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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 03.12.2007

Am Ende war die Tat. Von Elizabeth George
Sabine Grunwald

Das Schicksal meint es nicht gut mit Vanessa, Joel und Toby. Der Vater erschossen, die Mutter in der Psychiatrie, und auch Tante Kendra kann trotz aller Bemühungen das Unheil nicht verhüten



Am Ende eines langen Arbeitstages findet Kendra Osborne die Kinder ihres Bruders vor ihrer Haustür vor. Nach dem Tod des drogensüchtigen Vaters, der bei einer Schießerei am falschen Ort war und der Abwesenheit der hilflosen Mutter, die in der Psychiatrie behandelt wird, lebten die Campell-Geschwister bei der Großmutter. Die entschließt sich jedoch eines Tages, zurück nach Jamaika zu gehen und lädt die Kinder vor dem Haus ihrer ahnungslosen Tochter ab.

Die toughe Kendra, die gerade versucht, sich ein Leben als selbständige Masseurin aufzubauen, hat anderes zu tun als sich um eine renitente 15jährige, den elfjährigen Joel und den kleinen siebenjährigen Toby zu kümmern, der bei Gefahr verhaltensauffällig in seine eigene Phantasiewelt abtaucht.

Doch Kendra ist pflichtbewusst und versucht das Beste aus der Situation zu machen. Es wird ihr nicht leicht gemacht. Der Teenager Vanessa findet in diesem ärmsten Stadtteil Londons schnell Anschluss an Freundinnen, die sich mit kleinen Diebstählen und Drogen über den Tag retten. Ness gerät immer tiefer in den Sumpf von Drogen und Gewalt, schwänzt die Schule und lässt sich mit dem stadtbekannten Dealer "Blade" ein, von dessen Skrupellosigkeit sie anfangs fasziniert ist.

Joel versucht verzweifelt mit dem Leben klar zu kommen, er kümmert sich liebevoll um seinen kleinen Bruder kann aber nicht verhindern, dass die Familie von einer jugendlichen Gang bedroht wird. Als er sich nicht mehr zu helfen weiß, wendet er sich ausgerechnet an Blade, der einen perfiden Racheakt an ihm verübt....

Elizabeth George ist für ihre akribischen Recherchen bekannt. Sie schildert das gnadenlose Milieu in einem armen Londoner Viertel, wo nur noch die Macht des Stärkeren zählt und alle Versuche, die brutalen Machtverhältnisse zu durchbrechen, erfolglos sind. Die Psychologie der jugendlichen Straßenbanden, der von ihnen ausgeübte Terror wird so eindrücklich geschildert, dass die zwangsläufige Eskalation von Gewalt, die in einer Verzweiflungstat endet, gut nachvollzogen werden kann.

Zur Autorin: Die Amerikanerin Elizabeth George hatte von Jugend an ein ausgeprägtes Faible für die britische Krimitradition. Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren ihre Bücher. Ausgezeichnet mit dem Anthony Award, dem Agatha Award und dem Grand Prix de Litérature Policière. Die Autorin lebt in Huntington Beach/Kalifornien. (Verlagsinformation)

AVIVA-TIPP: Ein düsteres Portrait einer verlorenen Generation, die bereits chancenlos aufwuchs und nur noch in der Lage ist, mit Gewalt zu reagieren. Selbst die besten Ansätze werden im Keim erstickt und münden in eine Ohnmacht, die einen Zwölfjährigen entgegen seiner Überzeugung, zum Mörder abstempelt. Schonungslos, hart und psychologisch raffiniert ausgearbeitet.


Elizabeth George
Am Ende war die Tat

Originaltitel: What Came Before He Shot Her
Aus dem Amerikanischen von Ingrid Krane-Müschen
Blanvalet Verlag, erschienen September 2007
Hardcover, 672 Seiten
21,95 Euro
ISBN 978-3-7645-0166-2

Literatur Beitrag vom 03.12.2007 Sabine Grunwald 

   




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