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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 04.02.2008

Irène Némirovsky - Jesabel und Der Ball
Sharon Adler

Das Werk der jüdischen Autorin wird nun auch in Deutschland postum wiederentdeckt. Die Verfasserin von "Suite française" und "Die Hunde und die Wölfe" war Ende der zwanziger Jahre der Star...



...der Pariser Literaturszene, bis sie 1942 nach Auschwitz deportiert wurde und dort wenige Wochen später starb.

Den Kontrast von Arm und Reich, Aufstieg und Niedergang und den stets schmalen Grat zwischen Akzeptanz und Verrat, den Némirovsky selbst erfahren hat, machte sie auch zum großen Thema ihrer Erzählungen. Mit der Veröffentlichung ihres Romans "David Golder" im Jahr 1929 wurde die 26-Jährige über Nacht berühmt. Als jedoch die Deutschen in Frankreich einmarschierten, wendeten sich ihre Bewunderer von ihr - der Jüdin - ab. Ihr letztes Werk, "Suite française", war in Anlehnung an eine musikalische Suite als Abfolge von fünf Teilen angelegt. Irène Némirovsky konnte jedoch nur die beiden ersten Teile beenden, bevor sie deportiert wurde.

Nachdem AVIVA-Berlin die Romane "Suite francaise" und "Die Hunde und die Wölfe" vorgestellt hatte, widmen wir uns hier Irène Némirovskys Werken "Jesabel" und "Der Ball".

"Jesabel", ein Roman über die Sucht nach Jugend, Schönheit und Bewunderung, erzählt von den sorgsam konstruierten Lebenslügen einer überirdisch attraktiven Frau, die ihr Leben lang besessen ist von dem Verlangen, geliebt zu werden. Die der Illusion ewiger Jugend nachjagt und dafür das Glück der eigenen Tochter opfert. Dieses frühe Meisterwerk von Irène Némirovsky liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor.

An einem Sommertag im Jahre 1935 steht in Paris eine elegante ältere Frau vor Gericht. Sie soll ihren 20-jährigen Liebhaber ermordet haben. Die Menge der Schaulustigen ist groß, denn Gladys Eysenach ist keine Unbekannte, sondern eine der schönsten, reichsten und begehrtesten Frauen ihrer Zeit. Ohne Zögern gesteht sie die Tat. Wie konnte aus dieser kultivierten Dame eine Mörderin werden? In der Rückschau wird Gladys Eysenachs Leben erzählt: Als dem charmanten, attraktiven und sehr jungen Mädchen auf einem Ball zum ersten Mal die bewundernden Blicke der Männer begegnen, ist sie wie elektrisiert von dem Gefühl der Lust, begehrt zu werden. Schon bald gerät sie in einen Sog, der es ihr erlaubt, alle Männer erobern zu können, und sie genießt die neidischen Blicke der anderen Frauen.

Die Männer liegen ihr zu Füßen, und Gladys Eysenach berauscht sich an dieser Macht! Sie kennt keinen anderen Lebensinhalt als den, zu gefallen. Jahre später - Gladys erscheint noch immer jung und schön - sieht sie besorgt ihre Tochter Marie-Thérèse heranwachsen, fürchtet in ihr die Konkurrentin. Selbsttäuschungen, Depressionen und Panikattacken bestimmen ihr Denken und Handeln. Den Wunsch ihrer Tochter, heiraten zu dürfen, wehrt Gladys vehement ab, weil dadurch Hinweise auf ihr wahres Alter bekannt werden würden. Als Marie-Thérèse ihr mitteilt, dass sie schwanger ist, versucht Gladys mit allen Mitteln, die Demütigung durch die Existenz eines Enkelkinds zu verhindern. Jahre später wird sie von einem unbekannten jungen Studenten auf der Straße angesprochen. Dieser spielt eine bedeutende Rolle in einem Teil ihres Lebens, vor dem sie glaubte, fliehen zu können. Ihr bis ins kleinste Detail perfekt gestaltetes Kartenhaus fällt unaufhaltsam auseinander.

"Der Ball" spielt im Paris von 1926.

Das Ehepaar Kampf plant einen großen Ball mit zweihundert Gästen aus Adel und Geldadel, um seinen Anspruch auf einen Platz in der feinen Pariser Gesellschaft zu manifestieren. Seit die Familie durch eine Börsenspekulation des Vaters, eines einst kleinen jüdischen Bankangestellten zu Reichtum gekommenen ist, hat die lieblose Madame Kampf ausschließlich ein Ziel: dazu zugehören! So legt sie ihr protziges Brillantarmband nur noch zum Baden ab, und ihre halbwüchsige Tochter, die lebenshungrige, sensible 14-jährige Antoinette, stört Madame ganz empfindlich bei den Ausführungen ihrer Pläne und darf an dem großen Fest nicht teilnehmen. Antoinette ist verzweifelt, bis sich ihr unversehens die Gelegenheit zur subtilen Rache auftut...

Zur Autorin: Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines wohlhabenden russisch-jüdischen Bankiers in Kiew geboren. Vor der Oktoberrevolution flieht die Familie nach Paris, wo Irène französische Literatur an der Sorbonne studiert. Sie heiratet den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekommt zwei Töchter und veröffentlicht ihren Roman "David Golder", der sie schlagartig berühmt macht. Weitere Veröffentlichungen folgen. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht und die Deutschen auf Paris zumarschieren, konvertiert sie und flieht mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhält sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitet sie an einem großen Roman über die Okkupation, bis sie am 13. Juli 1942 verhaftet wird. Verzweifelte Rettungsversuche ihres Mannes sind vergebens - Irène Némirovsky stirbt wenige Wochen später in Auschwitz an Typhus. Ihr Ehemann, Michel Epstein, wird später ebenfalls zusammen mit seinen zwei Brüdern und einer Schwester in Auschwitz ermordet. Ihre Töchter Denise und Elisabeth überleben durch die Hilfe einer Katholikin, fliehen bis zur Befreiung von einem Versteck ins andere, das dicke Manuskript, an dem ihre Mutter bis zur Verhaftung schrieb, haben sie immer im Koffer dabei. Irènes ältere Tochter Elisabeth Gilles arbeitet später als Übersetzerin und Verlegerin. 1992 verfasst sie die fiktive Biografie ihrer Mutter "Erträumte Erinnerungen". Ihre Schwester Denise Epstein hat das Manuskript ihrer Mutter 1954 zum ersten Mal geöffnet – zu schmerzhaft war die Erinnerung und der Verlust. Außerdem glaubte sie bis dahin, dass es nur Stichworte und vorläufige Skizzen enthalten würde. 2005 begann Denise Epstein, das Manuskript, das ihre Mutter wegen Papier- und Tintenknappheit in winziger Schrift geschrieben hatte, mit der Lupe zu entziffern und abzuschreiben - die "Suite française" war wiederentdeckt und wurde zur literarischen Sensation. Mit "Jesabel", ein Buch über die Sucht nach Jugend und Schönheit, erschien 2006 Némirovskys zweiter Roman im Knaus-Verlag, im August 2007 "Die Hunde und die Wölfe", ebenfalls im Knaus-Verlag. Im November 2007 erschien im Btb-Verlag "Der Ball". (Knaus-Verlag, Éditions Denoël)

AVIVA-Tipp: Irène Némirovskys Erzählungen fesseln nicht nur durch ihre sprachliche Raffinesse und Eleganz, vielmehr ist es die schonungslose, minutiöse Entmystifizierung ihrer ProtagonistInnen und der geschärfte Blick auf die Details, die diese Lektüre zur Sucht werden lassen.

Irène Némirovsky
Der Ball

Originaltitel: Le Bal
Originalverlag: Éditions Bernard Grasset, Paris
Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer
btb Verlag, erschienen November 2007
Taschenbuch, 112 Seiten
ISBN: 978-3-442-73578-5
Euro 6,00 [D] | Euro 6,20 [A] | SFr 11,90

Irène Némirovsky
Jesabel

Originaltitel: Jézabel
Originalverlag: Éditions Albin Michel 1936
Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer
Gebundenes Buch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-8135-0282-4
Euro 18,00 [D] | Euro 18,50 [A] | SFr 31,90
Knaus Verlag, erschienen August 2006

Literatur Beitrag vom 04.02.2008 Sharon Adler 

   




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