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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.04.2008

Lisa See – Eine himmlische Liebe
Jana Muschick

Die Oper "Päonienpavillon" beeinflusste Generationen von chinesischen Mädchen. Die Autorin Lisa See skizziert in ihrem Roman die Rolle der gehobenen verheirateten Frauen in einer uralten Kultur.



Hintergrund und historische Fakten

Lisa See siedelt ihren Roman im 17. Jahrhundert in China an. Damals, im Jahre 1644, ging die Ming-Dynastie unter und wurde durch die brutale Herrschaft der Mandschu, auch Quing-Dynastie genannt, abgelöst. In den dreißig Jahren des Umbruchs herrschte Chaos und Not im Reich der Mitte. Den Männern, die noch an ihren alten Kaiser glaubten, wurde die Stirn ausrasiert – als Zeichen ihrer Unterwürfigkeit zu den neuen Machthabern. Zu dieser Zeit wurden zahlreiche Frauen vergewaltigt und Kinder zu tausenden ermordet.

Im Jahr 2000 schrieb die Autorin Lisa See für die Vogue einen kurzen Artikel über die Inszenierung des Päonienpavillons im Lincoln Center. Bei den Recherchen für diesen Artikel stieß sie auf die liebeskranken Mädchen und die Rolle der gebundenen Füße, der sogenannten Lilienfüße, in China. Diese ersten Nachforschungen beschäftigten Lisa See und trieben sie an, diesen wundervollen Roman über die vergessenen liebeskranken Mädchen im Reich der Mitte zu schreiben.

Gebundene Füße – Lilienfüße

Im Roman wird die Tradition der gebundenen Füße in China thematisiert. Es war als Statussymbol anzusehen, wenn Frauen kleine Füße hatten. Um einen Fuß von einer Große von ca. 10 Zentimetern zu erhalten, wurden den Mädchen zwischen dem siebten und dem neunten Lebensjahr die Füße gebrochen und dann wochenlang in meterlange Stoffstreifen eingebunden, so dass die Füße nicht mehr weiter wachsen konnten. Da die Füße dann so klein und "hübsch" waren wie Lilien, wurden sie Lilienfüße genannt. Durch diese Verstümmelung konnten die Frauen nur noch tippeln und sich lediglich im Haus aufhalten. Es heißt sogar, dass manche Männer ihre zukünftigen Frauen nach der Größe ihrer Füße aussuchten.

Dadurch, dass die Frauen nur noch im Haus arbeiten konnten, kam es zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert in China vermehrt zu dem Phänomen der schreibenden Frauen, die ihre Texte auch veröffentlichten. In "Eine himmlische Liebe" ist von zwanzig Frauen die Rede, von denen Texte erhalten geblieben sind.

Der Kommentar der drei Ehefrauen zum Päonienpavillon

Die Oper Der Päonienpavillon beschreibt eine Liebesgeschichte zwischen der jungen Frau Du Liniang und ihrem Geliebten Liu Mengmei. Das Stück wurde 1598 von Tang Xianzu in den Zeiten der Ming Dynastie geschrieben und handelt von einer Liebe, die über den irdischen Tod hinausgeht. Diese Oper beeinflusste unzählige Mädchen, die sich durch die vermittelten Gefühle – ähnlich wie bei Goethes "Werther" – so stark berührt fühlten, dass sie die Nahrung verweigerten und verhungerten. Sie werden in der chinesischen Kultur als liebeskranke Mädchen bezeichnet.

Lisa Sees Ich-Erzählerin und Protagonistin Mudan aus "Eine himmlische Liebe" hatte ihre reale Vorgängerin in der Chinesin Chen Tong (1649 geboren – Todesdatum ungekannt). Chen Tong und ihre Mitschreiberinnen Tan Ze (1656 – Todesdatum unbekannt) und Quian Yi (1671 - Todesdatum unbekannt ) sind die Schreiberinnen des Kommentars der drei Ehefrauen zum Päonienpavillon. Der Kommentar ist eine Sammlung von Anmerkungen, die von diesen drei Frauen für die Oper geschrieben wurden. Man nimmt an, dass diese drei die Ehefrauen eines Mannes waren, die die Kommentare ihrer verstorbenen Vorgängerinnen zum Päonienpavillon fortgeführt haben.

Eine himmlische Liebe

Mudan, Tochter aus gutem Haus, erhält zu ihrem sechzehnten Geburtstag von ihrem Vater ein wundervolles Geschenk. Ihr "Baba" lässt für Mudan den "Päonienpavillon" an drei Abenden in seinem Garten aufführen. Da es den unverheirateten Mädchen verboten ist, Männern direkt in das Gesicht zu blicken, müssen sie die Oper hinter einem Vorhang anhören. Jeglicher Kontakt zu Männern ist strengstens untersagt.

Als Mudan am ersten Abend der Oper ein wenig Luft schnappen will, läuft sie in kleinen Schritten auf ihren Lilienfüßen durch den Garten, begegnet dort dem Intellektuellen Ren und verliebt sich in ihn. Von diesem Treffen darf nie jemand erfahren, denn Mudan soll in wenigen Wochen verheiratet werden. Doch die junge Chinesin kann ihren geheimnisvollen Fremden nicht vergessen.
Die 16-jährige kann sich nicht vorstellen, einen anderen Mann zu heiraten, wo sie doch täglich voller Gedanken an ihren Dichter ist. Aus vielerlei Beweggründen verweigert sie die Nahrungsaufnahme…kein duftendes Reisbällchen und keine frischen reifen Früchte können sie zum Essen verführen. Mudan wird von Tag zu Tag schwächer – es scheint, als sei einzig der Päonienpavillon ihre Nahrung.

Drei Tage vor der Hochzeit kommt der Vater in Mudans Zimmer. Leise flüstert er ihr den Namen ihres zukünftigen Mannes ins Ohr. Doch das ausgezehrte Mädchen ist schon zu schwach, um sich überhaupt aus dem Bett bewegen zu können. Mudan ist sich ihres nahenden Todes noch nicht bewusst und so kommt es, dass sie die Zeremonien, die sie für die Vorbereitungen auf ihre Hochzeit gehalten hat, die Vorbereitung auf ihren Tod sind...

Doch wo viele europäische Romane enden würden, beginnt die Geschichte um Mudan erst richtig. Lisa See selbst sagte in einem Interview: "Ich bin in einer chinesischen Familie aufgewachsen, in der an Geister geglaubt wurde. Geister sind in der chinesischen Kultur nichts Fantastisches, sie sind Alltag, Teil des wirklichen Lebens." So fährt auch Mudan auf ihrer Reise als hungriger Geist weiter durch die Welt, um ihrem höchsten Wunsch Erfüllung zu schenken.

Zur Autorin: Lisa See wurde seit der Veröffentlichung ihres Bestsellers "Der Seidenfächer" (USA 2005) zu einer Grande Dame der internationalen Literatur. Ihr neuestes Buch "Eine himmlische Liebe" (USA 2007) landete sofort nach dem Erscheinen des Titels auf der Bestsellerliste der New York Times und blieb dort lange unter den Top Ten. Die Rechte an diesem zweiten fulminanten Werk wurden in über 36 Länder verkauft! Die Autorin wurde in Paris geboren und wuchs mit ihren Eltern in Los Angeles auf. Sie arbeitet mehr als 13 Jahre lang als Journalistin.
Weitere Infos und Kontakt zu Lisa See erhalten Sie unter: www.lisasee.com

AVIVA-Tipp: Der Roman Eine himmlische Liebe eröffnet einen weiten Blick auf eine weit entfernte Kultur. Beim Lesen findet frau eine ganze Welt voll ungeahnter Düfte und neuer Gefühle. Nicht alle Dinge, die diese Mädchen und Frauen tun, sind aus heutiger Sicht nachvollziehbar, doch Lisa See beschreibt auch plastisch die Quälereien des Füßebindens mit der Achtung, die man dieser Form von Schönheit in China über Jahrhunderte entgegen brachte. "Eine himmlische Liebe" ist ein Roman voller Geister und Traditionen, voller fernöstlicher Kultur und uralter Lebensweisheiten. Ein einzigartiger Lesegenuss!


Lisa See
Eine himmlische Liebe

Originaltitel: Peony in Love
Übersetzerin: Elke Link
Bertelsmann Verlag, erschienen März 2008
ISBN/EAN: 978-3-570-00894-2
450 Seiten, Hardcover mit Umschlag
19,90 Euro

Literatur Beitrag vom 08.04.2008 Jana Muschick 

   




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