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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 19.02.2008

Inge Lammel, Jüdische Lebenswege
Yvonne de Andrés

Ein umfassender kulturhistorischer Streifzug durch das jüdischen Lebens in Berlin-Pankow. Anregung für Spaziergänge und Gedenken an die vertriebenen und ermordeten Nachbarn von einst.



Pankow war kein typisch jüdischer Bezirk in Berlin. Die späte Ansiedlung von Juden hier erklärt sich dadurch, dass es den in Preußen lebenden Juden erst nach 1812 möglich war, ihren Wohnort frei zu wählen. Das Buch bietet einen umfassenden, vielseitigen Blick auf die Geschichte der Juden in diesem Stadtteil.

Die ersten beiden Kapitel führen in den Alltag in Pankow ein. Der größte Teil der jüdischen Familien wohnte in Mietshäusern in der Nähe des Pankower Zentrums. Durch die bis 1871 in Preußen bestehende Berufsbeschränkung für Juden haben sich auch nach 1871 bestimmte Berufe im Handel, im Handwerk, in Verkehr und Industrie herausgebildet, in denen Juden vorwiegend arbeiteten. Die wichtigsten Unternehmen, die weit über die Bezirksgrenzen bekannt waren, werden vorgestellt, von der Gründung bis zur Enteignung, die Vertreibung, Deportation oder die gelungene Flucht, so Die Garbáty Cigaretten Fabrik, die Engelhardt-Brauerei der Flaschengroßhändler Paul Latte, die Eisen- und Maschinenhandlung Georg Herrmann, aber auch die vielen Kleinbetriebe und selbständigen Kaufleute.

Das Bild wird ergänzt und vertieft durch eine Übersicht von Lebensbildern von KünstlerInnen, ÄrztInnen und Familien, die uns mehr über die einzelnen Menschen erfahren lassen. So z. B. die Künstlerin Doris Kahane, die Kinderdichterin Paula Dehmel und viele andere. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Entrechtung und Ausgrenzung im NS-Regime, der Überlebenshilfe für jüdisch Verfolgte, jüdischem Widerstand und Verfolgung und Vernichtung. Auch diese Themen werden durch die geschilderten menschlichen Schicksale sehr plastisch dargestellt. Im Abschnitt über die Jüdischen Sozialeinrichtungen wird darauf eingegangen, welche Bedeutung die zahlreichen Wohlfahrtseinrichtungen hatten und wie eng sie mit der Gemeindearbeit verwoben waren.

Eine Gedenkliste der ermordeten jüdischen BürgerInnen Pankows vervollständigt den Band und entreißt die Namen der Deportierten und Ermordeten der Vergessenheit. Nach 1945 sah die Situation zunächst sehr gut für einen Neubeginn jüdischen Lebens in Pankow aus. In einem Gespräch mit VdN (Verfolgte des Naziregimes)-KameradInnen wird festgehalten: "Wir wollten ein neues, menschliches Leben für uns und unsere Kinder aufbauen und nicht mehr an die furchtbaren Erlebnisse der Vergangenheit erinnert werden. So verständlich eine solche Reaktion auch ist, so gibt sie natürlich keine Antwort, warum jene Aufgabe im öffentlichen Lebens Pankows wie in der ganzen DDR keine maßgebliche Rolle gespielt hat. Man muss sogar feststellen, dass diese Aufgabe von der Partei- und Staatsführung in den Hintergrund geschoben worden ist." Die anfängliche Hoffnung der Überlebenden nach Aufarbeitung wurde durch die Begründung der SED-Führung " die ehemalige antifaschistische Opposition könne nicht für die Verbrechen des Naziregimes verantwortlich gemacht werden" später sehr enttäuscht.

Zur Autorin: Inge Lammel wurde 1924 in Berlin, Prenzlauer Berg als Tochter einer jüdischen Familie geboren. Sie und ihre Familie waren seit 1933 zunehmenden Repressalien ausgesetzt. Ihre Eltern wurden nach Auschwitz deportiert. Gemeinsam mit ihrer Schwester kam Inge Lammel 1939 mit einem Kindertransport nach England. Dort war sie tätig im Freien Deutschen Kulturbund und in der Freien Deutschen Bewegung. Nach 1947 kehrte Inge Lammel nach Berlin zurück. Studium der Musikwissenschaft an der HUB. 1975 Promotion. Aufbau und Leitung des Arbeiterliedarchivs an der Akademie der Künste (DDR) 1954 – 1985. Mitbegründerin und Ehrenvorsitzende des Bundes der Antifaschisten in Pankow, stellvertretende Vorsitzende des Vereins für das ehemalige jüdische Waisenhaus in Pankow. Vielfältige Publikationen zum Arbeiterlied und zum jüdischen Leben in Pankow. (2006) Alexander Beer. Baumeister der Berliner Jüdischen Gemeinde. (2002) Arbeiterlied - Arbeitergesang . Hundert Jahre Arbeitermusikkultur in Deutschland. Aufsätze und Vorträge aus 40 Jahren 1959-1998.

AVIVA-Tipp: Inge Lammel legt in der zweiten überarbeiteten Auflage ein umfassendes Werk über die Kulturgeschichte der Juden in Pankow vor. Facettenreich werden die Schicksale und Lebensbilder einzelner jüdischer Menschen und Familien beleuchtet und dokumentiert. Zentrale Sozialeinrichtungen wie das Jüdische Waisenhaus, das Lehrlingsheim, das Mädchenhaus Pankow, u.a., die eine Gesamtbedeutung für Berlin hatten, werden hier vorgestellt. Ein Buch, das mehr als nur eine Bezirksgeschichte widerspiegelt.


Jüdische Lebenswege
Ein kulturhistorischer Streifzug durch Pankow und Niederschönhausen.
Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe
Herausgegeben von Inge Lammel
Hentrich & Hentrich Verlag, erschienen September 2007
kartoniert - 397 Seiten
ISBN: 9783938485538
Euro 24,80 [D] | Euro 24,80 [A] | SFr.

Weiterlesen:

Inge Lammel auf Zeitzeugeninterviews.de

Verein der Förderer und Freunde des ehemaligen Jüdischen Waisenhauses in Berlin-Pankow: www.juedisches-waisenhaus-pankow.de

Ahawah heißt Liebe. Die israelische Künstlerin und Filmemacherin Ayelet Bargur erzählt die Geschichte des jüdischen Kinderheims Beit Ahawah in der Berliner Auguststraße, die zugleich die Geschichte ihrer Familie ist.

Jüdisches im Grünen. Ausflugsziele im Berliner Umland

Ich besaß einen Garten in Schöneiche bei Berlin. Jani Pietsch

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Literatur Beitrag vom 19.02.2008 Yvonne de Andrés 

   




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