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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 12.08.2008

Vilja Limbach – Malthus Welt
Tatjana Zilg

Der Roman ist in einem Zukunfts-Szenario angesiedelt, fern von unserer Welt und doch in manchen Details gruselig nah. Die Bevölkerung ist in drei Klassen zerfallen: LeistungsträgerInnen, ...



... Arbeitsvermittelte und MimimalkonsumentInnen.

Im Mittelpunkt der Handlung steht das Mädchen Malika, die sich in der Geschichte von einem zehnjährigen Kind zu einer jungen Frau Mitte Zwanzig entwickelt. Zu Beginn lebt sie als Straßenkind im "Minimalkonsumenten-Viertel", wo die Armen des Landes zusammengepfercht sind.
Aufgrund einer immens gestiegenen Überbevölkerung ist der Arbeitsmarkt zusammengebrochen und eine neue Struktur der Verteilung wurde entworfen, die eine bitterböse Satire auf die gegenwärtige Hartz-IV-Gesetzgebung ist. Aber das ist bei weitem nicht alles, was der Roman zu bieten hat. Keine Leserin muss befürchten, lediglich mit Sozialkritik zum Thema Arbeit und Gesellschaft gelangweilt zu werden. Der Autorin gelingt es meisterhaft, einen komplexen Plot zu konstruieren, der in manchen Punkten George Orwell´s "1984" übertrifft.

Das Land wird nicht von einer Regierung beherrscht. An der Macht ist die Führungselite des Konzerns "Fesal". Die höchste Position wird in aristokratischer Weise weitergegeben. Zur Zeit hat die Großfürstin Klara in allen Belangen des Landes das Sagen. Bei ihren Entscheidungen unterstützt sie der Rat der Wirtschaftsweisen sowie eine große Anzahl an AssistentInnen. Ihr engster Vertrauter ist der Generalbevollmächtigte Aarn, mit dem Klara in einem geschwisterähnlichen Verhältnis aufwuchs. Aarn wurde als Baby von ihren Eltern von der Arbeitsvermittlung bestellt. Das bedeutet, dass sie ihn nicht adoptierten, sondern er von früh an in einer Arbeitsverpflichtung gegenüber Klara´s Familie stand.

Für die Armen in den Minimalkonsumenten-Vierteln bleibt die Arbeitsvermittlung oft der einzige Weg aus ihrer existenzbedrohenden Situation. Transferleistungen wie Arbeitslosengeld gibt es nicht, auch die Gesundheitsfürsorge steht nur denjenigen offen, die sie bezahlen können. Wer sich bei der Arbeitsvermittlung meldet, muss einen Großteil der Persönlichkeitsrechte aufgeben. Ganz offiziell werden die Menschen im Fesal-Staat in Freie und Unfreie unterteilt.

Malika versucht zunächst, ihre Freiheit zu behalten. Ihre Mutter musste wie sie ums Überleben kämpfen und konnte sich nach dem Verlust ihrer rechten Hand nicht mehr um ihre Tochter kümmern. Das hübsche Mädchen verdient sich ihr Geld als Sexarbeiterin. Die Organisation "Fair handeln" bietet ihr dabei einen gewissen Schutz, kontrolliert aber auch ihre Kontakte hinsichtlich der Zufriedenheit der "KundInnen" und zieht einen Teil ihres Honorars ein.
Mit den Erwachsenen Simeone und Irmo bildet sie eine familienähnliche Gemeinschaft. Als diese auseinander bricht, wirft Malika ihre Ideale über die Schulter und meldet sich bei der Arbeitsvermittlung. Sie hofft auf eine ihren Talenten entsprechende Ausbildung. In mehreren Tests wurde sie als hoch intelligent eingestuft. Aber sie wird bitter enttäuscht. Zunächst erfolgt ein Einsatz in der Schrauben-Produktion, dann findet sie sich in der hauswirtschaftlichen Versorgung des Fesal-Hochhauses wieder. Dieses ist ein riesiger Gebäudekomplex mit Bürotrakten, aber auch Unterkünften für die Arbeitsvermittelten, die das Haus nur mit Erlaubnis verlassen dürfen. Malika setzt alles daran, mit der Großfürstin in Kontakt zu treten, denn sie erhofft sich von ihr eine spezielle Förderung. Für Klara stellt diese Eigeninitiative jedoch eine Bedrohung dar. Zugleich fühlt sie sich dennoch auf ihr unerklärliche Weise von dem Mädchen angezogen. Es beginnt eine Beziehung, die Beide mit den Abgründen des menschlichen Seins konfrontiert und schließlich eine Veränderung in der Führungsriege verursacht, die einen Funken Hoffnung zulässt, auch wenn das Ende tragisch und erschütternd ist.

AVIVA-Tipp: Ein spannendes Buch mit einer außergewöhnlichen Sichtweise auf eine hochbrisante Thematik. Dabei erhebt die Autorin niemals den pädagogischen Zeigefinger. Sie verlässt sich ganz auf die zielsichere Anwendung literarischer Stilmittel und eine exzellente Charakterentwicklung, um ihre LeserInnen in ein Szenario zu entführen, in dem die Grundsätze des menschlichen Miteinanders ausgehebelt und einem rein materiellen Denken untergeordnet wurden.

Vilja Limbach
Malthus´ Welt

Mäzena Verlag, erschienen Frühjahr 2008
Gebunden, 389 Seiten
ISBN 13: 97833939650027
22,95 Euro


Literatur Beitrag vom 12.08.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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