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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.04.2008

Marianne Brentzel und Uta Ruscher - Margherita Sarfatti
Sharon Adler

"Jüdin. Mäzenin. Faschistin". Eine Biographie über die widersprüchliche und charismatische Margherita Sarfatti. Mussolinis Beraterin und Geliebte, Kunstsammlerin und –kritikerin, Salonnière,...



... Verfolgte und gleichzeitig willige Helferin der FaschistInnen, sowie Feministin, Sprachgenie und Autorin.

Alma Mahler-Werfel bezeichnete sie als die "ungekrönte Königin Italiens", andere nannten sie voller (Ehr)Furcht "Diktatorin der Kultur".
Marianne Brentzel und Uta Ruscher haben die Lebensgeschichte der Margherita Sarfatti akribisch recherchiert, ZeitzeugInnen und Verwandte getroffen und sorgsam bislang unveröffentlichtes Material zusammengetragen.

1880 als jüngste Tochter einer alteingesessenen, reichen und traditionellen jüdischen Kaufmannsfamilie im Ghetto Vecchio Venedigs geboren, heiratet sie 1898 den jüdischen Advokaten Cesare Sarfatti, einen Sozialisten.
Das Paar lebt in Mailand und ist Teil der Arbeiterbewegung. Im Salon der russischen Emigrantin Anna Kuliscioff trifft sich die sozialistische Elite der Stadt. Bald gewinnt Margherita Sarfatti einen Ruf als Kunstsammlerin und –kritikerin. Sie protegiert die FuturistInnen um Filippo Tommasio Marinetti, die Gewalt und Hass als Ausrichtung einer neuen Kunst propagieren. Im Salon Kuliscioffs trifft Sarfatti auf den Journalisten Benito Mussolini.
"Der Duce hat mir viel zu verdanken! Ich habe ihn zu dem gemacht, was er wurde."
Sarfatti und Mussolini werden ein Liebespaar, sie macht ihn als seine Beraterin gesellschaftsfähig, ebnet ihm den Weg zur Herrschaft und sensibilisiert ihn zugleich für die Kunst. Lange bleibt sie für Mussolini unentbehrlich.

Margherita Sarfatti war Jüdin und ließ es doch zu, dass tausende Juden und Jüdinnen ermordet wurden. Die charismatische, talentierte und gebildete Frau, die zur ersten einflussreichen Kunstkritikerin Italiens avancierte, stellte die Kunst in den Dienst eines faschistischen Regimes. Sie war selbst Mutter und nahm doch das Leid unzähliger anderer Mütter in Kauf. Aus dem sicheren Exil heraus sorgte sie sich um ihre Familie, aber das Schicksal der anderen interessierte sie nicht.

"Ich habe mich geirrt. was soll`s? Ich habe gelebt!".

Bekannt war sie weit über Italiens Grenzen hinaus. Bei ihren USA-Besuchen logierte sie im New Yorker Waldorf Astoria, trug die aufsehenerregende Mode der Designerin Elsa Schiaparelli, traf sich mit Josephine Baker und rettete Sigmund Freud das Leben. Salvador Dalí bemalte ihr ein Kleid, Einstein spielte für sie Geige, Roosevelt lud sie zum Dinner ins Weiße Haus ein. 1938 flüchtete Margherita Sarfatti über die Schweiz und Frankreich nach Uruguay und Argentinien. Neun Jahre später kehrte sie nach Italien zurück. Vereinsamt und ignoriert lebte sie zurückgezogen bis zu ihrem Tod 1961 in ihrem Landhaus bei Como.

Auch nach dem Krieg übernahm sie nie die Verantwortung für ihre Mitschuld an der Entwicklung des Faschismus, glaubte bis zu ihrem Tod an ihn und war überzeugt, dass Mussolini ihn an die Deutschen verkauft hätte. Das ist es, was sie – mehr als alles Andere – auch heute noch zur Täterin macht!

Zu den Autorinnen:

Marianne Brentzel
, 1943 in Erpen bei Dissen geboren, wuchs in Bielefeld auf, studierte Politische Wissenschaft und Pädagogik in Berlin und nahm aktiv an der Studentenbewegung und der Politik einer maoistischen Partei teil. Seit 1973 lebt sie mit ihrer Familie in Dortmund, arbeitete in der Jugend- und Erwachsenenbildung, moderiert den Dortmunder Bücherstreit und veröffentlicht Biografien eigenwilliger Frauen. Bekannt wurde sie insbesondere mit der Else-Ury-Biografie "Nesthäkchen kommt ins KZ. Das Leben der Else Ury, 1877-1943" (1992) und "Mir kann doch nichts geschehen", das Leben der "Nesthäkchenautorin" Else Ury (2007) sowie "Anna O. - Bertha Pappenheim" (2002). (Quelle: Verlagsinformation)
Weitere Informationen unter: www.mariannebrentzel.de


Uta Ruscher, 1966 in Berlin geboren, studierte Kristallographie, arbeitete als Musik-Editorin beim VEB Deutsche Schallplatte. 1987 flüchtete sie nach Westberlin, wo sie an der Technischen Universität Musik- und Kommunikationswissenschaft studierte. Sie arbeitete als Autorin, Musikkritikerin, Tontechnikerin und Aufnahmeleiterin und unterrichtete am Conservatorio della Svizzera Italiana.
Sie lebt seit 1997 im Tessin. Ihr erster Roman, "Katzensommer", wurde Herbst 2003 veröffentlicht. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet sie als freie Tonmeisterin beim Radio della Svizzera Italiana, Lugano. Weitere Informationen unter: www.utaruscher.ch

AVIVA-Tipp: Dank der akribischen Recherche der Autorinnen ist mit "Jüdin. Mäzenin. Faschistin" neben dem offiziell überlieferten Teil der Geschichte auch ein persönliches Portrait mit allen Facetten dieser widersprüchlichen, gefeierten und verhassten Frau entstanden. Nichts beschönigend und ohne Partei zu ergreifen konnten Marianne Brentzel und Uta Ruscher so aufdecken, was nie vergessen werden darf: Schuldig sind die, die ihre Macht missbrauchen und diese durch Arroganz und Ignoranz durchsetzen wollen – und stellenweise auch können.


Marianne Brentzel und Uta Ruscher
Margherita Sarfatti

Atrium Verlag, erschienen Februar 2008
384 Seiten, mit Schutzumschlag
Euro 22,90 SFR 39,00 EUA 23,60
ISBN: 3-85535-042-6
ISBN-13: 978-3-85535-042-1

Literatur Beitrag vom 02.04.2008 Sharon Adler 

   




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