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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 31.03.2008

Bevor ich sterbe. Von Jenny Downham
Kristina Tencic

Tessa ist 16 und hat Krebs. Doch sang- und klanglos sterben möchte sie nicht: Gemeinsam mit ihrer unerschrockenen Freundin Zoey arbeitet sie eine Liste ab. Sie hat Sex, tut verbotene Dinge,...



...verliebt sich und stirbt im Beisein der LeserIn. Ein Jugendroman.

Die 16 Jährige Tessa ist bereits mit zwölf Jahren an Leukämie erkrankt. Sie begegnet ihrer Krankheit sehr rebellisch und lebensbejahend doch zusehends schwindet ihre Hoffnung auf ein langes erfülltes Leben und sie findet sich zynisch mit ihrem eigenen Tod ab. Doch was kann frau tun, wenn die Zeit knapp wird und die Wünsche groß sind? Sie schreibt eine Liste mit Dingen an ihre Wand, welche sie vor ihrem Tod unbedingt noch erleben möchte. Nummer eins: Sex. Kurzerhand stürzt sie sich knapp bekleidet mit ihrer besten Freundin Zoey in eine Disco und kehrt am nächsten Morgen mit einem schmerzenden Unterleib nach Hause zurück. Nummer zwei hört sich leicht an, ist aber weitaus ereignisreicher als frau/man annehmen würde: einen ganzen Tag lang zu allem einfach nur Ja sagen. Der Tag endet für die neu eingekleidete Tessa in einem eiskalten Gewässer. Nummer drei: Drogen nehmen. Gar nicht so schwer, lernt sie doch einen älteren Nachbarsjungen kennen, der sich der Sache annimmt. Aus der Begegnung mit dem Drogentrip entwickelt sich eine tiefe Liebe zu Adam. Nummer acht, die Liebe ist somit auch abgehakt – doch darf eine dem Tod Geweihte überhaupt noch lieben?

Tessa setzt sich über Verbote hinweg, da sie annimmt, dass diese nur für gesunde Menschen gelten und wird egoistisch und stoisch. Andererseits nimmt sie sich nicht mehr so wichtig und wird verständnisvoller. Die Monate streichen vorüber und Tessa verliert ihre Lebenskraft. Zwar kümmern sich ihre getrennt lebenden Eltern und ihr jüngerer Bruder mit viel Hingabe und Fürsorge um die Jugendliche, doch können sie ihr die Angst vor dem letzten Schritt nicht nehmen. Der/die LeserIn begleitet Tessa auf ihrem Weg zwischen Wach- und Ohnmachtszustand und kann erahnen, wie es sich anfühlt, wenn eine geliebte Person stirbt.

Obgleich die Geschichte interessant und bewegend ist, gelingt es ihr nicht, sprachlich zu überzeugen. Die erwachsene LeserIn ist mit der anspruchslosen Sprache völlig unterfordert. Was erst bei der Recherche zu diesem Buch offensichtlich wurde, aber mit keinem Wort im Buch selbst (auch nicht beim Buchkauf oder den Verlagsseiten) vermerkt ist, ist, dass es sich um einen YA (Young Adults) Roman handelt. Bewertet frau den Roman vor diesem Hintergrund, ist es ein lesenswertes Buch. Die Jugend ist wohl der richtige Zeitpunkt, sich mit dem Tod auseinander zu setzen und dadurch vielleicht eine eigene Lebensphilosophie zu entwickeln. Die kompromisslos ihr Leben auskostende Tessa kann hier einen guten Anhalt bieten.

Frau/man fragt sich allerdings weiterhin, warum es denn nötig war, eine Liste anzufertigen und, warum die Autorin Jenny Downham Zoey schwanger werden ließ. Warum braucht unsere Gesellschaft erst immer eine Liste, bevor etwas geschieht? Und was wollte uns die Autorin mit der schwangeren Zoey sagen? Das eine kommt und eine geht? Oder wollte sie den, in ein Kondom gehüllten, Zeigefinger erheben?
Gelungen ist der zynische Ton der Protagonistin, welche fast schon den Tod parodiert, mit Sätzen wie: "So faszinierend das auch ist, wir müssen jetzt gehen. Ich muss die Einladungen zu meiner Beerdigung abholen." All zu oft schwankt der schwarze Humor jedoch über in plumpe Sätze wie "Sie wird verstehen, was ich schon weiß – dass wir alle vom Tod umzingelt sind. Und er schmeckt metallisch zwischen den Zähnen." und strapaziert mit der Zeit die Nerven.

AVIVA-Tipp: Erwachsene sollten in der Buchhandlung einen kleinen Bogen um das in der falschen Abteilung liegende Buch machen. Für alle LeserInnen zwischen 14 und 18 Jahren ist es hingegen ein sehr empfehlenswerter Roman, der dem tiefgreifenden Thema Sterben forsch, aber dennoch einfühlsam begegnet. Die Frage nach dem "was würde ich machen, wenn ich in drei Monaten sterbe?" erhält hier eine beispielhafte Beantwortung, die durch die authentischen Charaktere überzeugt. Es ist eine mitreißende Geschichte, die viel Empathie auslöst und dem/r jungen LeserIn sicherlich eine Träne abverlangen wird.

Zur Autorin: Jenny Downham hat als Schauspielerin in einer freien Theatergruppe gearbeitet, bevor sie anfing zu schreiben. "Bevor ich sterbe" ist ihr Debutroman. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in London. (Quelle: Verlagsinformation)

Bevor ich sterbe
Jenny Downham

Originaltitel: Before I die
Übersetzt von Astrid Arz
C. Bertelsmann Verlag, erschienen Februar 2008
Gebunden, 320 Seiten
ISBN: 978-3-570-01004-4
17,95 Euro

Literatur Beitrag vom 31.03.2008 Kristina Tencic 

   




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