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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 10.04.2008

Marie Metrailler – Die Reise der Seele
Kristina Tencic

Die in kargen Verhältnissen aufgewachsene Bäuerin Marie Metrailler flüchtet bereits als Kind in Bücher und Erzählungen. Obgleich sie ihr Leben lang in ihrem Heimatdorf bleibt, gelingt es ihr...



...das unabhängiges Leben einer Intellektuellen zu führen. In dem Roman unterhält sie sich mit der Herausgeberin über ihr Leben, ihre Heimat, Spiritualität und den Tod.

"Jemand, der jetzt gestorben ist, sagte einmal ziemlich spitz: ´In Evolene haben wir nur einen Mann und das ist eine Frau.´ Das war auf mich gemünzt."

Marie Métrailler wurde 1901 in Evolene, einem kleinen Bergdorf in der Westschweiz geboren. Bis zum nächsten Dorf war es ein über sechsstündiger Fußmarsch und die Einheimischen lebten ein hartes Leben. Sie mussten dem Boden die Erträge mühsam abgewinnen, jedoch besaßen sie, wie Marie es nennte, "einen wahren Reichtum". Der Roman, "Die Reise der Seele" ist das Zeugnis einer Bäuerin, die durch die Einkehr zu sich selbst zu einer authentischen Weisheit gelangte, die sie der Schriftstellerin Marie-Magdaleine Brumage in Interviews offen legte. Das Buch ist das Ergebnis der über die Jahre 1974-1979 geführten Gespräche der beiden Frauen.

Bei diesem Roman trifft der Begriff einer "eigenen Welt" sehr genau den Kern, da auch die Protagonistin in ihrer eigenen Welt lebte. Früh musste sie Arbeiten auf dem Hof verrichten, besuchte die Hälfte des Jahres die Schule, wo ihr Vater der Lehrer war und ging, wie alle Menschen im Dorf, in die Kirche. Unbefriedigt und enttäuscht vom Leben rettete sie sich in eine ihr eigene Gedankenwelt, die von der Lektüre zahlreicher Bücher beeinflusst war, aber auch eine Quelle in ihrer spirituellen Gedankenwelt fand. Marie war der "Sinn für das Unsichtbare" angeboren, wie sie es nennt. Sie stand in ständigem Kontakt zu Feen, Kobolden und den Geistern der Toten. Von ihrer eigenen Welt zeugt auch ihre Begeisterung für die Sagen ihrer Heimat.

Trotz ihrer Rebellion, die ihren Höhepunkt in der Eröffnung eines Geschäftes, einer Weberei fand, blieb sie ihrem Heimatort bis zu ihrem Tode treu. Sie wurde zu einer selbständigen Frau, die von der Gemeinde beargwöhnt wurde. Sie erklärt es folgendermaßen: "Mein wirkliches Problem hier war, daß ich nicht bigott war. Ich arbeitete, tat niemandem etwas zuleide. Die Gläubigen gingen zu ihrem frommen Zauber, ich nicht." Sie brach mit der Kirche, die ihr von Kindesbeinen an nichts als ein schlechtes Gewissen einhämmerte und sie quälte, aber bewahrte sich dennoch einen religionsübergreifenden Glauben.

Die Lektüre des Romans führt den/die LeserIn in eine Welt längst vergessener Traditionen, Wertvorstellungen und einer Naturverbundenheit, wie man sie heutzutage wohl nicht einmal mehr bei Naturvölkern findet. Manchmal überschreitet das Buch die Grenze zum Belanglosen, zum Beispiel, wenn seitenlang auf die Arten- und Pflanzenvielfalt eingegangen, oder zum zehnten Mal auf die Begegnungen mit Feen angesprochen wird. Interessant und lesenswert ist es aber dennoch, da die "Tochter der Felsen" einen Einblick in eine vergangene Zeit gibt. In der Moderne vermisst Marie vor allem den Verlust der Harmonie zwischen Lebewesen und der Natur, und dass die Menschen nicht mehr auf Zeichen aus dem Jenseits hören.

AVIVA-Tipp: "Die Reise der Seele" ist etwas für NostalgikerInnen und spirituelle Menschen, denn wer sich nicht in dieses "Unsichtbare" einfinden kann, langweilt dieses Buch wohl sehr. Marie Métrailler ist eine Frau, die ihre intellektuelle Kraft vor allem aus sich selbst schöpfte und ihr Einsiedlertum nutzte, um sich und anderen Menschen eine Herzensbildung zu bescheren. Man könnte sie als eine Ur-Feministin bezeichnen, aber besser als das trifft die Bezeichnung einer starken und freien Frau ihr Wesen. Sie beschwört das große Beziehungsgeflecht, in dem alle Menschen leben, und beweist, dass sie trotz ihrer schlimmen Kindheit eine "universelle Liebe" entwickeln und weitergeben konnte.

Zur Herausgeberin: Marie Magdaleine Brumagne (1920-2005) arbeitete als Journalistin und lebte in Lausanne. Von 1974 bis 1979 führte sie zahlreiche Gespräche mit Marie Métrailler, die sie in diesem Buch aufgezeichnet hat.

Marie Metrailler
Die Reise der Seele

Übersetzt von Pierre Imhasly
Pendo Verlag, erschienen Februar 2008
Gebunden, 340 Seiten
19,90 Euro

Literatur Beitrag vom 10.04.2008 Kristina Tencic 

   




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