Annelies Laschitza, Die Liebknechts - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: über den Zurück-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 28.11.2007

Annelies Laschitza, Die Liebknechts
Yvonne de Andrés

Karl und Sophie. Ein ungleiches Paar. Eine kluge Frau steht hinter ihrem Mann und hält ihm den Rücken frei. Der Titel des Buches ist leider irreführend – die Doppelbiographie wird nicht eingelöst.



Im Oktober 1907 wurde Karl Liebknecht wegen seines 60-seitigen Manuskripts "Militarismus und Antimilitarismus" als Hochverräter angeklagt und zu eineinhalb Jahren Festungshaft verurteilt. Zu dieser Zeit war Liebknecht Anwalt, Mitglied der SPD, Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung, Präsident der sozialistischen Jugendinternationale, verheiratet mit Julia Paradies, Tochter des jüdischen Bankiers und Kaufmanns Louis Paradies mit der er zwei Söhne und eine Tochter hatte. Sein Weg steuerte direkt in die Politik, so wie sich dies sein Vater, Wilhelm Liebknecht, einer der Gründerväter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, für ihn erhofft hatte. Karl Liebknecht wurde 1871 geboren, seine Taufpaten wurden Karl Marx und Friedrich Engels. Annelies Laschitza zeichnet ein Bild dieses gebildeten Sozialisten, in ihren Augen ist er ohne Fehl und Tadel.

1906 verliebt sich Liebknecht heftig in die aus einer jüdischen Familie in Russland stammende hochgebildete Sophie Ryss.. Viele Briefe gehen zwischen den beiden hin und her. Liebknecht hält das Liebesverhältnis gegenüber seiner Familie und seinen politischen Mitstreitern geheim. Er erschließt sich den LeserInnen als possessiver Egomane. So schreibt er an Sophie: "Du wirst mehr als ich, Dich anschmiegen müssen". Am 6. November 1907 erhält er die Nachricht, dass er wieder für sechs Jahre in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde.

1912 stirbt seine erste Frau, die Liebesbeziehung zu Sophie Ryss mündet schnell in Heirat. Der Altersunterschied zwischen den beiden beträgt 12 Jahre. Die Deutsch-Russin ist promovierte Kunsthistorikerin, ihre Dissertation behandelte: "Die heilige Maria Magdalena in der Kunst des 14. und 15. Jahrhunderts". Sophie Ryss versteht sich als Sozialistin und Feministin und ist ebenfalls Mitglied der SPD. Zugunsten von Liebknecht und den Kindern gibt sie ihre beruflichen Ambitionen auf. Die Politik und die Zeit sind turbulent, der Kern der Familie Liebknecht wird als harmonisch und beschaulich vorgestellt. Zur wirtschaftlichen Situation Sophie Ryss: "Finanziell lebten wir von der in schweren Kriegszeit meinem Mann zukommenden Anteilen aus unserem Rechtsanwaltsbüro."

Karl Liebknecht setzt sich vehement gegen den Präventivkrieg, die Kriegskredite und die Mobilmachung ein. Trotz seiner Immunität als Abgeordneter wird er einberufen und jede politische Betätigung jenseits des Parlaments wird ihm untersagt. Er hat kaum Zeit für die Familie.

Rosa Luxemburg ruft am 5. August 1914 die "Gruppe Internationale" ins Leben, der Liebknecht und zehn weitere SPD-Linke angehören. Nach der großen Antikriegsdemonstration am Potsdamer Platz am 1. Mai 1916 wird Liebknecht verhaftet und wegen Hochverrats für vier Jahre und einen Monat Zuchthaus verurteilt. Die Briefe an Sophie sind jetzt immer fordernder. Rücksichtslos stehen seine Bedürfnisse an der ersten Stelle.

Ganz anders ist der Tonfall der Briefe, die zwischen Rosa Luxemburg und Sophie Liebknecht ausgetauscht werden. 1918 im Zuge einer allgemeinen Amnestie wird Liebknecht vorzeitig begnadigt. Gemeinsam mit Rosa Luxemburg übernimmt er 1918 die Führung des "Spartakusbundes" und gibt deren Organ "Rote Fahne" heraus. Sophie versucht derweil, die Familie unbeschadet durch die schweren Kriegsjahre zu bringen.

Am 9. November ruft Liebknecht vom Balkon des Berliner Schlosses die "freie sozialistische Republik" aus. Zu spät. Zwei Stunden vorher hatte Philipp Scheidemann die "deutsche Republik" von einem Balkon des Reichstags aus proklamiert. Die weiteren Stationen folgen wie im staccato. Gründung der Kommunistischen Partei 1918/19, am 15./16. Januar nach dem "Januaraufstand" der Spartakisten werden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Freicorps-Männern verschleppt und ermordet. Dieses letzte Kapitel des Buches bleibt leider sehr formal und blass. Sophie Liebknecht emigrierte 1934 über London nach Moskau wo sie 1964 starb.

Zur Autorin: Annelies Laschitza wurde 1934 in Leipzig geboren. Nach dem Geschichtsstudium folgen 1968 Promotion, 1970 Habilitation, seit 1975 ist sie ordentliche Professorin. Annelies Laschitza ist Mitherausgeberin der Werke von Rosa Luxemburg in der DDR. Ihre Rosa Luxemburg-Interpretationen stehen für die SED-Auslegung, sie sympathisiert nicht mit der Freiheit der Andersdenkenden. Nach Jahrzehnten der Beschäftigung mit Rosa Luxemburg ist dies ihre bereits zweite Biographie zu Karl Liebknecht. Publikationen: Im Lebensrausch - trotz alledem. Rosa Luxemburg. Eine Biographie (2000), Karl Liebknecht – Eine Biographie in Dokumenten (1982).

AVIVA-Fazit: Die SED-Spezialistin hat leider eine sehr konventionelle und wenig spannende Biographie einer interessanten Familie vorgelegt. Der Erzählstrang des Buches orientiert sich an den Stationen von Karl Liebknecht. Für eine Paarbiographie scheint mir dies unbefriedigend. Annelies Laschitza zitiert ausgiebig die Briefe zwischen Karl und Sophie Liebknecht, ohne diese jedoch zu interpretieren. Das Buch ist stilistisch schwerfällig und formal wie ein Entwicklungsroman eines guten Sozialisten geschrieben. Bis zum Schluss wird auch nicht klar, warum die Autorin über das Paar Karl und Sophie Liebknecht schreibt. Sophie kommt auch in der Darstellung der Autorin offenbar keine größere Bedeutung zu. Die Autorin hält darüber hinaus wenig Distanz zum Thema und stellt ein geglättetes Geschichtsbild vor. Die von Frau Laschitza angestrebte ideologische Auseinandersetzung mit Helmut Trotnows "Karl Liebknecht: Eine politische Biographie" und der in der DDR erschienenen neunbändigen Karl Liebknecht-Werkausgabe von Heinz Wohlgemuth bleibt leider aus. Dieser spannenden Kontroverse hätten sich möglicherweise andere AutorInnen eher geöffnet. Auch die Auslassung der Tatsache, dass beide Frauen jüdisch waren, spricht für eine einseitige Sicht der Dinge.

Annelies Laschitza
Die Liebknechts

Karl und Sophie - Politik und Familie.
Aufbau Verlag, erschienen Oktober 2007
Ca. 44 Abbildungen.
ISBN: 9783351026523
24,95 Euro

Literatur Beitrag vom 28.11.2007 Yvonne de Andrés 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken