aus dem 10. Jahrhundert und stammen von dem bekannten jüdischen Gelehrten Sa´adja Gaon (882-942), von Dunash ibn Tamim (ca. 900-960) und Shabbetai Donolo (913-ca. 982). Auf eben diesen hebräischen Handschriften und Textfragmenten aus der Kairoer Geniza beruht die neue deutsche Übersetzung von Klaus Herrmann. Sie präsentiert erstmals die verschiedenen Textfassungen in einer synoptischen Übersetzung. Die LeserInnen werden damit unmittelbar in den lebendigen Überlieferungs- und Auslegungsprozess des Sefer Jezira einbezogen. Herrmanns Übersetzung beinhaltet ebenfalls einen ausführlichen und informativen Kommentar zum Sefer Jezira, der das Buch der Schöpfung unter anderem im Spiegel seiner InterpretInnen darstellt.

Zum Herausgeber: Dr. phil. Klaus Herrmann wurde 1957 geboren. Er ist akademischer Rat an der Freien Universität Berlin, seine Forschungsschwerpunkte sind frühe jüdische Mystik, Liturgie und Reformjudentum.

Die Einführung in die lurianische Kabbala von Gerold Necker ist der zweite Band, der in diesem Monat im Verlag der Weltreligionen erschienen ist. Es befasst sich mit den Lehren des Isaak ben Salomo Luria Aschkenasi (1534-1572), einer der einflussreichsten jüdischen Mystiker in der Geschichte der Kabbala. In einer Generation, die unter dem traumatischen Eindruck der Vertreibung der Juden aus Spanien litt, wirkte er in seinen letzten beiden Lebensjahren als charismatische Gestalt in Tzefat, einem der wichtigsten Orte jüdischer Gelehrsamkeit und Zentrum kabbalistischer Mystik in Galiläa.

Lurias Vorstellungen und Visionen revolutionierten nicht nur das Verständnis von Gott und Schöpfung, sondern auch die religiöse Praxis. In seinen Lehren erhält die reichhaltige und vielgestaltige jüdische Tradition mythische und theosophische Dimensionen, die jeden religiösen Menschen betreffen. Sein kabbalistisches Weltbild war geprägt von Vorstellungen wie dem "Sich-Zurückziehen" Gottes (Zimzum), das der Schöpfung Raum gibt, dem "Zerbrechen der Gefäße" (Shevirat ha-Kelim) als Katastrophe bei der Entstehung der oberen Welt sowie Spekulationen über die Lichtkonfigurationen des "Urmenschen" (Adam Qadmon). Ziel aller Bemühungen des Menschen ist die Wiederherstellung (Tiqqun) der göttlichen Harmonie, wobei die verschiedenen Wiederverkörperungen seiner Seele mit berücksichtigt werden.

Die lurianische Kabbala wurde hauptsächlich von Isaak Lurias bedeutendstem Schüler Chajim ben Josef Vital (1542-1620) in einem umfangreichen Textkorpus lange Zeit handschriftlich überliefert. Sie bildet schließlich durch die Sammlung Ez Hajim (Baum des Lebens, Warschau 1890), die viele Versionen und Vorstufen durchlief, bis heute einen Schwerpunkt des Studiums der Kabbala. Die lurianische Kabbala ist die wirkmächtigste Ausformung der jüdischen Mystik, die vor allem im chassidischen Judentum überliefert wurde.

Da es, wie Gerold Necker in seiner Einführung in die lurianische Kabbala darstellt, die Kabbala, und demnach auch nicht die lurianische Kabbala gibt, geht der Autor in seinem Buch hauptsächlich auf die verschiednen Texte und ihre Verfasser, sowie auf die Hauptthemen der lurianischen Kabbala ein. Somit erhält der Leser und die Leserin einen guten Einblick in die "verschiedenen Färbungen und revolutionären Ideen, die von Isaak Luria und seinem Schülerkreis ihren Ausgang nahmen und die Welt der jüdischen Mystik veränderten."

Zum Autor: Gerold Necker wurde 1961 geboren und ist Dozent für Jüdische Studien an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittemberg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören: Jüdische Mystik und Geschichte in Mittelalter und Frühe Neuzeit, Amsterdam im 17. Jahrhundert sowie das erzählerische Werk des israelischen Nobelpreisträgers Samuel Joseph Agnon.

Der Verlag der Weltreligionen gehört zum Suhrkamp-/Insel-Verlag. Ziel des Verlags ist es, Neuedition der großen Schriften der Weltreligionen und begleitende religionswissenschaftliche Einführungs- und Essaybänden in einer bibliophilen Neuedition auf den Markt zu bringen. Dafür konnte man einige bekannte Suhrkamp-AutorInnen und WissenschaftlerInnen gewinnen.

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter: www.verlagderweltreligionen.de

AVIVA-Tipp:
Sowohl Klaus Herrmanns Übersetzung des Sefer Jezira, dem Hauptwerk der Kabbala, wie auch Gerold Neckers Einführung in die Lehren des Issak Luria, dem revolutionärsten Denker in der Geschichte der jüdischen Mystik, geben ExpertInnen als auch Interessierten einen fachlich fundierten und sehr lesenswerten Einblick in die Komplexität der jüdischen Geheimlehre.


Klaus Herrmann (Hrsg.)
Sefer Jezira

Buch der Schöpfung
Verlag der Weltreligionen, erschienen April 2008
ISBN 978-3-458-70007-4
316 Seiten, gebundene Ausgabe
26,00 Euro


Gerold Necker
Einführung in die lurianische Kabbala

Verlag der Weltreligionen, erschienen April 2008
ISBN 978-3-458-71008-0
243 Seiten, gebundene Ausgabe
19,80 Euro


Lesen hierzu auch unsere Rezension zu: "Die Mischna – Festzeiten Seder Mo´ed und Einführung in die Mischna".

Literatur Beitrag vom 21.04.2008 Sarah Ross 

   




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