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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.09.2008

Ivonne Thein und Heide Häusler – Zweiunddreißig Kilo
Tatjana Zilg

Eine Geisteswissenschaftlerin und eine Fotografin nähern sich dem Thema Anorexia Nervosa. Ivonne Theins digital veränderte Bilder konfrontieren mit den Auswirkungen idealisierter Körperschemen ...



... auf das Essverhalten junger Frauen.

Das Nachwuchsprogramm "Talents", in dessen Rahmen die Ausstellung "Zweiunddreißig Kilo" in der Berliner Galerie C/O gezeigt wurde, fördert neben jungen FotografInnen auch angehende KunstkritikerInnen. So wird den qualitativ hochwertig reproduzierten vierzehn Fotografien von Ivonne Thein im ersten Teil des Kataloges ein ausführlicher Essay der Geisteswissenschaftlerin Heide Häusler gegenübergestellt. Die 1977 geborene Berlinerin studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Film- und Fernsehwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und promoviert zum Thema "Geschlechterkonstruktionen in der Fotografie von Stadt".

Unter dem Titel "Der strapazierte Körper. Zur Darstellung von Weiblichkeit in der Serie Zweiunddreißig Kilo von Ivonne Thein" gibt sie einen informativen Überblick zu den soziologischen und historischen Hintergründen der künstlerischen Arbeit und beschreibt die Fotografien aus der professionellen Perspektive einer Kunsthistorikerin. Dadurch wird das ungeübte Auge auf einige interessante Aspekte aufmerksam gemacht, die sonst möglicherweise übersehen worden wären.

Ivonne Thein studiert seit 2003 an der Fachhochschule Dortmund, Fachrichtung Fotodesign. Zuvor absolvierte sie von 1996 bis 1999 eine Berufsausbildung als Fotografin. Ihre Arbeiten waren 2007 auf vielen Fotofestivals wie zum Beispiel den Darmstädter Tagen der Fotografie, dem Stuttgarter Fotosommer, den Wiesbadener Fototagen als auch bei einer von der London Photographic Association ausgeschriebenen Ausstellung zum Thema "Passion of Fashion" in London zu sehen.

In der Serie "Zweiunddreißig Kilo" widmet sie sich der Kehrseite der Modefotografie. Der Auslöser für ihr Projekt war ein Bericht über die virtuelle "Pro Ana"-Bewegung. In diesen Internet-Foren wird Magersucht als Lebensstil propagiert. Die Userinnen spornen sich gegenseitig zu einem entsprechenden Verhalten an. Als Vorbilder nehmen sie sich Models und andere Prominente, die sie vor allem durch die Darstellung in den Medien kennen. Durch die Methoden digitaler Bildbearbeitung wirken sie oft extrem schlank. Es entsteht ein Schönheitsideal, das für viele junge Frauen unerreichbar erscheint.
Durch den anonymen Austausch im Internet hat die Magersucht einen erneuten Aufschwung bekommen. Die Betroffenen sind nicht allein mit ihrem verzerrten Körperideal, vielmehr nutzen sie die Möglichkeit der virtuellen Kommunikation, um Gleichgesinnte zu finden.

Ivonne Thein beabsichtigte zunächst, im Studio direkt mit an Anorexia Nervosa erkrankten Frauen zu arbeiten. Als sich keine Betroffenen dazu bereit erklärten, entschloss sie sich, normalgewichtige Models zu fotografieren und die Ergebnisse mit den Methoden digitaler Bildbearbeitung zu verändern. Was als eine Art Notlösung begann, bekam schnell seinen ganz besonderen Reiz. Die Artifiziellität inszenierter Fotografien wird durch die Anlehnung an die Bildsprache der Modefotografie betont und gleichzeitig durch die bis ins Schmerzhafte übersteigerten Körpermaße hinterfragt. Dabei sind die Bilder nie abstoßend, sondern von einer bizarren Ästhetik. Während der Ausstellungszeit befürchteten deshalb einige KritikerInnen, dass die Fotografien ein zu positives Bild von Anorexia Nervosa vermitteln.

AVIVA-Tipp: Die Foto-Strecke lohnt auf jeden Fall ein längeres Hinsehen. Anrührend und zugleich schockierend prägen sich die dünnen, fragilen Körper der jungen Frauen ein. Der Text-Teil von Heide Häusler ergänzt dies mit einer sehr gut recherchierten Kurzfassung der Debatte über die durch die Medien provozierten Schönheitsideale und deren Rolle in der Werbung sowie einigen Vergleichen mit den Arbeiten anderer KünstlerInnen wie zum Beispiel der Fotografien von Cindy Sherman oder der "No.Anorexia"-Kampagne von Oliviero Toscani.

Ivonne Thein, Heide Häusler
Zweiunddreißig Kilo

Text: Deutsch und Englisch.
Deutscher Kunstverlag, erschienen Frühjahr 2008
80 Seiten mit 14 farbigen Abbildungen, 16,5 x 30 cm, Klappenbroschur
ISBN. 978-3-422-06756-1
19,80 Euro

Mehr Informationen zu Essstörungen finden Sie auch in unserem Beitrag "Bund startet Kampagne gegen Schönheitswahn und Essstörungen".

Lesen Sie auch auf AVIVA-Berlin unser Interview mit der brasilianischen Marie Claire-Redakteurin Sandra Boccia "Walking the thin line on the catwalk".


Literatur Beitrag vom 02.09.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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