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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 12.03.2008

Eine Woche im Oktober. Wie eine einzige Woche das Leben verändert
Kristina Tencic

Was ist, wenn unser Leben einen völlig anderen Verlauf nimmt, als es wir uns das eigentlich vorgestellt haben? Dieser Frage geht Elizabeth Subercaseaux in ihrem Roman "Eine Woche im Oktober" nach.



Sie lernten sich in jungen Jahren an einem Pool in Chile kennen, als Clemente Clara überraschte und ihren entblößten Körper sah. "Jetzt, da du mich nackt gesehen hast, bleibt dir nichts anderes übrig, als mich zu heiraten" sagte sie scherzhaft zu ihm. Doch sie heirateten tatsächlich und eine lebenslange, leidenschaftslose und eintönige Ehe folgte. Was auch folgte, war eine Affäre Clementes, welche fast genauso lange anhielt. Entgegen der Meinung Clementes, der davon ausging, dass seine Frau nie hinter die Geschichte seiner Verspätungen gelangt war, wusste Clara sehr genau, seit welchem Tag Clemente den Ehebruch beging.

Wie das Leben im Verlauf so spielt, bekommt Clara Brustkrebs und muss sich zwangsweise mit dem Tod auseinandersetzen, vor dem sie panische Angst hat. Um der Angst etwas entgegensetzen zu können, fängt sie an zu schreiben. Sie schreibt in ein kleines blaues Heft, das sie leicht zugänglich aufbewahrt, wo es auch bald von ihrem Mann entdeckt wird. Somit beginnt ein schweigsamer Dialog zwischen den EhepartnerInnen, der nur indirekt über das Geschriebene und Gelesene des Heftes stattfindet.

Clemente erkennt in ihr auf diesem literarischen Wege eine völlig neue Person, eine eigensinnige Frau mit Bedürfnissen, Sehnsüchten, Ängsten – und einer blühenden Phantasie, wie es scheint, denn wie ist es möglich, dass seine Clara, die gebrechliche Kranke, eine Affäre mit einem ebenso kranken Mann beginnt?

"Er verspürte eine plötzliche innere Leere, als er sich Clara und ihren abgemagerten Körper vorstellte, diesem Mann gegenüber, der so mager war wie sie. Nein, er schaffte es nicht, seine Frau mit dem Bild einer nackten Frau in einer billigen Absteige zusammenzubringen. Und doch handelte ihr gesamtes Heft von dieser Affäre. Das war das Wichtige. Alles Übrige waren Girlanden, Firlefanz, schriftstellerische Eskapaden. Nur wegen der Geschichte mit dem Liebhaber fesselte ihn das Heft, verfolgte ihn das, was dort geschrieben stand."

"Eine Woche im Oktober" von Elizabeth Subercaseaux ist im Grunde genommen eine Racheschrift. Die vom Tode verfolgte Clara versucht darin, die Gegenwart einzuholen und ihrem Leben im Nachhinein einen Sinn zu geben. Der Tod wird dabei personifiziert und mit einem klein wenig Hokuspokus angereichert, was aber dennoch zu dem Charakter der Protagonistin passt.

Betrachtet man das Buch von der rein literarischen Sichtweise, ist es keine Höchstleistung, aber nichtsdestotrotz eine schöne Lektüre. Stellt man das Buch jedoch in den Kontext der Autorin, wird deutlich, dass es eigentlich ein höchst politisches Buch ist, das die Zeit der Pinochet-Diktatur beschreibt, welche die Autorin schmerzlich am eigenen Leib erfahren musste. Es ist eine Auseinandersetzung mit der vordergründigen und hintergründigen Seite eines Lebens, das nur fiktiv Freiheit genießen konnte.

AVIVA-Tipp: Elizabeth Subercaseaux lässt ihre Protagonistin in dem Roman eine längst überfällige Rechnung mit ihrem untreuen Ehemann begleichen, und gelangt dadurch auch zu einer Abrechnung mit dem unterdrückerischen Regime Pinochets, vor dem sie in den Untergrund geflohen ist– geradeso, wie Clara sich während ihrer brüchigen Ehe in ihr Inneres zurückzog. Der Übergang von der Fiktionalität zur Wahrheit ist dabei schwammig...aber lesen Sie selbst!

Zur Autorin: Elizabeth Subercaseaux, geboren 1945 in Chile, ist die Urenkelin von Robert und Clara Schumann. Mit 22 Jahren zog sie nach Spanien, wo sie ihre journalistische Karriere begann. 1975 kehrte sie nach Chile zurück und arbeitete dort während der Pinochet-Diktatur 17 Jahre lang als Journalistin im Untergrund, eine Zeit, in der ihre halbe Familie ins Exil geschickt und sie in ihrem Haus fast zu Tode geprügelt wurde. Kurz nachdem sie mit Mitte vierzig mit dem Schreiben von Büchern begann, wurde sie in Chile zur Bestsellerautorin. "Eine Woche im Oktober" ist das erste Buch von ihr, das auf deutsch erscheint. (Quelle: Verlagsinformation)

Eine Woche im Oktober
Elizabeth Subercaseaux

Pendo Verlag, erschienen Februar 2008
Übersetzt von Maria Hoffmann-Dartevelle
Hardcover, 200 Seiten
ISBN 978-3-86612-154-6
18,50 Euro

Literatur Beitrag vom 12.03.2008 Kristina Tencic 

   




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