Schuhhaus Pallas - Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD Happy End
Aviva-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild f├╝r das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 25.02.2008

Schuhhaus Pallas - Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte
Kristina Tencic

Ein Zufall bringt Amelie Fried dazu, ihre Familiengeschichte zu recherchieren. Dabei stellt sie fest, dass unbewusst ihr gesamtes bisheriges Leben davon beeinflusst war und beginnt auszusprechen...



... wor├╝ber vorher nur eine Decke des Schweigens gelegt wurde.

Schon der Name des Schuhgesch├Ąfts im schw├Ąbischen Ulm verr├Ąt den rebellischen Charakter der Familie: Als Amelie Frieds Gro├čvater 1914 den "Schuh-Palast" gr├╝ndete, beschwerte sich ein Konkurrent, dass so ein kleines Gesch├Ąft nicht solch einen irref├╝hrenden Namen tragen k├Ânne. Kurzerhand, und mit einem Augenzwinkern, wurde es in "Schuhhaus Pallas" umbenannt.

Amelie Fried beschreibt in diesem Jugend- und Erwachsenenbuch die Geschichte ihrer j├╝dischen, bzw. ÔÇô nach der Naziterminologie - "j├╝disch versippten" Familie, da ihr Gro├čvater eine "Arierin" heiratete. Mit der Machtergreifung Hitlers begann der erbitterte Kampf ums ├ťberleben f├╝r die Familie Fried und ihre Lebensgrundlage, das "Schuhhaus Pallas", f├╝r das sie so manche H├╝rde, wie etwa die Schein-Scheidung der Gro├čeltern, auf sich nahmen.

Durch eine Aneinanderreihung von gl├╝cklichen Zuf├Ąllen gelang es, zumindest diesen Zweig der Familie Fried, ├╝ber Zwangsarbeit und KZ hinweg, am Leben zu erhalten. Wie Amelie Fried erst heutzutage, durch ihre dreij├Ąhrige Recherche in Archiven und in Gespr├Ąchen mit ├╝berlebenden Verwandten herausfand, war l├Ąngst nicht allen Frieds ein solches Gl├╝ck beschieden. Zwei Namen der von den Nazis ermordeten Verwandten entdeckte ihr Mann Peter zuf├Ąllig bei einem Besuch im Leo Baeck Institut in New York, bei dem er in Gedenkb├╝chern herumbl├Ątterte. Daraufhin entdeckte Amelie Fried ihre gro├čen L├╝cken im Wissen um ihre Familiengeschichte.

"Schuhhaus Pallas" ist ein Beispiel daf├╝r, wie auch das Nichtgesagte die Gegenwart ├╝berschatten kann. Was verschwiegen wurde, das sagt Amelie Fried nun explizit in ihrem Buch, welches sie urspr├╝nglich nur f├╝r ihre Kinder geschrieben hat, denn: "Mit seinen S├Âhnen (und T├Âchtern) wollte mein Vater nicht sprechen. Mit seinen Enkeln kann er es nicht mehr. Deshalb erz├Ąhle ich ihnen seine Geschichte. Ihnen und allen anderen, die wissen wollen, was damals geschehen ist."

Ein Glossar, ein Stammbaum, eine Zeittafel und viele Zeitdokumente helfen, sich in dem Wirrwarr von Personen und Jahreszahlen zurecht zu finden, jedoch verlangt es von Jugendlichen ein gewisses Durchhalteverm├Âgen, sich diesem Entwirrungsspiel hinzugeben und nicht schon vorher das Buch zur Seite zu legen. Die anschauliche Biografie ihrer Familie birgt auch f├╝r Erwachsene interessante Erkenntnisse, beispielsweise ├╝ber den j├╝dischen Selbsthass oder ├╝ber den ├ťbergang nach 1945 zu einer scheinbar "entnazifizierten" Gesellschaft.

Durch die amtlichen Dokumente und Jahreszahlen erh├Ąlt das Buch einen technokratischen Charakter, den Amelie Fried aber immer wieder durch pers├Ânliche Erz├Ąhlungen wett macht. Sie gibt den, von den Nazis zu Aktenzeichen degradierten, Familienmitgliedern ihr pers├Ânliches Antlitz zur├╝ck und gelangt dar├╝ber hinaus zu einem besseren Verst├Ąndnis ihrer eigenen Identit├Ąt.

AVIVA-Tipp: Mit "Schuhhaus Pallas. Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte" ist der mehrfachen Bestseller-Autorin ein Familienportrait gelungen, das exemplarisch f├╝r viele Schicksale in Nazideutschland steht. Streckenweise wird zwar der Lesegenuss von dem Personen- und Zahlengeflecht getr├╝bt, aber nichtsdestotrotz bleibt die Geschichte eindringlich und als Buch gegen das Vergessen und gegen das Schweigen sehr wertvoll.

Zur Autorin: Amelie Fried wurde 1958 in Ulm als Tochter des Verlegers Kurt Fried und der Buchh├Ąndlerin Inge Fried Ruthardt geboren. Nach dem Abitur 1975 studierte sie von 1976 bis 1983 Theaterwissenschaften, Publizistik, Kunstgeschichte und Italienisch in M├╝nchen. Seit 1984 arbeitet sie als TV-Moderatorin. 1995 erschien ihr erstes Buch "Die St├Ârenfrieds. Geschichten von Leo und Paulina". Vier ihrer zahlreichen Bestseller-Romane wurden verfilmt (z.B. "Traumfrau mit Nebenwirkungen"). Sie erhielt viele Auszeichnungen, u.a. den deutschen Jugendliteraturpreis f├╝r ihr Bilderbuch "Hat Opa einen Anzug an?" und den Bambi-Fernsehpreis f├╝r ihre journalistische T├Ątigkeit. Amelie Fried lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der N├Ąhe von M├╝nchen. Weitere Infos und Kontakt: www.ameliefried.de
(Quelle: ameliefried.de)

Amelie Fried
Schuhhaus Pallas. Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte

Hanser Verlag, erschienen Februar 2008
183 Seiten, Hardcover, mit zahlreichen Abbildungen
ISBN: 978-3-446-20983-1
14,90 Euro

Literatur Beitrag vom 25.02.2008 Kristina Tencic 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken