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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 26.02.2008

Der zerbrochene Schmetterling
Jana Muschick

Die Erzählungen von Yoko Ogawa treffen einen ganz subtilen Nerv in der Region zwischen Sehnsucht und Schmerz. Eine Sprache wie Spinnweben, eine Handlung wie unterbewusstes Traumsurrogat.



Der zerbrochene Schmetterling ist eine Sammlung von drei Erzählungen, in denen die Autorin Yoko Ogawa ihre Figuren am Rand der tiefsten moralischen Abgründe schweben lässt. Die erste Erzählung, "Das Schwimmbecken", handelt von Aya, die in einem Waisenhaus groß geworden ist. Die Eltern der Protagonisten sind die HeimbetreiberInnen und wollen ihre Tochter den anderen Kindern nicht vorziehen, so dass Aya das Gefühl bekommt, einsam unter Fremden aufzuwachsen. Der Unterschied zu den anderen Kindern des Heims besteht allein darin, dass sie die Hoffnung besitzen, in eine Pflegefamilie zu kommen – Aya hat diese Möglichkeit nicht.

Das Mädchen ist in den schönen Jun verliebt, den sie heimlich im städtischen Schwimmbad bei seinen Kunstsprüngen beobachtet. Jun wohnt ebenfalls in dem Waisenhaus von Ayas Eltern. Die Teenagerin kann aber ihren Gefühlen zu Jun, für den sie fast wie eine Schwester ist, keinen Ausdruck verleihen.

In der ganzen Erzählung bleibt Aya stets die Beobachterin, die passive Voyeurin der Welt, die um sie herum lebt. Nahezu unbewusst sucht sie sich als Ventil für ihr isoliertes Dasein die kleine Rie aus. Das Kleinkind ist ebenfalls Bewohnerin des Waisenhauses und kann noch nicht sprechen. Aya gibt Rie verdorbenen Kuchen zu essen und gefährdet damit das Leben der Kleinen.

Jun erahnt Ayas Tat. Sie, die hier zum ersten Mal aktiv geworden ist, bringt durch ihre Handlung Unglück und Verderben über ihre Mitmenschen – die in diesem Falle unschuldige Kinder sind. Ab diesem Punkt kippt das Verhältnis zwischen Aya und Jun. Dadurch, dass Aya das Kind mutwillig in Gefahr gebracht hat, kann Jun keine Sympathie mehr für sie empfinden.

Stets sind es Beziehungen unter falschen Vorzeichen, anhand derer Yoko Ogawa die untergründliche Triebkraft menschlicher Empfindungen beschreibt: In der zweiten Erzählung "Das vollkommene Krankenzimmer" offenbart sich die Zuneigung einer Frau zu ihrem Bruder, die ihr erst im Moment des Abschiednehmens bewusst wird.
Die dritte Erzählung, "Der zerbrochene Schmetterling" handelt von einer schwangeren Frau, die plötzlich eine lähmende Fremdheit ihrem Mann gegenüber empfindet.

Zur Autorin: Yoko Ogawa wurde 1962 in Okayama geboren und lebt mit ihrer Familie in Kurashiki. Sie ist Romanautorin und hat zahlreiche Erzählungen veröffentlicht. Für ihr Werk wurde sie mit wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Kaien-Preis und dem renommierten Akutagawa-Preis.

AVIVA-Tipp: Mit der schwebenden Leichtigkeit ihrer Sprache verwischt Yoko Ogawa die Grenze zwischen Illusion und Wirklichkeit und lässt eine Welt voller Magie und naiver Gewalt entstehen. Die Erzählungen packen die Leserin, geben ihr nicht das Gefühl, an alltäglichen Trivialitäten teil zu haben, sondern den Figuren in ihre Seele blicken zu können. Ein berührendes und auch irritierendes Lesevergnügen.

Yoko Ogawa
Der zerbrochene Schmetterling

Erzählungen
Original: Agehacho ga kowareru toki, Kanpeki na byoshitsu, Daibingu Puru
Übersetzerin: Ursula Gräfe und Kimiko Nakavama-Ziegler
Liebeskind Verlag, erschienen 2007
ISBN: 3935890478
Gebunden, 192 Seiten
Preis: 18,90 Euro

Literatur Beitrag vom 26.02.2008 Jana Muschick 

   




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